Corona-Virus: Fragen und Antworten zur Situation im Erzgebirge

Großereignisse ab 1000 Teilnehmer sind im Erzgebirge untersagt, kleinere sind anmeldepflichtig. Wird Tag der Sachsen verlegt? "Freie Presse" beantwortet die wichtigsten Fragen für das Erzgebirge.

Am Freitag gab es den ersten bestätigten Corona-Fall im Erzgebirge. Auch das Helios-Klinikum Aue reagiert.

Wie sieht die aktuelle Lage im Erzgebirgskreis aus?

Im Erzgebirgskreis gibt es bislang eine bestätigte Erkrankung. Ein Mann aus Raschau-Markersbach ist am Freitag positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Am Donnerstag hatte der FC Erzgebirge Aue vorsorglich geraten, das Spiel gegen den SV Sandhausen abzusagen, nach dem sich beim Spiel gegen Dynamo Dresden am Sonntag nachweislich zwei mit dem Virus infizierte Fans im Dresdner Stadion aufgehalten hatten. Wie der Verein erklärt, befand sich eine der Personen auch im Auer Fanbereich. Im Kreis sind zuletzt bei mehreren Personen Abstriche zur Diagnose einer Infektion gemacht worden. Einige Leute stünden deshalb derzeit unter Quarantäne, erklärt Sprecher Pechfelder. Von Verdachtsfällen will er aber noch nicht sprechen.

Am Freitagnachmittag hat die DFL entschieden, den am Wochenende anstehenden 26. Spieltag in der ersten und zweiten Bundesliga nicht auszutragen. Davon betroffen ist auch die Partie FC Erzgebirge Aue gegen Sandhausen.

Wie reagieren die Krankenhäuser?

Das Helios-Klinikum in Aue errichtet ab Samstag eine Kinder-Fieber-Ambulanz. Diese befindet sich außerhalb des Klinikgeländes in der Gartenstraße 6 in den Räumlichkeiten von Reha-Aktiv (über der Rettungswagen-Einfahrt). Damit soll eine Vermischung von infektiösen und nicht infektiösen Patienten auch im Kinderbereich zu vermeiden werden, teilt das Klinikum am Freitag mit.

Die Ambulanz ist wochentags von 8-12 und 13-16 Uhr und am Wochenende von 9.30 Uhr bis 13.30 Uhr durch die Klinik-Kinderärzte besetzt. Alle Eltern von erkrankten Kindern, die Fieber zusammen mit Halsschmerzen oder Atemwegserkrankungen oder Durchfallerkrankungen haben, werden gebeten, diese Ambulanz zu nutzen und das Klinikgebäude nicht zu betreten.

Welche Veranstaltungen dürfen nicht mehr stattfinden? Was hat der Kreis beschlossen?

Das Landratsamt Erzgebirgskreis hat am Donnerstag eine Allgemeinverfügung zur Durchführung von Großveranstaltungen im Kreis erlassen. Demnach wird unter anderem das Durchführen von Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern untersagt. Veranstalter von Zusammenkünften mit 200 bis 999 Teilnehmern sind verpflichtet, diese gegenüber dem Gesundheitsamt des Erzgebirgskreises anzuzeigen. In diesen Fällen erfolgt im Hinblick auf die Durchführung eine Einzelfallentscheidung. Die Allgemeinverfügung kann auf der Webseite des Kreises abgerufen werden. www.erzgebirgskreis.de

Wie reagieren die Kulturhäuser in der Region auf die Nachricht?

In der Region fallen zahlreiche Veranstaltungen aus. Das für Samstag angesetzte Nacktrodeln in Oberwiesenthal hingegen soll stattfinden, hat der Landkreis am Freitag bestätigt. Welche Veranstaltungen im Erzgebirge abgesagt wurden, finden Sie in unserem laufend aktualisierten Beitrag.

Badbetrieb eingestellt

Um einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken, geben die Stadtwerke Annaberg-Buchholz bekannt, dass die Schwimmhalle Atlantis ab Sonnabend, den 14.03.2020 bis auf Widerruf präventiv geschlossen bleibt. Das Restaurant lädt weiter, zu den gewohnten Öffnungszeiten, ein.

Wie reagieren die Behörden?

Die Informations- und Annahmestellen der sächsischen Finanzämter bleiben vorerst für den Besucherverkehr geschlossen. Die sächsische Finanzverwaltung reagiert damit auf die zunehmende Verbreitung des Coronavirus, heit es in einem Mitteilung am Freitag. Betroffen sind das Finanzamt Annaberg-Buchholz, Schwarzenberg, Zschopau und Stollberg. Unterlagen sollen per Post eingesendet oder in den Briefkasten des Finanzamtes geworfen werden. Das Finanzamt arbeitet mit dem gewohnten Service weiter. Bei Fragen können sich Steuerpflichtige telefonisch an die Finanzämter wenden.

