Ein Buch als Einstieg in ein Gespräch über Gefühle

Frank Richter spricht vor wenigen Gästen, gibt aber tiefgründige Analysen

Schwarzenberg.

"Gehört Sachsen noch zu Deutschland?" So lautet der provokante Titel des neuesten Buches von Frank Richter. Im Erzgebirge kennen ihn die meisten aus seiner Zeit als Pfarrer in Aue, als Protagonist der Wendezeit, als Bürgerrechtler, der viele Jahre die Landeszentrale für politische Bildung in Sachsen geleitet hat.

2017 hat Richter die CDU verlassen, nachdem er ihr seit Anfang der 1990er-Jahre angehört hatte. Begründet hat er diesen Schritt mit der fehlenden Streitkultur in den eigenen Reihen. Heute sagt der Parteilose über sich: "Ich stehe der SPD nahe." Für sie tritt er zur Landtagswahl auf Listenplatz 7 an. Simone Lang aus Breitenbrunn steht auf Platz 11. Bei "Lang trifft Richter" im Haus Kafka in Schwarzenberg ging es indes um weit mehr als um sein neues Buch. Das bot nur den Einstieg in ein Gespräch über die Gefühlslage der Menschen so kurz vor der Wahl.


Richter, ein brillanter Analytiker, spricht von Traurigkeit und Verlusten, die speziell in den Menschen im Osten noch immer gärten. Die sie bewegen und die aus seiner Sicht auch nach 30 Jahren noch längst nicht vom Tisch sind. Er kritisiert die seit Jahrzehnten fehlende Anerkennung für die Lebensleistungen der Ostdeutschen. Er beklagt und klagt ihn an, den Mangel an politischer Bildung in den Schulen. Mehr noch: "Ich beklage den Verfall des humanistischen Bildungssystems." Und er spricht von einer ernsthaften Gefahr der neuen Rechten.

Er liest nicht aus dem Buch, sondern spricht frei über alles, was im Gedruckten nachzulesen ist. Der Abend ist mehr ein philosophisches Gespräch über die aktuelle Situation im Land, die bevorstehende Wahl eingeschlossen. Dabei versucht Richter den zehn interessiert lauschenden Gästen zu erläutern, worin er Gründe für die spürbare Verbitterung sieht und warum diese erst jetzt zutage tritt. Verbitterung sei aber heilbar, Hass dagegen zerstöre.

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