Diebstahlserie versetzt Einwohner in Angst

Familien berichten, dass ein tschechischer Tatverdächtiger schon mehrfach in Deutschneudorf aufgefallen war. Sie fürchten um ihre Sicherheit. Nun können sie aufatmen - zumindest vorerst.

Deutschneudorf.

Am Ende ist alles ganz schnell gegangen. Anwohner riefen die Polizei. Die Beamten nahmen den Mann kurz darauf in einem Garten auf frischer Tat fest. Vorwurf: Hausfriedensbruch. "Er befindet sich jetzt auf dem Weg nach Dresden in die Justizvollzugsanstalt", sagte am Dienstagnachmittag Rolf Dittrich, Leiter des Polizeirevieres Marienberg. Nach wochenlanger Aufregung kann damit in Deutschneudorf nun wieder Ruhe einkehren - zumindest vorerst. Denn ob der aus dem tschechischen Litvínov stammende Mann bis zur Hauptverhandlung in Untersuchungshaft bleibt, ist ungewiss.

Viele Familien hatten insbesondere in den Orten Deutschneudorf und Olbernhau seit Mitte Juli wiederholt Diebstähle beklagt. So verschwanden zum Beispiel Fahrräder sowie Lebensmittel. Um die 20 Anzeigen gingen bei der Polizei ein. Selbst der Vorwurf der Körperverletzung war darunter. Die Familien waren zunehmend verunsichert und forderten Hilfe. Angesichts der sich stetig zuspitzenden Situation hatte am Montagabend im Museum "Haus der erzgebirgischen Tradition" im Zuge der Gemeinderatssitzung ein kurzfristig anberaumtes Krisentreffen stattgefunden. Der Raum war mit Besuchern voll, sodass sogar noch Stühle geholt werden mussten. Dutzende Anwohner sowie Eltern machten sich gemeinsam Luft. Bürgermeisterin Claudia Kluge (FDP) rief dazu auf, keine Selbstjustiz auszuüben. Verfolgungsjagden seien nicht das richtige Mittel. Zuständig seien die Polizeibeamten. Unterstützung erhielt Claudia Kluge von Rolf Dittrich, der bei dem Treffen mit dabei war.


"Wir hatten in unserem Garten zum Schulanfang ein Zelt aufgestellt", erzählte eine Betroffene gegenüber "Freie Presse". Ihren Namen wollte sie so wie andere aus Sorge vor Repressalien nicht öffentlich nennen. Der Mann habe heimlich unter anderem einen Soßentopf gestohlen und sich am Essen bedient, sagte die 31-Jährige. "Ich habe zwei Töchter." Sie wolle verhindern, dass ihnen etwas passiere.

Eine andere Frau berichtete, dass der Tscheche versuchte, bei ihrer Familie einzubrechen. Als er entdeckt wurde, sei er nach Tschechien gerannt. "Mein Mann verfolgte ihn", so die 30-Jährige. Der Geflüchtete habe ihn daraufhin mit einer Spritze bedroht und sich später in einem Haus versteckt.

Die alarmierte tschechische Polizei nahm sich des Problems an. Wenige Stunden später sei der Mann schließlich in Olbernhau aufgetaucht. Gemeinsam warnten die Familien vor dem 28-Jährigen. Im Zweifelsfall solle die Polizei verständigt werden. Jeder Diebstahl, jeder Hausfriedensbruch sowie jegliche Körperverletzung müsse zur Anzeige gebracht werden, betonte eine 29-Jährige. Besonders ältere Anwohner rief sie zur Vorsicht auf.

Rolf Dittrich hatte während der Krisensitzung ebenfalls zur Achtsamkeit aufgerufen. Er bat die Bürger, auch kleine Beobachtungen zu melden. Nur so könne es gelingen, dem Mann Taten nachzuweisen und ein umfassendes Bewegungsprofil zu erstellen. Dass dies so schnell Erfolg zeigen würde, hatte der Revierleiter allerdings nicht erwartet.

Schon einmal war versucht worden, den 28-Jährigen von Deutschneudorf fernzuhalten. So saß er bereits Ende Juli für mehrere Tage in der Justizvollzugsanstalt Dresden in Untersuchungshaft. Jedoch kam er nach einigen Tagen wieder auf freien Fuß. Grund: keine Fluchtgefahr. "Der Mann ist EU-Bürger und hat einen festen Wohnsitz", ordnete Dittrich ein. Ihn an weiteren Taten zu hindern, sei angesichts der Grenzübertritte schwierig gewesen. Auf tschechischem Staatsgebiet sind die Polizeibeamten auf ihre tschechischen Kollegen angewiesen.

Wie lange der Mann nun in der Untersuchungshaft bleibt, hängt vor allem von den weiteren Haftprüfungsterminen ab. Inzwischen seien seine Chancen geringer, die Justizvollzugsanstalt schnell wieder zu verlassen. Denn er habe gegen Auflagen, die mit seiner ersten Entlassung aus der Untersuchungshaft verbunden waren, verstoßen. So musste er sich laut Dittrich wöchentlich bei der Polizei melden, kann dem allerdings nicht nach.

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