Elf Orgeln erklingen an drei Tagen

Als Kantor in der Frauenkirche prägt Matthias Grünert seit 15 Jahren die Musiklandschaft in Dresden mit. Doch nicht nur dort. Regelmäßig spielt er auch besondere Konzerte im Erzgebirge.

Erzgebirge.

Allmählich gehören sie wieder zum Alltag: Konzerte in den Kirchen der Region. Am Wochenende gibt es gleich elf davon entlang der Silberstraße. Gestaltet werden sie von nur einem Kantor: Matthias Grünert, seit 15 Jahren in der Frauenkirche in Dresden. Die Orgelfahrten sind sein Markenzeichen geworden. In ganz Deutschland ist er damit unterwegs - und immer wieder auch im Erzgebirge.

In die Montanregion geholt hat ihn Mattias Weber aus Raschau, der musikalisch seine ganz eigene Geschichte hat. Singt er doch seit 2008 im Chor der Dresdener Frauenkirche, gehört dort als Tenor "mittlerweile schon zum Inventar". Für die wöchentlichen Proben sowie für die zahlreichen Gottesdienste und Konzerte jedes Jahr - wenn nicht gerade wie in diesem Jahr Corona für eine Zwangspause sorgt - nimmt er jeweils eine Anreise von 125 Kilometern auf sich. "Für manch einen mag das vielleicht etwas verrückt klingen. Aber es ist für mich nach wie vor ein fantastisches Erlebnis, in dieser Dresdner Frauenkirche zu singen, die weltbekannt und darüber hinaus ein Symbol für Frieden, Toleranz und Versöhnung geworden ist", sagt er. Über die Jahre hat sich so auch eine sehr persönliche und freundschaftliche Beziehung zu Matthias Grünert entwickelt. Und so organisiert Matthias Weber seit nunmehr sechs Jahren die Orgelfahrt Erzgebirge - entlang der Silberstraße. "Dabei erklingen an drei Tagen bis zu zwölf Orgeln in der Region nacheinander und es wiederholt sich während der gesamten Orgelfahrt kein einziges Orgelstück", erläutert der Rauschauer. Für jede Orgel suche Kantor Matthias Grünert vorab ein entsprechendes Programm aus, welches speziell auf die jeweiligen Besonderheiten der Orgel abgestimmt ist. "Mir obliegt hier im Vorfeld die komplette Vorbereitung der Orgeltour, die bereits wieder beginnt, sobald die aktuelle Orgelfahrt Geschichte ist." Dazu gehöre unter anderem die Koordination des ehrenamtlichen Helferteams, Übernachtung, Verpflegung, Werbung und Finanzierung. Damit verbunden: unzählige Mails, Telefonate und persönliche Gespräche und Besichtigungen vor Ort. Dennoch sagt Matthias Weber: "Es ist eine interessante und lohnenswerte Aufgabe, die Orgellandschaft des Erzgebirges einem immer größer werdenden Publikum zu erschließen." Denn seit einigen Jahren kommen Orgelfreunde aus ganz Deutschland zur Orgelfahrt im Erzgebirge. Und mittlerweile scheint sich die Konzertreihe, für die in diesem Jahr Landrat Frank Vogel die Schirmherrschaft übernommen hat, schon bis ins tschechische Nachbarland herumgesprochen zu haben. Denn erstmals in diesen sechs Jahren sind bei dem Organisator auch Anfragen aus Tschechien eingegangen.

Neu ist in diesem Jahr auch ein Programmheft, in dem auf 20 Seiten Informationen und Fotos zu den einzelnen Kirchen und Orgeln der Fahrt zusammengetragen sind. Elf Instrumente sind es, auf denen Matthias Grünert am Wochenende spielen wird - jeweils ein 30- bis 45-minütiges Konzertprogramm. Das Auftaktkonzert erklingt am Freitag in der Emmauskirche in Schwarzenberg-Neuwelt. Deren Orgel aus dem Jahr 1901 stammt von Hermann Eule, ist erst im vorigen Jahr aufwendig saniert worden und erklingt nun wieder in alter Schönheit. Über Sehma und Annaberg-Buchholz führt die Tour am nächsten Tag in die einzige Jugendstilkirche des Erzgebirges nach Wiesa. Am Sonntag musiziert Matthias Grünert in Auerbach, Gelenau, Herold, Schönbrunn und schließlich zum Abschlusskonzert in der Stadtkirche Sankt Bartholomäus in Wolkenstein.

Bei allen Konzerten gelten die ausgewiesenen Hygiene- und Abstandsregeln. Der Eintritt ist frei. Zur Deckung der Kosten wird aber um Spenden gebeten. Programmhefte sind in begrenzter Stückzahl zum Selbstkostenpreis von 3 Euro erhältlich.


Stationen der Orgelfahrt

26. Juni: 19.30 Uhr Emmauskirche Schwarzenberg-Neuwelt

27. Juni: 14.30 Uhr Pauluskirche Sehma, 16 Uhr Bergkirche Sankt Marien Annaberg, 17 Uhr Sankt Annenkirche Annaberg, 18.30 Uhr Sankt Katharinenkirche Buchholz, 20 Uhr Trinitatiskirche Wiesa

28. Juni: 14.30 Uhr Kirche Auerbach, 16 Uhr Kirche Gelenau, 17 Uhr Kirche Zum Heiligen Kreuz Herold, 18.30 Uhr Kirche Schönbrunn, 20 Uhr Sankt Bartholomäuskirche Wolkenstein

Der Eintritt zu allen Konzerten ist frei.

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