Er leitet die am schnellsten wachsende Behörde der Region

Von Chemnitz über Zschopau und Dresden nach Annaberg-Buchholz: Der gebürtige Neckarsulmer Joachim Vogt ist neuer Chef des Finanzamtes in der Kreisstadt. Bis Ende 2021 soll die Mitarbeiterzahl von aktuell 152 auf 400 steigen.

Annaberg-Buchholz.

Er ist ein Uhiesiger. Darauf ist er gleich kurz nach seiner Ankunft in der Kreisstadt aufmerksam gemacht worden. Und er müsse deshalb aufpassen, weil Uhiesige die hiesige Radonbelastung nicht so gut vertragen würden. Joachim Vogt schmunzelt, nimmt solche "gut gemeinten" Ratschläge jederzeit mit Humor. "Ich denke, wenn ich den Menschen offen begegne, werden sie Selbiges tun", ist die Devise des gebürtigen Neckarsulmers und neuen Leiters des Annaberger Finanzamtes.

In dieser Funktion ist der 61-Jährige nicht nur Chef von aktuell 152 Mitarbeitern, von denen 115 Frauen sind, sondern gleichzeitig dafür auserkoren, das künftige Erzgebirgs-Finanzamt in der Kreisstadt aufzubauen. In diesem sollen spätestens Ende 2021 circa 400 Finanzamtsbedienstete arbeiten. Dafür werden die bisherigen Standorte in Schwarzenberg, Stollberg und Zschopau geschlossen. Joachim Vogt leitet damit quasi die am schnellsten wachsende Behörde der Region.

Seine berufliche Laufbahn begann Vogt am Finanzamt in Heilbronn. Nach dem Mauerfall war er Mitte 1991 nach Chemnitz gekommen. Dort arbeitete er mit dem Aufgabenschwerpunkt Umsatzsteuer in der Oberfinanzdirektion Chemnitz. Im Januar 2007 wurde er Leiter beziehungsweise Vorsteher - wie es fachlich exakt heißt - des Finanzamtes in Zschopau. Ehe Vogt nach Annaberg-Buchholz wechselte, war er noch rund 15 Monate im Finanzministerium in Dresden als Fachreferent Umsatz- und Grundsteuer tätig.

"Auch wenn niemand gern Steuern zahlt, ohne Steuern würde das gesamte Gefüge Staat nicht funktionieren. Steuern sind nun mal die größte Einnahmequelle", erklärt der Finanzamtschef. Aber auch Arbeitnehmer können sich unter bestimmten Voraussetzungen Geld vom Finanzamt holen. Dabei handelt es sich in der Regel um zu viel gezahlte Lohnsteuer. Dazu ist eine Steuererklärung vorzulegen, etwa über das Online-Portal elster.de oder auch über einen Steuerberater. Die Bearbeitungszeit dieser Erklärungen im Finanzamt Annaberg, von denen inzwischen 14 Prozent ohne irgendeine Art menschlicher Überprüfung maschinell veranlagt werden, hat dabei im vergangenen Jahr bei durchschnittlich 45,3 Tagen gelegen, so Vogt. Landesweit betrage die durchschnittliche Bearbeitungsdauer hingegen 49,9 Tage. Wenn ein Finanzamt die Erklärungen langsamer bearbeitet als ein anderes, könne man nicht automatisch darauf schließen, dass dort schlechter gearbeitet wird, sagt Vogt. Die unterschiedlichen Fristen hätten auch ganz unterschiedliche Ursachen. Das beginne etwa bei der Anzahl der Steuerpflichtigen, die sich aufgrund des Einzugsgebietes eines Finanzamtes ziemlich unterscheiden kann. Aber auch Krankheitsfälle sowie technische Störungen spielten in die Fristen mit rein.

Apropos Steuererklärung. Wer sie selbst aufstellt, hat ab diesem Jahr mehr Zeit dazu. Die Abgabefrist wurde vom 31. Mai auf den 31. Juli verlängert, sagt Vogt. Wird die Erklärung einem Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein überlassen, ende die Frist sogar am letzten Februartag des übernächsten Jahres.

Und wie lange muss ein Arbeitnehmer seine Unterlagen aufbewahren? Bis auf wenige Ausnahmen gilt aktuell die sogenannte Belegvorhaltepflicht bis zur Bekanntgabe des Steuerbescheides, erklärt Vogt. Das ist wichtig zu wissen, da ab der Steuererklärung für das Jahr 2017 Belege nicht mehr automatisch eingereicht werden müssen.

Dass das Finanzamt von vielen Bürgern am Bearbeitungszeitraum ihrer Steuererklärung gemessen wird, ist Vogt bewusst. "Die Menschen wollen ihr Geld zurück, und das natürlich möglichst schnell", sagt er. Insofern ist der 61-Jährige gespannt, wie seine Annaberger Behörde bei der am 1. März begonnenen Online-Bürgerbefragung zur Zufriedenheit mit den Finanzämtern abschneidet. Die Aktion laufe ein Jahr und erfolge völlig anonym, verspricht Vogt. Ziel sei es, aus den Antworten einen gewünschten Änderungsbedarf herauszufiltern.

Apropos Uhiesiger. "Ich habe inzwischen fast mein halbes Leben hier zugebracht", sagt Vogt. Ein Hiesiger sei er deshalb aber nicht, wurde ihm auch schon klargemacht. Diesen "Titel" bekomme man nur bei einer hiesigen Geburt - oder gar nicht. www.ihr-finanzamt-fragt-nach.de

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