Die neuen Glocken sind noch stumm

Die Kirche Sankt Margarethen in Grumbach hat ein neues Geläut bekommen. Bis es die Gemeinde erstmals hören wird, vergeht allerdings noch etwas Zeit. Denn das Projekt barg so manche Schwierigkeit.

Grumbach.

Eigentlich sollte ihr Klang morgen zum ersten Mal durch die Kirchgemeinde in Grumbach schallen. Doch die drei neuen Bronzeglocken im Glockenhaus von Grumbach bleiben vorerst noch stumm. Zu ehrgeizig war der Zeitplan gesteckt. So haben Pfarrerin Arne Mehnert und Kirchenvorstand entschieden: Wir verschieben die feierliche Glockenweihe auf den Reformationstag.

Damit erfolgt sie nun ein ganzes Jahr später als ursprünglich geplant. Denn zum ersten Mal gegossen worden waren die neuen Glocken bereits im vorigen Jahr. Doch wie schon 1921 ist auch dieses Mal der Guss der kleinen Glocke misslungen, musste sie noch einmal gegossen werden. Nun aber sind alle drei Glocken da und zieren in ihrer schlichten Schönheit das grundlegend sanierte Glockenhaus hinter der Kirche. Bewusst schlicht gehalten, tragen sie auch nicht die vier für die Glockengießerei Grassmayr im österreichischen Innsbruck typischen vier Engelsköpfe auf den Glockenkronen. Für das traditionsreiche Familienunternehmen, in dem seit 1599 Glocken aus Bronze gegossen werden, haben sie eine ganz besondere Bedeutung: Mit dem Läuten soll nicht nur der Klang, sondern auch Schutz und Segen in alle Himmelsrichtungen verbreitet werden.

Auch die Verzierungen der Grumbacher Glocken tragen eine einheimische Handschrift - die von Holzbildhauermeister Friedhelm Schelter aus Königswalde. Er hat für die große Glocke beispielsweise die Kirche Grumbach mit dem darüber stehenden Mond entworfen - schließlich darf der bei den "Monputzern", wie die Grumbacher im Erzgebirge auch genannt werden, nicht fehlen. Typisch erzgebirgisch auch das Rankenmotiv, das alle drei Glocken ziert: Dafür wurde die heimische Eberesche gewählt.

Fast so neu wie das Geläut ist auch das Glockenhaus. "Wir haben außer den Mauern eigentlich alles neu gemacht", berichtet Thomas Hoffmann. Er betreut seitens des Kirchenvorstandes den Bau. So hat das Haus ein neues Dach bekommen, eine neue Decke mit Ringanker, einen neuen hölzernen Glockenstuhl, neuen Innenputz. Auch Fenster und Türen sowie Schallschutztüren werden erneuert. Derzeitige Kostenkalkulation dafür: annähernd 138.000 Euro. Ob es dabei allerdings bleibt, lässt sich momentan noch nicht sagen, erläutert Pfarrerin Arne Mehnert. Die Schlussrechnung stehe noch aus. Und während der Arbeiten habe der Bauablauf immer wieder angepasst werden müssen. Fest steht aber, dass sich die Landeskirche Sachsen mit 52.000 Euro an dem Bauvorhaben beteiligt. Die Differenz muss die Kirchgemeinde aufbringen - aus Eigenmitteln, Eigenleistungen aus mit Hilfe von Spenden. Und von denen braucht die Gemeinde noch einige, um den Gesamtbetrag aufbringen zu können, macht die Pfarrerin deutlich.

In den vergangenen Tagen waren im Glockenhaus hauptsächlich Ralf Stiebitz und Hartmut Barthel von der Heidenauer Glockenläute- und Elektroanlagen GmbH am Wirken. Sie haben nicht nur die Glocken an ihren endgültigen Platz gebracht, sondern auch die gesamte Technik samt Elektronik installiert. Und obwohl die beiden auch im Erzgebirge in den rund 30 Jahren des Bestehens des Unternehmens schon unzählige Glocken zum Klingen gebracht haben, war die Baustelle in Grumbach etwas Besonderes, verrät Hartmut Barthel: "Wir hatte ganz kurze Wege", sagt er schmunzelnd. Denn während sie auf den meisten ihrer Baustellen oft mehrfach am Tag den gesamten Kirchturm nach oben beziehungsweise nach unten müssen, war es in Grumbach nur eine kurze Leiter.

Schwierig waren Bauarbeiten an Glocken und Glockenhaus unterdessen schon immer, wie in alten Aufzeichnungen nachzulesen ist. So galt nach dem Zweiten Weltkrieg Bronze als Sparmetall und wurde nicht für Glocken freigegeben. Aber es gab auch zahlreiche andere Widrigkeiten: "Blechstreifen und Klöppel sowie Muttern konnten noch nicht ... befördert werden, da sich noch keine Gelegenheit wegen des üblichen Benzinmangels und der winterlichten Verhältnisse bot", ist beispielsweise in einem Brief von 1948 an den damaligen Pfarrer zu lesen. Geschafft haben es die Grumbacher dennoch - wie auch jetzt wieder. Und so werden am 31. Oktober die neuen Glocken in einem Festgottesdienst feierlich geweiht.

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