Deutscher Verein restauriert tschechische Kirchturmuhr

Nach einem Jahr Wartezeit sitzt das Ziffernblatt der bekannten Uhr in der Kirche Neugeschrei wieder an seinem Platz - dank Denkmalspflegern und der Feuerwehr.

Bärenstein/Neugeschrei(Nové Zvolání)/Weipert.

Es ist einer der heißen Sommertage im August am frühen Vormittag. Ein deutscher Transporter bringt das Ziffernblatt der Kirchturmuhr von Nové Zvolání (Neugeschrei) zum Kirchvorplatz. In den vergangenen Monaten wurde es aufwendig restauriert. Nun wurde es wieder an seinen angestammten Platz eingebaut.

Die Männer vom Verein Denkmalspflege Weipert sind an diesem Tag bereits vor Ort. Anton Hippmann, ein Einwohner des Grenzortes, hat die Türen des Gotteshauses geöffnet. Kurz darauf rückt ein Einsatzwagen der Weiperter Feuerwehr an und parkt das Auto mit Drehleiter in dem steilen Hanggelände. Es folgen geübte Handgriffe der tschechischen Kameraden. Milan Suchaneck sichert sich am Ende der Leiter. Das Ziffernblatt haben die Männer bereits eingehängt. Dann fährt sein Kollege die Leiter aus. Vorbei an einigen störrischen Buchenästen schwebt Suchaneck auf 25 Meter Höhe am Turm. Das Ziffernblatt ist schwer. Es sollte unterwegs keinen Schaden nehmen. Suchanek dreht es mehrmals in die richtige Position. Am Uhrenfenster wartet Frank Kolibius und gibt Kommandos. Der eiserne Koloss muss zentimetergenau eingepasst werden. Das ist nicht ganz einfach. Innen warten weitere Helfer vom Verein, um das Blatt zunächst provisorisch zu verankern. Die Männer schwitzen. Jetzt sollte nichts schiefgehen. Ein Jahr Restauration hängt immer noch unsicher in der Luft.

"Wir haben die Konstruktion in den letzten Monaten zunächst gesäubert und dann die fehlenden und defekten Teile ersetzt und wieder eingefügt", erinnert sich Uwe Schulze vom Verein Denkmalpflege Weipert. Anschließend wurde alles fachmännisch verschweißt und lackiert. Der Vereinsvorsitzende lässt auch durchblicken, dass das Ganze keineswegs einfach war. Trotz Fachwissens habe immer wieder die Gefahr bestanden, Ziffernblatt oder Zeiger zu verbiegen. Schließlich sei das Vorhaben aber gelungen.

Kolibius gibt Entwarnung. Das Ziffernblatt sitzt zunächst. Milan Suchanik fährt lautlos wieder nach unten. Prüfende Blicke zum Turm machen jedoch klar: das Ziffernblatt sitzt schief. Noch einmal Muskeleinsatz. Ein letzter Ruck: alles paletti. Fehlt nur noch das runde Plexiglas für den Hintergrund. Das fertigte eine Weiperter Firma und wird später eingesetzt. Den Männern vom Verein fällt ein Stein vom Herzen. Uwe Schulze weiß, dass das Ganze nur Dank der unbürokratischen Art von Weiperts Bürgermeisterin Jitka Gavdunová und der Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr möglich war. "Hier versteht jeder jeden und weiß, wo er zupacken muss, auch wenn die Sprache unterschiedlich ist", erlebt Schulze immer wieder. Im Zuge der Aktion wurde auch das zweite der drei Ziffernblätter abgenommen. Das ist in einem noch schlechteren Zustand.

104 Jahre hat die Kirchturmuhr von Neugeschrei auf dem Buckel. 1894 wurde die Kirche in dem Weiperter Ortsteil nach knapp einem halben Jahr Bauzeit geweiht. Die Chronik berichtet, dass sich die Einwohner mit Hingabe für einen Kirchenbau einsetzten. "Es gab Familien, die sich nicht satt aßen, nur um Geld für die Kirche spenden zu können. Der Kircheninnenraum ist gut erhalten, wohl auch dank der ehemaligen deutschen Einwohner, die sich aktuell immer wieder für das Gotteshaus engagieren.

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