Erzgebirger machen Bogen um E-Autos

Innerhalb des vergangenen Jahres hat es lediglich 41Neuzulassungen von reinen Stromern im Kreis gegeben. Das sind gerade einmal rund 0,05 Prozent am Gesamtfahrzeugbestand. Und wie sieht es mit Ladesäulen aus?

Annaberg-Buchholz.

Von Zwönitz über Aue bis Annaberg haben alle Autohäuser ein ähnliches Problem: Der Absatz reiner Elektro-Autos geht nicht wie gewünscht voran, trotz Bonuszahlungen. Der Erzgebirger macht um den alternativen Antrieb noch einen Bogen. Das lässt sich jedenfalls aus den Anmeldezahlen der reinen Stromer herauslesen. Konnte das Landratsamt 2017 insgesamt 105 Zulassungen von reinen Elektro-Autos vermelden, so kamen in den vergangenen zwölf Monaten lediglich 41 neue hinzu. Damit sind aktuell lediglich 146 E-Autos im Landkreis zugelassen. Das entspricht gerade einmal circa 0,05 Prozent am Gesamtfahrzeugbestand, den der Landkreis mit 282.917 Stück angibt.

Mit 38 Zulassungen liegt im Erzgebirgskreis der französische Automobilhersteller Renault auf Platz 1. Das hat er hauptsächlich dem Modell Zoe zu verdanken, das 2018 auch bundesweit das meistverkaufte E-Auto gewesen ist. Volkswagen konnte im vergangenen Jahr im Kreis 30 E-Autos an den Mann bringen. Das bedeutet Rang zwei.

Joachim Mohe vom gleichnamigen Renault-Autohaus in der Kreisstadt kennt sich mit E-Autos aus. Sechs Zoe's wurden 2018 allein bei ihm verkauft, der vorerst letzte an die Stadtwerke Annaberg-Buchholz. "Trotz der E-Autos sind Benziner aber noch immer der Verkaufsschlager", sagt Mohe. Es werde wohl noch ein Stück dauern, bis sich das hin zu reinen Elektroautos wandelt, weil für viele potenzielle Kunden Hersteller übergreifend einfach das Gesamtpaket noch nicht passe. Dafür stünden in erster Linie Bedenken hinsichtlich der Reichweite und der Ladeinfrastruktur.

Das bestätigt auch Roland Nobis vom Mitsubishi-Autohaus Stollberg. "Wenn sich jemand mit dem Kauf eines E-Autos oder eines Hybriden beschäftigt, dann geht es in der ersten Frage immer um die Reichweite", sagt Nobis. Aktuell habe Mitsubishi zwar keinen reinen Stromer im Portfolio, jedoch mit dem Outlander einen Hybrid-Vertreter. Und diese liegen im Gesamtvergleich mit 850 Zulassungen kreisweit aktuell deutlich vor den reinen Stromern. Vor einem Jahr waren in der Zulassungsstelle noch 717 Hybridmodelle registriert, sagt Landratsamtssprecherin Katja Peter.

Apropos Hybrid. In der Regel ist damit die Kombination aus Elektro- und Benzinmotor gemeint. Bei Mercedes gehören aber auch Hybriden mit einem Mix aus Elektro- und Dieselmotor zur Modellpalette, sagt Jörn Nötzel, Verkäufer im Auer Autohaus Oppel. Auch er kennt die Fragen nach Reichweite und Ladezeiten, selbst wenn von etwa 100 Kunden nur einer nach E-Autos frage. Solche, also reine Stromer, habe Mercedes noch nicht im Angebot, sollen aber dieses Jahr kommen.

Positiv entwickelt habe sich im Kreis indes der Ausbau der Ladein-frastruktur. Laut Landratsamt gibt es derweil rund 40 öffentlich zugängliche Ladesäulen. Allein vier davon betreibt die Genossenschaft Bürger Energie Drebach. Eine fünfte soll dieses Jahr am Volkshaus in Thum errichtet werden, verrät Aufsichtsratsmitglied Thomas Walther. Die Auslastung der Säulen sei aber noch überschaubar. So habe es an der Station in Scharfenstein 2018 insgesamt 52 Ladevorgänge gegeben - also etwa einer pro Woche - mit einer Gesamtstromabgabe von knapp 600 Kilowattstunden (kWh). Eine kWh koste 39 Cent.


