Die Bahn als Zugpferd allein reicht nicht aus

Die Gemeinde Sehmatal erarbeitet mit Partnern ein Konzept, wie sich der Ort für Gäste attraktiver gestalten lässt. Da gilt zunächst: Hausaufgaben erledigen.

Sehmatal.

Eine schlechte öffentliche Verkehrsanbindung - insbesondere am Wochenende, leer stehende Gaststätten, fehlende Schilder an Wander- und Radwegen, fehlende öffentliche Toiletten. Den Sehmatalern fallen viele Dinge ein, die momentan in Sachen Tourismus im Argen liegen in ihrer Gemeinde. Sie haben aber durchaus auch Ideen, wie sie die drei Ortsteile attraktiver gestalten lassen. Das ist am Mittwochabend bei einer Einwohnerversammlung im Turnerheim in Cranzahl deutlich geworden, bei der mehr als 70 Einwohner mit Bürgermeister Andreas Schmiedel (Freie Wähler Bürgerforum) und mit regionalen Tourismusexperten diskutiert haben.

Die haben durchaus auch einige kritische Entwicklungen ausgemacht: So ist beispielsweise die durchschnittliche Bettenauslastung in den gewerblichen Beherbergungsbetrieben mit mehr als zehn Betten deutlich zurückgegangen. Lag sie im Jahr 2000 noch bei 32,8 Prozent, liegt sie momentan bei unter 15 Prozent. Joris Schofenberg spricht von einer "verheerenden" Zahl. Er gehört zur Kommunalentwicklung Mitteldeutschland - einem Unternehmen, das gemeinsam mit dem Tourismusverband Erzgebirge die aktuelle Situation in der Gemeinde Sehmatal analysiert hat. Im Vergleich: Der erzgebirgische Durchschnitt bei der Bettenauslastung liegt bei 36 Prozent, der sachsenweite sogar bei 42 Prozent. Auch die durchschnittliche Aufenthaltsdauer hat sich im gleichen Zeitraum von 3,1 Tagen auf 2,6 Tage reduziert. Allein im gewerblichen Bereich verfügt die Gemeinde demnach über 490 Gästebetten, wobei sich davon zwei Drittel im Ortsteil Neudorf befinden.

"Erheblichen Nachholebedarf" sehen die Experten auch in Sachen Servicequalität: Ein sogenannter "Mystery-Check", bei dem anonym verschiedene Anfragen an Vermieter und Einrichtungen verschickt werden, hat laut Joris Schofenberg lediglich eine befriedigende Note 2,6 ergeben. Besonders kritisch seien dabei die Punkte Individualität und Zielgruppenspezifik sowie die gesamte Gestaltung der Antworten, die mitunter sogar fehlerhaft waren.

Die zur Diskussionsrunde am Mittwochabend gesammelten Kritikpunkte und Anregungen haben sich die Touristiker als "Hausaufgaben" mitgenommen. In der Steuerungsgruppe soll nun bis Mitte des nächsten Jahres das Konzept erarbeitet werden - auch weiterhin unter Beteiligung der Öffentlichkeit. Das Konzept wiederum ist wichtige Voraussetzung für weitere Projekte, erläutert Bürgermeister Andreas Schmiedel. So will die Gemeinde damit unter anderem Fördergeld für einen Tourismusmanager eruieren. Der soll dann unter anderem weiterführend konkrete Investitionen in die touristische Infrastruktur vorbereiten und Netzwerke schaffen. "Unser Ziel ist zum einen mehr Wertschöpfung für alle, die in der Gemeinde vom Tourismus partizipieren", sagt Andreas Schmiedel. Das bedeute aber auch für allen anderen mehr Lebensqualität. Deshalb sei Tourismus etwas, "was alle angeht". Auch wenn es keine Pflichtaufgabe der Kommune sei.

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