Erzgebirger erschafft Filmwelten

Seine Filme spielen in Spanien, Berlin, ja weltweit. Und dennoch zieht es den Drehbuchautoren Sebastian Bleyl immer wieder zurück ins Erzgebirge - nach Cranzahl.

Cranzahl/Berlin.

Immer wieder zieht es ihn zurück ins Erzgebirge. Nach Cranzahl, zur Familie. Um auszuspannen, um dem Rummel der Großstadt zu entkommen. Denn Sebastian Bleyl wohnt seit mehr als einem Jahrzehnt in Berlin und arbeitet dort als Drehbuchautor. Und das mit Erfolg. Vor wenigen Wochen wurde ein Film aus seiner Feder im Fernsehen gezeigt und damit einer größeren Öffentlichkeit präsentiert. Der Spielfilm "Fado" überzeugte beim Filmdebüt im Ersten. Dabei handelt es sich um eine dramatische Geschichte voller Liebe und Eifersucht rund um den Arzt Fabian, die in Lissabon spielt. Ein cineastischer Erfolg, der viele positive Kritiken in überregionalen Zeitungen einbrachte. Doch darauf will sich Sebastian Bleyl nicht ausruhen, stets entwickelt er neue Ideen, spinnt Figuren und Geschichten und bringt sie auf Papier, damit andere sie später auf die Leinwand bringen können.

Das war nicht immer so. Sebastian Bleyl stammt aus Cranzahl, machte sein Abitur im Annaberg-Buchholzer Landkreisgymnasium, auf die eine Ausbildung zum Zimmermann folgte. Danach orientierte sich der Erzgebirge schnell in eine künstlerische Richtung. Ans Schreiben dachte er damals noch nicht. "Ich war zwar im Deutsch-Leistungskurs, konnte aber nicht wirklich gut schreiben", erinnert er sich. Damals verkehrte er eher in der Alten Brauerei und malte im Erzhammer. Doch das reichte ihm nicht, er wollte mehr. Der heute 41-Jährige begann also ein Studium an der Bauhaus-Universität in Weimar, allerdings in den Fächern Produktdesign, Visuelle Kommunikation und Regie. Damals wuchs sein Interesse für die Materie Film und er machte seine ersten Schritte als Filmemacher. Nach dem Studium zog es Sebastian Bleyl dann nach Berlin - einen Sammelpunkt der Filmbranche.

"Dort habe ich gemerkt, dass Berlin nicht auf mich wartete", erinnert sich Bleyl. Er hatte kaum Kontakt zu bestehenden Netzen, hatte an einer anderen Uni in einer anderen Region studiert. In Berlin musste er ganz neu anfangen. Um besser Fuß fassen zu können, entschied sich Sebastian Bleyl sich weiter zu spezialisieren und künftig nur noch seiner größten Begabung nachzugehen, die sich zu diesem Zeitpunkt herauskristallisiert hatte: dem Schreiben von Drehbüchern.

Und da Netzwerke das Gold des Medienschaffenden sind, absolvierte Sebastian Bleyl ein weiteres Studium, nämlich ein Drehbuchstudium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie, das er 2011 abschloss. Dann war er drin in der Welt des Films.

Sein bislang bekanntester Film, "Fado" entstand beispielsweise, nachdem er den Regisseur Jonas Rothlaender kennenlernte - gemeinsam gingen die beiden einige Projekte an und auch künftig werden weitere folgen, da die Chemie zwischen den beiden Künstlern stimmt, wie Bleyl erzählt. Und weitere Aufträge folgten. Teils im Autorenkollektiv, teils in Eigenregie. Die meisten seiner Geschichten bewegen sich im Spannungsfeld zwischen den Gattungen Drama und Komödie.

"Es geht immer um zwischenmenschliche Beziehungen, das fasziniert mich am meisten", erklärt der Drehbuchautor. Dabei liege bei ihm, im Gegensatz zu vielen Kollegen, der Fokus nicht auf dem Erzählen aus dem eigenen Leben, auf dem Ergründen der eigenen Psyche. Nein, Sebastian Bleyl denkt sich Figuren aus, setzt sie in Beziehung zueinander und entwickelt daraus Geschichten - und die können auch in der Historie angesiedelt sein. Beispielsweise in seinem Projekt "Der Fuchs" spielt beispielsweise im Jahr 1918 im Elsass. Es steht kurz vor der Fertigstellung. Außerdem schrieb der gebürtige Erzgebirger an der Serie "Arthurs Gesetz", die dieser Tage veröffentlicht wurde mit. Dort spielt Jan Joseph Liefers an der Seite von Martina Gedeck.

Übrigens schließt Sebastian Bleyl auch ein Drehbuch über das Erzgebirge nicht aus. "Ich habe ein paar Geschichten im Kopf, die hier spielen", sagt er. Genaueres wolle er jedoch noch nicht verraten. Auf jeden Fall sollte er hier ein Heimspiel haben - denn der richtige Ort ist für Drehbücher elementar. "Gute Geschichten sind in Gegenden verortet, die gut recherchiert sind oder die man selbst kennt", so Bleyl. Daher sei er für den Film "Fado" gemeinsam mit Regisseur Jonas Rothlaender ausführlich und mehrfach in Spanien unterwegs gewesen, um das zur Geschichte passende Setting zu finden.

In seine alte Heimat zieht es den Drehbuchautor immer wieder. Schon der Familie wegen. Denn Bleyls gibt es viele in Cranzahl und der Wahlberliner kommt sie gerne besuchen. Auch um auszuspannen und durchzuatmen vom hektischen Medien- und Stadtleben. Ihm und seiner Freundin gefällt es sogar so gut hier, dass das gemeinsame Kind im Herbst im Annaberger Geburtshaus zur Welt kommen soll. Ins Erzgebirge zurückziehen will Sebastian Bleyl aber vorerst nicht - denn die Filmwelt lebt in Berlin und mit ihr seine Arbeit und sein Netzwerk.

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