Das Leben als Drahtseilakt zwischen Tod und Hoffnung

Das Jugendprojekt im Eduard-von-Winterstein-Theaters in Annaberg-Buchholz ist erwachsen geworden. Denn längst überzeugt auch der Nachwuchs mit guter Schauspielleistung.

Annaberg-Buchholz.

"Dope - letzte Chance Hoffnung" hat Schauspieler Nenad Zanic sein neustes Stück genannt, das er für den hauseigenen Jugendclub des Eduard-von-Winterstein-Theaters geschrieben hat. Wobei der Begriff Jugendclub dem, was da auf der Bühne passiert, nicht mehr gerecht wird. Denn die Inszenierungen sind längst den Kinderschuhen der Anfangsjahre entwachsen - inhaltlich und auch handwerklich. Eines aber ist geblieben: Die Brisanz der Themen, die angepackt werden. Drängende Probleme der Zeit, die sonst nur wenig Platz im Spielplan des Hauses finden. Und die eben nicht nur für das jugendliche Publikum bestimmt sind. Vielmehr sollen sich gerade auch die Erwachsenen damit auseinandersetzen, wünscht sich der Regisseur. Denn das Problem Drogen geht längst alle an. Deshalb wird es in dieser Spielzeit auch mindestens zwei Abendvorstellungen auf der großen Bühne geben - ein Novum in der vergleichsweise noch jungen Geschichte der eigenständigen Schauspieltruppe.

Erzählt wird die Geschichte einer Wohngemeinschaft, in der fünf Freunde leben. Fünf völlig unterschiedliche Charaktere, deren Alltagsrhythmus seit Jahren vom Drogenkonsum bestimmt wird - vor allem davon, wie sich Geld für neuen Stoff beschaffen lässt. Die einen gehen dafür auf den Strich, andere versuchen es mit Diebstählen. Kurzzeitig unterbrochen wird dieser zerstörerische Rhythmus nur, wenn sie sich nicht sicher sind, ob sich einer von ihnen möglicherweise gerade den goldenen Schuss gesetzt hat. Und doch gibt es auch immer wieder Hoffnungsschimmer. Doch werden die für den steinigen Weg in ein neues Leben reichen?

Es ist auch dieses Mal wieder kein leicht verdaulicher Stoff, den die vorwiegend jungen Leute da verarbeiten. Und der verlangt auch ihnen alles ab, wie unter anderem Franzy Roscher deutlich macht. Sie tanzt sonst im Ballett des Hauses, hat ab und an auch schon kleinere Rollen gespielt. Doch die Rolle der Betty in dieser Geschichte hat sie an ihre Grenzen gebracht. Nicht nur, weil sie dafür unter anderem lernen musste, wie sich ein Abhängiger die Spritze setzt oder sich den Stoff durch die Nase zieht. Vor allem emotional forderte diese Geschichte ihre Akteure. "Sie hat viel Arbeit gemacht und hat auch viele Tränen gekostet", berichtet Franzy Roscher. Und sie erzählt von den Zweifeln, die sie selbst hatte, ob sie denn dieser Rolle wird gerecht werden können.

Zweifel, die auch Nenad Zanic nur zu gut kennt. Umso mehr zollt er seinen Darstellerinnen und Darstellern Respekt und Anerkennung für ihre Leistung. Und dafür nimmt er auch Kritik in Kauf. Kritik, die ihm vorhält, zu weit zu gehen, zu brutal zu sein. Dem hält er entgegen: "Die Realität ist noch viel härter. Ein Zuviel gibt es nicht." Das richtige Maß zu finden, sei eine Gratwanderung.

Auch deshalb gibt es von der Geschichte mehrere Fassungen, wurde die endgültige Fassung letztlich bei den Proben erarbeitet. Doch der langjährige Schauspieler verfolgt bei seinen eigenen Geschichten, für die er dieses Mal unter anderem Gespräche mit Betroffenen im Klinikum in Annaberg-Buchholz geführt hat, ein Prinzip: "Ich gehe so weit ich gehen kann." Denn er will mit seinem Stück nicht unterhalten, er will damit eine Wirkung erzielen. "Wenn die Zuschauer sich auch nach der Aufführung noch damit beschäftigen, darüber reden - auch Tage später noch - dann haben wir etwas erreicht", sagt er.

Die nächsten Vorstellungen stehen am 4. November und am 25. Januar auf dem Spielplan. Beginn ist jeweils 20 Uhr.

"Dope - letzte Chance Hoffnung"

Das neue Jugendtheater-Stück fügt sich nahtlos ein in die Reihe der Inszenierungen der zurückliegenden Jahre, in denen brisante Themen aus der Lebenswelt der jungen Leute aufgegriffen wurden. Das auch dieses Mal wieder von Schauspieler Nenad Zanic selbst entwickelte Stück, bei dem er auch Regie führt, befasst sich mit einem der drängendsten Probleme der Zeit: der körperlichen und seelischen Abhängigkeit von Drogen und den verheerenden Folgen, die der Drogenkonsum auch für die sozialen Beziehungen hat.

Es geht um eine Wohngemeinschaft, in der fünf Freunde leben. Aber dieses Leben ist eigentlich keins. Denn es ist bestimmt vom Drogenkonsum. Längst kann keiner mehr sagen, wie es angefangen hat. Übermut? Leichtsinn? Falsche Freunde? Was scheinbar harmlos begonnen hat, hat inzwischen alle Lebensziele, allen Mut verschlungen. Aussteigen? Das wäre eine Option. Aber der Weg aus der Abhängigkeit ist steinig und mit Rückschlägen gepflastert. Also wird weitergemacht - dem unausweichlichen Drogentod entgegen gegangen. Doch plötzlich ist da etwas, ds alles verändert. Etwas, für das es sich lohnt, neu anzufangen. Eine Hoffnung.

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