Ein zweites Zuhause fernab der Heimat

Seit etwa sieben Monaten absolviert Rosa Patzina ihrem Freiwilligendienst in Sambia. In "Freie Presse" berichtet die junge Oberwiesenthalerin von ihrem Abenteuer im südlichen Afrika.

Mansa.

Viele Eindrücke und Erlebnisse liegen bereits hinter mir, da ich bereits mehr als die Hälfte meines einjährigen Freiwilligendienstes in Mansa absolviert habe. Das ist mir beim Zwischenseminar im Februar bewusst geworden, als wir uns mit den sechs anderen Volontären, die gerade auf dem afrikanischen Kontinent leben, in Lusaka getroffen haben. Wir hatten viel zu erzählen, über das Projekt, das Zusammenleben mit den Salesianern, über die Kinder und Jugendlichen. Wir haben Spiele, Ideen, Bilder und Erlebtes geteilt. Dabei war es hilfreich zu erfahren, dass manche Schwierigkeiten von den anderen ähnlich wahrgenommen werden.

Ich kann aber sagen, dass meine Mitvolontärin Hannah und ich die meiste Zeit über mit dem Kopf in Mansa bei den Kindern und Jugendlichen waren. Bereits vor der Abfahrt fiel uns der kurze Abschied schwer Man könnte meinen, dass wir gar nicht nach Lusaka fahren wollten, da wir einen Tag vor der Reise immer noch keine Bustickets gekauft hatten. Schließlich haben wir uns dann doch aufgemacht und verbrachten dort zwei Wochen, natürlich nicht ohne Nachrichten und Fotos nach Mansa zu schicken und uns zu erkundigen, wie es allen geht. Eine der Textnachrichten hat mich sehr gerührt. Charles, ein ehemaliger Schüler der Don Bosco Secondary, an der wir arbeiten, schrieb: "Wann kommt ihr zurück nach Hause?" In diesem Moment wurde mir bewusst, dass Mansa und besonders die Kinder und Jugendlichen vor Ort längst Zuhause geworden sind.

Nach der Seminarwoche haben wir einen kurzen Urlaub in Livingstone im Süden des Landes und an den Viktoriafällen verbracht. Aber wir steckten uns auch Ziele für das kommende halbe Jahr in unseren Einrichtungen. Es gibt viel zu tun, vor allem im Jugendzentrum, welches zur Zeit ohne Führung eines Salesianers auskommen muss. Hannah und ich versuchen, diese Rolle, so gut es geht auszufüllen. Das ging einher mit einer Strukturierung des Zeitplans für das Oratorium, welcher nun neben kurzen täglichen Unterrichtseinheiten auch das Beten des Rosenkranzes beinhaltet. Somit streben wir an, die vier Säulen des Oratoriums abzudecken: Familie, Kirche, Schule und Spielplatz. Vor allem wollen wir in nächster Zeit versuchen, ein wenig Sorgfalt für das Erscheinungsbild der Kinder zu tragen: Zähneputzen, Kleidung und Waschen. Viele der Kinder gehören zur untersten gesellschaftlichen Schicht, leben überall, aber nirgendwo so richtig, und arbeiten in den Mangan-Erzminen oder auf den Märkten, um etwas zum Unterhalt der Familie beizutragen. Nur etwa die Hälfte der Kinder besucht regelmäßig eine Schule. Kaum jemand hat Zugang zu fließendem Wasser und die Stromversorgung ist nicht durchgehend gewährleistet. Seit einiger Zeit tupfen wir regelmäßig alle kleinen Köpfe, die wir sehen mit Essig ab, da dieses Hausmittel gegen die Pilzinfektion hilft, welche die meisten Kindern vor allem auf der Kopfhaut haben. Wir würden den Hygiene-Aspekt gern ausweiten, damit die Kinder sich in Zukunft selbst zu helfen wissen.

Wir verstehen die Kultur und die Menschen von Tag zu Tag besser, obwohl mir lange nicht klar war, welch gravierenden Unterschied es zwischen meiner Lebensweise hier und dem Rest der Bevölkerung gibt. In der Kommunität mit den Salesianern leben wir sehr westlich. Dass solchen Luxus allerdings so gut wie niemand hier erlebt, wurde mir erst so recht bewusst, als wir anfingen, viele unserer Freunde daheim zu besuchen. Wir hatten schon mehrfach das Glück und die Ehre, in private Haushalte eingeladen worden zu sein und dort den Alltag der Schüler erleben zu dürfen und die Familien kennenzulernen. Eines der schönsten Erlebnisse war die erste Übernachtung bei Harriet. Die Gastfreundschaft an diesem Abend hat uns überwältigt, da alles, was vorhanden ist, restlos geteilt wird und wir kaum unsere Teller selbst spülen durften. Das Wasser für alle Tätigkeiten kommt dabei aus einem Brunnen vor dem Haus und die Räume sind nur durch Tücher abgetrennt. Auch die Wände reichen nicht bis zur Decke, sodass man jedes Wort im ganzen Haus hören kann.

Empfangen wurden wir in der Kommunität übrigens äußerst herzlich und mehr als ekstatisch von den Kindern. Diese rollten am ersten Tag im Oratorium einem Wirbelsturm gleich einfach über uns hinweg und spielten uns völlig kaputt. An diesem Abend konnten wir vor lauter Erschöpfung kaum am Tischgespräch beim Abendbrot teilnehmen und wünschten uns einfach nur Ruhe und Frieden. Auch heute noch sind wir eigentlich nie allein, sobald wir aus der Haustür treten, da die Tore zum Don Bosco Campus, der auch die Schule, die Kirche der Gemeinde, das Jugendzentrum, den Fußball- und zwei Basketballplätze einschließt, früh geöffnet und abends geschlossen werden und somit tagsüber immer Kinder auf dem Gelände sind.

Auch wenn Mansa als Provinzhauptstadt Luapulas eher als ländliche Region gilt, gibt es viele schöne Orte, vor allem am Fluss, die wir meist an Sonntagen erkunden, wenn nachmittags kein Oratorium ist. Langweilig ist uns nie. Ob in der Schule, im Oratorium oder in der Kommunität - es gibt immer etwas zu planen, vorzubereiten oder wenigstens bunt anzumalen.

 

blogs.donboscovolunteers.de/ rosainsambia

 

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...