Bürgermeister: Jöhstadt hat die Talsohle durchschritten

Die Neuerrichtung eines Feuerwehrgerätehauses in Steinbach sowie eines Anbaus an die Oberschule sind die beiden großen Herausforderungen für die nächsten fünf Jahre.

Jöhstadt.

Verhärtete Fronten zwischen Rat und Bürgermeister, wie bis vor zwei Jahren Realität in Jöhstadt, möchte Olaf Oettel (parteilos) nicht noch einmal erleben. Der Bürgermeister will am liebsten nur nach vorn schauen. Das wünscht er sich auch von den künftigen Stadträten. Wer das sein wird, entscheidet sich am 26. Mai. Dabei haben die Bürger, anders als vor fünf Jahren, dieses Mal keine große Auswahl. Um die insgesamt 14 Sitze im Stadtrat bewerben sich lediglich 16 Kandidaten. Damals waren es 54. Vom aktuellen Rat kandidieren nur noch drei Mitglieder. Ganz von der Bildfläche verschwinden werden die bisherigen Fraktionen Für unnre Haamit, Freie Wähler/Bürgerforum und Aktives Oberes Preßnitztal.

Das neue Gremium muss laut Oettel im Wesentlichen zwei Großprojekte stemmen. Das ist der seit Längerem geplante Neubau eines Feuerwehrgerätehauses in Steinbach sowie die Errichtung eines Anbaus für Technikräume an die Oberschule Jöhstadt. "Ansonsten werden wir uns in den kommenden fünf Jahren der neuen Wahlperiode mehr auf das Thema Erhaltung der vorhandenen Substanz konzentrieren müssen", sagt Oettel. Dabei haben es die künftigen Räte etwas leichter zu agieren als die jetzigen zu Beginn ihrer Wahlperiode, glaubt er. Denn die Talsohle sei inzwischen durchschritten, "es geht langsam bergauf", betont der Bürgermeister.

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Dennoch gebe es noch einige Baustellen. Und der neue Rat müsse sich darauf einstellen, auch ein paar für die Bevölkerung unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Als Beispiel führt er das Thema Kindertagesstätten an. Die jetzigen vier Einrichtungen könne Jöhstadt nicht mehr halten. Zusammenlegungen seien dringend erforderlich. Zudem sei geplant, 2020 die noch in kommunalem Besitz befindlichen Kläranlagen an den Abwasserzweckverband "Oberes Zschopau- und Sehmatal" zu übertragen. Welche Auswirkungen das auf den Gebührenzahler habe, könne derzeit noch nicht gesagt werden. Die Gespräche dazu liefen.

Eine gute Entwicklung bescheinigt Oettel dem Tourismus in der Stadt mit dem Zugpferd Preßnitztalbahn. 5295 Übernachtungen im ersten Quartal dieses Jahres seien ein guter Wert. Hier sei der neue Rat ebenfalls gefordert, weitere Ideen zu entwickeln, um Gäste in die Kommune zu locken. Die Räte sollten dabei nicht nur an jetzt, sondern auch an die nächsten Jahre denken.


Zahlen und Fakten

Die Stadt Jöhstadt zählt gegenwärtig 2680 Einwohner.

Mit einer Fläche von 49 Quadratkilometern ist die Bergstadt in etwa so groß wie Freiberg.

Zu Jöhstadt gehören die Ortsteile Grumbach, Schmalzgrube und Steinbach.

Der Stadtrat verfügt über 14 Sitze.


Das wünschen sich die Bürger von ihrem neuen Stadtrat

Heike Vetter aus Grumbach: Der neue Stadtrat sollte sich dafür einsetzen, dass dringend nötige Sanierungsarbeiten im Grumbacher Erbgericht angegangen werden. Vor allem im Hausflur ist das nötig, wo schon der Putz von der Wand fällt. Und auch unserer Trauerhalle würde eine kleine Finanzspritze gut tun - vor allem für eine Heizung und eine Beschallung. Sehr angenehm empfinde ich das Miteinander der Vereine in Grumbach. Allerdings tragen sie in der Regel sämtliche finanzielle Lasten selbst. Auch dahingehend sollte der künftige Rat einmal prüfen, ob nicht ein paar Mittel zur Unterstützung vorgehalten werden können. Und ich wünsche mir, das jedoch nicht nur vom neuen Rat, sondern von allen Bürgern, dass Jöhstadt mit seinen Ortsteilen endlich als eine Einheit angesehen wird. Die immer wiederkehrenden kleinen Sticheleien untereinander sind nicht gut.

Sigrid Bräuer aus Jöhstadt: Zurzeit fallen einem überall die schlechten Straßen auf. Es wäre schön, wenn für deren Sanierung die Stadt beziehungsweise der künftige Rat mehr Geld zur Verfügung stellen könnte. Perspektivisch betrachtet fände ich es gut, wenn es gelingen würde, dass der neue Rat Rahmenbedingungen schafft, dass auch in Jöhstadt oder den Ortsteilen wieder anspruchsvolle Arbeitsplätze entstehen. Und zwar solche, die auch für junge Menschen interessant sind, die studiert haben. Und vielleicht könnten die künftigen Räte noch einmal über das Thema Gästetaxe nachdenken. Die Höhe von 1,50 Euro verärgert doch viele Urlauber, die nach Jöhstadt kommen.

Günter Tippmann aus Steinbach: Für unsere Kinder und Enkel ist es wichtig, dass die beiden Freibäder in Steinbach und Schmalzgrube sowie die Sportanlagen erhalten bleiben. Das ist eine Aufgabe für den neuen Rat. Auch muss die Stadt in Zukunft mehr in die Vereinsarbeit investiert werden. Gerade was am Gegentrum-Stolln passiert oder besser nicht passiert, ist für mich ein Trauerspiel. Für den Ersatz der dort abgebrannten Kaue ist das Geld im Rathaus längst vorhanden, aber es passiert nichts. Den Neubau muss meiner Meinung nach einfach die Stadt in die Hand nehmen. Das kann man nicht auch noch auf den Verein abwälzen. Und dann würde ich mir wünschen, dass der neue Rat darauf drängt, dass wieder in den Ortsteilen regelmäßig Einwohnerversammlungen stattfinden.


Diese Kandidaten stellen sich zur Wahl

In Jöhstadt gibt es insgesamt 16 Bewerber um die 14 Sitze im Stadtrat.

AfD:

Werner Jens Neumann

Bündnis 90/Die Grünen:

Sebastian Eberhard Richter

CDU:

Uwe Kraus

André Frank Zinn

Frank Arndt Hofmann

Dietrich Christoph Engst

Nicole Grocholski

Michael Harry Groschopp

Falk Langer

Dr. Daniel Meyer

Maik Mischau

Daniela Sieglinde Mynett

Thomas Frank Störzel

Thomas Peter Vasold

Alfred Ralf Wagler

Falko Wolfgang Wieland

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