Wie reagieren die Feuerwehren?

Von dem vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump für die nächsten 30 Tage verhängten Einreiseverbot für Europäer in die USA sind auch acht Feuerwehrleute aus dem Erzgebirge betroffen. Sie gehören zu insgesamt rund 100 Kameraden aus ganz Sachsen, die am Wochenende zu einem fünftägigen Erfahrungsaustausch in die USA fliegen sollten. "Die Reise findet definitiv nicht statt. Ob es einen erneuten Anlauf gibt, muss noch geklärt werden", sagt Paul Schaarschmidt vom Kreisfeuerwehrverband Erzgebirge. Inwieweit den Teilnehmern beziehungsweise der Feuerwehrvereinigung Euro-Fire, die auch schon den Besuch amerikanischer Feuerwehrleute im vergangenen Jahr in Sachsen organisiert hatte, Reisekosten rückerstattet werden, sei ebenfalls unklar. Zudem hat der Kreisfeuerwehrverband bis zum 19. April alle Ausbildungen und den Betrieb der Atemschutzübungsanlagen im Landkreis ausgesetzt.

Droht jetzt auch dem Tag der Sachsen im September in Aue die Absage?

Nach dem Oberbürgermeister Heinrich Kohl (CDU) zuletzt keinerlei Auswirkungen auf den Sachsentag befürchtete, will er sich nun nicht mehr festlegen. Welche Auswirkungen die Verbreitung des Erregers auf das Fest haben könnte, werde derzeit mit der Staatskanzlei in Dresden diskutiert, sagt er. "Wir stehen dazu in Kontakt." Ein Verschieben des Festes nennt Kohl aber ausdrücklich eine Option. Vielleicht auf das Jahr 2023, wenn Aue seinen 850. Geburtstag feiert. "Wenn Virologen sagen, dass der Erreger bis August kursiert, wer soll dann im September kommen?", fragt er. Eine Prognose könne derzeit keiner abgeben. Eine Entscheidung für oder gegen den Sachsentag, sagt er, müsse aber zügig getroffen werden: "Denn das Problem ist, wir müssen jetzt die Verträge mit den Dienstleistern machen müssen."

Wie reagiert die Hochschule in der Region?

"Wir beobachten die Entwicklung genau, haben mit Augenmaß erste Schritte eingeleitet", sagt Uwe Schneider, ständiger Vertreter des Direktors der Staatliche Studienakademie Breitenbrunn. Eine Exkursion nach Venedig ist ebenso abgesagt wie ein Besuch des 6. Semesters im Tourismusausschuss des Bundestages in Berlin. "In unserer Einrichtung wurden überall die Hygienevorschriften verschärft, Aushänge weisen Studierende, Lehrkräfte, Mitarbeiter und Besucher auf die Verhaltensmaßregeln hin." An der Akademie studieren rund 700 junge Frauen und Männer, für die sich Theorie- und Praxisphasen abwechseln, was ein rollendes Studium bedeutet. "Am Montag tagt die sächsische Hochschul-Direktorenkonferenz, da sind auch Aussagen zum Umgang mit der Corona-Pandemie zu erwarten", so Schneider. Als Studiengangleiter Tourismuswirtschaft und Industrie weiß er auch, dass schon mehrere Praxispartner - wie Reisebüros und Hotels - begründete wirtschaftliche Sorgen haben.

Gibt es Corona-Fälle bei der Erzgebirgssparkasse?

Nein. Aber drei Mitarbeiterinnen haben nach ihrer Rückkehr aus Corona-Risikogebieten auf Anraten des Gesundheitsamts ihre Tätigkeit nicht wieder aufgenommen. "Rein präventiv, sie zeigten keinerlei Symptome und hatten keinerlei Kontakt zu Kollegen", betont Sparkassen-Sprecher André Leonhardt. Alle Beschäftigte des Geldinstituts seien sensibilisiert. Intensiv werde bereits an Notfallplänen gearbeitet. Auch an Kunden werde appelliert. So stehen etwa an den Kundentheken Hinweisschilder, auf Händeschütteln zu verzichten. Das Unternehmen unterhält im gesamten Erzgebirgskreis aktuell 54 Filialen und 32 SB-Standorte und beschäftigt 756 Mitarbeiter. Alle seien aktuell betriebsbereit. (juef/stl/alu/tjm)

Service Das Gesundheitsamt des Kreises erreichen Betroffene per E-Mail unter gesundheitsamt@kreis-erz.de und telefonisch für die Regionen Aue, Schwarzenberg und Stollberg unter Ruf: 03771 277-3206. Für die Regionen Mittleres Erzgebirge und Annaberg-Buchholz gilt die Rufnummer 03733 831-3008. Laufend aktuelle Informationen auch zum Verhalten bei Corona finden Sie auf www.freiepresse.de/corona

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