Bürgermeister legt sich mit Geocachern an

Das Gebiet bei Geyer ist für die moderne Form der Schnitzeljagd beliebt. Doch aus Sicht der Stadt ufert das Ganze aus, es müssten Regeln her. Zuvor sollen alle versteckten "Schätze" weg - und das von allen städtischen Flächen. Mancher hofft, dass es noch anders geht.

Das Geocaching ist ein beliebtes Hobby. Doch aus Sicht der Stadt Geyer muss es vor allem für das Verstecken der "Schätze" Regeln geben. Deshalb sollen zunächst alle weg von städtischen Flächen und aus dem Geyerschen Wald. Das Foto zeigt ein Symbolbild.

Für Sie berichtet: Annett Honscha

Sie haben Namen wie "Die Waldbixx", "Märchenhafter Heideteich" oder "Da lebt doch bestimmt der Waldzwerg aus Geyer." Geocaches, die Ausflügler in den Geyerschen Wald ziehen - und die dort zum Teil schon seit Jahren versteckt sind. Das Geocaching - die "Schatzsuche" mit Hilfe von im Internet veröffentlichten geografischen Koordinaten und GPS etwa dank dem Smartphone - ist bei vielen beliebt. Doch sie sorgt auch für Unmut: In der Stadt Geyer als einem der größten kommunalen Waldbesitzer der Region ist das der Fall. Da es keine Genehmigungen für die versteckten "Schätze" gebe, will sie zunächst alles auf Null setzen. Die Geocaches sollen raus aus dem Wald, ebenso betrifft das andere städtische Flächen. Dafür gibt es laut Bürgermeister Harald Wendler (Die Linke) eine Frist bis 3. Mai. Danach soll eine neue Variante gesucht werden.

Was ist das Problem aus Sicht der Stadt? "Das Geocaching ist uns über den Kopf gewachsen", sagt Wendler. Die Caches seien überall versteckt und oft montiert worden, auch in sensiblen Gebieten. Es gebe mittlerweile hunderte solche Punkte, die Geocacher ansteuern - und das zum Teil auch nachts. Manchmal seien Verstecke auf Bäumen eingerichtet, es habe etwa Konstruktionen zum Hoch- und Runterkurbeln gegeben. Das sei nur ein Beispiel. "Das geht zu weit", findet Wendler. Das Ganze habe zudem zu Schwierigkeiten im Hinblick auf die Jagdpächter geführt. So weiche etwa das Rotwild offenbar auf andere Gebiete aus, es finde keine Ruhezonen mehr. Junge Baumbestände seien ebenso nicht sicher. Genehmigungen seien nicht erteilt worden - obwohl solche etwa in Richtlinien des bekannten Internet-Portals www.geocaching.com zur Veröffentlichung eines Geocaches als Notwendigkeit aufgeführt sind. Wendler weiter: "Wir wollen das nicht rigoros verbieten. Aber es muss geregelt werden." Ein erstes Gespräch mit Geocachern gab es, ein weiteres soll folgen.

Diese hoffen auf einen Kompromiss, hätten den Kontakt zur Stadt gesucht, wie Geocacher Toni Freitag berichtet. Nach seiner Einschätzung gibt es im Gebiet von Geyer samt Wald etwa 120 versteckte Geocaches, die zurzeit aktiv sind. Gelegt würden solche generell meist von Leuten aus der Region. Das betreffe bei den vorhandenen Exemplaren etwa 16 Teams, denen jeweils ein bis drei Leute angehören. "Ich selbst nutze Geocaching, um gezielt zu wandern. Es bringt Menschen in die Natur", sagt der Elterleiner. Toni Freitag hat etwa 2018 einen Adventskalender gestaltet und jeden Tag einen anderen Cache aktiviert - alle wegesnah. Vorher habe er in der Stadtverwaltung das Gespräch gesucht. Schriftliche Genehmigungen gebe es für das Verstecken generell selten, wenn dann meist nur mündliche Zusagen. Der Großteil aller Caches sei auf www.geocaching.com gelistet. "Es gibt dort auch Reviewer, die überprüfen, ob man sich an die Spielregeln hält", erklärt der Erzgebirger. Die selbst vorgegebenen Richtlinien sind umfassend. Das betrifft neben Genehmigungen zum Beispiel Abstände, in denen Geocache-Behälter gelegt werden sollen. Sie müssen demnach mindestens 0,1Meilen voneinander entfernt sein. Das entspricht 161 Metern.

Die Region bei Geyer hat in Sachen Geocaching laut Toni Freitag bundesweit einen sehr guten Ruf. Das Ganze sei auch bei Familien mit Kindern beliebt. "Unser Wunsch wäre es, dass die vorhandenen Caches erst einmal drin bleiben können und wir gemeinsam entscheiden, wie sie verändert oder welche rausgenommen werden müssen", sagt er. Zum großen Teil seien sogenannte Petlinge aus Kunststoff verwendet worden, in denen jeweils ein Logbuch liegt, in das Finder sich eintragen können. Aber es gebe auch größere Caches und manche elektronische Spielerei darunter. Die Stadt bleibt indes dabei: Bis 3. Mai soll erst einmal alles raus.

Was ist aber nun beim Geocaching im Wald erlaubt? Dafür hat etwa der Staatsbetrieb Sachsenforst auf Basis von Waldgesetz und Jagdgesetz eigene Hinweise erarbeitet. Das Ganze sei vom allgemeinen Recht, den Wald zur Erholung zu betreten, gedeckt, wenn man sich an Regeln hält. Dazu zählt etwa, dass Caches ohne Hilfsmittel versteckt und gesucht werden können und sie nicht mit Nägeln oder Ähnlichem an Bäumen befestigt werden dürfen. Bestimmte Flächen sind ohnehin per Gesetz tabu. Sobald eine Suche als Event öffentlich beworben wird und damit eine organisierte Veranstaltung ist, sei sie erlaubnispflichtig. Eine Einbeziehung des Besitzers wird auch empfohlen, wenn etwa eine Art Rundweg geplant wird. Zudem sei der Waldeigentümer in bestimmten Fällen berechtigt, manchmal sogar verpflichtet, Caches zu entfernen - etwa wenn sie sich in einem Naturschutzgebiet befinden. "Auch wenn das Ganze andere legitime Waldnutzungsarten wie die Jagd beeinträchtigt und Grenzen überschritten werden, gehört das Thema wieder auf den Tisch", sagt Matthias Weinrich, der Leiter des Forstbezirks Neudorf im Staatsbetrieb Sachsenforst. Die betroffenen Jagdpächter in Geyer haben sich ebenfalls mit dem Thema befasst, wollen sich aber nicht öffentlich dazu äußern.

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