Ziel der Bundesregierung "ist nicht realistisch"

E-Autos kommen hierzulande nicht so richtig in die Gänge. Doch warum? Thomas Wittig sprach darüber mit Romy Mothes vom Autoclub Europa (ACE).

Freie Presse: Ist es noch realistisch, dass das von der Bundesregierung ausgegebene Ziel, bis 2020 eine Million E-Autos auf die Straße zu bringen, in Erfüllung geht?

Romy Mothes: Das ist aus Sicht des ACE und der aktuellen Zulassungszahlen nicht realistisch. Die Nationale Plattform Elektromobilität - jetzt Nationale Plattform Zukunft der Mobilität - hat die Siebenstelligkeit vor einem Jahr auf 2022 korrigiert, was wir ebenfalls für eine optimistische Einschätzung halten. Der Verband der Automobilindustrie spricht von 2023. Um auf die Zielgerade einzubiegen, müssen bezahlbare und hinsichtlich ihrer Reichweite zum Verbrenner vergleichbare Modelle ins Angebot.

Warum kommt im Gegensatz zu anderen Ländern in Deutschland der Absatz von E-Autos nicht so richtig in die Gänge?

In anderen europäischen und außereuropäischen Ländern wird die E-Mobilität stärker unterstützt und gefördert. Fiskalische Maßnahmen wie wirkungsvolle Subventionen und Steuervergünstigungen, zeitnah geplante Fahr- und Zulassungsverbote (teilweise bereits ab 2025) von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen mit Verbrennungsmotoren und massive Anstrengungen zum Ausbau der Ladeinfrastruktur sind unter anderem wesentliche Instrumente, um der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen. Auch der konsequente Umstieg bei kommunalen Flotten und öffentlichen Verkehrsmitteln kann hier erwähnt werden.

Was muss passieren, damit die Ladeinfrastruktur nicht zum Hemmschuh wird?

Für den Verbraucher sind vier Dinge wichtig: Er will eine sichere Technologie, er will schnell laden, wenn es darauf ankommt, er will an möglichst vielen Standorten Ladestationen haben und er möchte, dass die Bezahlung einfach funktioniert. Das bedeutet, auch abseits städtischer Gebiete müssen Elektroauto-Fahrer eine ausreichende Anzahl Ladesäulen vorfinden. Um längeres Fahren auf Fernverkehrsstraßen zu erleichtern, braucht es an diesen Strecken vermehrt Schnellladesäulen. Der ACE fordert deshalb, das Förderprogramm des Bundes für den schnelleren Ausbau der Ladeinfrastruktur fortzuführen und aufzustocken. Private Ladeinfrastruktur muss in die Förderung einbezogen werden.

Was sehen Sie als die Zukunftstechnologie an: E-Antrieb, Hybrid, Wasserstoffzelle oder doch Verbrenner?

Bei der Elektromobilität handelt es sich aus Sicht des ACE, hinsichtlich Fahrzeugentwicklung und Infrastruktur, um die am weitesten entwickelte Technologie unter den alternativen Antrieben. Sie wird somit am schnellsten weite Verbreitung finden. Hybrid und Wasserstoff bilden eine sinnvolle Ergänzung, wobei letzteres aus Kostengründen derzeit nur bedingt eine Alternative darstellt. Auch Diesel und Benziner haben mittelfristig noch ihre Perspektive. Insbesondere für Pendler wird es weiterhin einen Markt geben.

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2Kommentare
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  • 3
    0
    Haecker
    18.01.2019

    Dass in anderen europäischen Ländern - abgesehen von Norwegen (und hier wiederum begrenzt auf den Raum Oslo) - deutlich mehr E-Autos fahren, ist statistisch wohl kaum zu belegen. Die Gründe sind überall die gleichen: zu lange Ladezeiten (auch in anderen Ländern parken viele Autos vor den Häusern!), geringere Reichweiten, Anschaffungskosten. Nicht für umsonst wird in der Anbietung von E-Autos (auch vom ADAC) zunächst der Fahrkomfort breit dargestellt, etwas weiter hinten die Reichweite, ganz am Ende (wenn überhaupt) die Ladezeiten.

  • 6
    2
    ralf66
    18.01.2019

    Die Entwicklung und Verbreitung dieser unnützen E-Autos kann man ganz schnell stoppen, wenn keiner das Zeug kauft, ist ganz von alleine Feierabend.



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