Fast wie neu: Lok geht wieder auf Fahrt

Eine IV K 99 608 ist in der Lokomotivwerkstatt Oberwiesenthal auf Vordermann gebracht worden - bei einer zweijährigen Hauptuntersuchung. Heute verlässt sie das Erzgebirge. Ein Blickfang war sie aber auch hier zuletzt.

Oberwiesenthal/Cranzahl.

Eine Lokomotive des Typs IV K 99 608 hatte vor Kurzem ihren großen Auftritt auf der Strecke der Fichtelbergbahn. Nach einer zweijährigen Hauptuntersuchung in der Oberwiesenthaler Lokomotivwerkstatt fuhr sie an drei Tagen für einen privaten Auftraggeber auf der 17,3 Kilometer langen Strecke. Am heutigen Montag nun soll die historische Zugmaschine, die sich im Eigentum der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft mbH (SDG) befindet, ins Elbtal transportiert werden. Dort wird sie dann auf der Strecke der Weißeritztalbahn fahren, die die SDG neben der Fichtelbergbahn und der Lößnitzgrundbahn ebenfalls betreibt.

"Obwohl die Lokomotive 1990 schon einmal als ,Straßenersatzverkehr' zwischen Neudorf und Cranzahl pendelte , könnte sie den Regelverkehr nicht stemmen. Die Streckenabschnitte sind einfach zu steil. Die Leistung der Lok reicht dafür vor allem im Winter nicht aus", sagt Kati Schmidt von der SDG. Zirka 1500 Arbeitsstunden haben die Mechaniker in Oberwiesenthal investiert, um die Lokomotive wieder flott zu machen. Das Ganze kostete rund 250.000 Euro. Dazu gehörten etwa umfangreiche Kesselarbeiten mit der Erneuerung des Langkesselbodens und der Rohrwand. Auch die Wasserkästen, der Kohle- und der Aschkasten wurden neu gebaut. Außerdem sind alle dampfführenden Leitungen, zwei Pumpen und eine Radsatzwelle erneuert worden.

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"Mit dem neuen Feuerloch und einem neuen Rohrsatz war das unsere erste komplett selbst ausgeführte Kessel-Hauptuntersuchung", informiert Kati Schmidt. Vor Kurzem nun hatte das "Bügeleisen", wie der Volksmund die Lokomotive auch liebevoll nennt, mit seinen eindringlichen schrillen Pfiffen eine erste Bewährungsprobe. Die Lok fuhr für zirka 40 Zugfans mit Tempo 30 km/h als Sonderzug auf der Strecke und bediente dazu ganz unterschiedliche Themen. Einmal rollte das Gefährt als Personenzug durchs Sehmatal, dann wieder zog die Lok zwei Schlackewagen auf Rollböcken über die Strecke. Zum Abschluss schließlich stellten die Verantwortlichen einen Bauzug nach.

"Etwa 600 Euro zahlte jeder der Eisenbahnfans für den Extraspaß auf der Strecke", informierte Thomas Köhler aus Radebeul. Auf ihrer Fahrt in die Stadt am Fichtelberg musste die Zugmaschine mit einem Gesamtgewicht von 27 Tonnen und einem Wasservorrat von 0,5 Kubikmeter in Kretscham Wasser nachtanken. "Etwa zwei Kubikmeter füllten die Männer der Freiwilligen Feuerwehr in die Lok. Leider funktioniert der Wasserkran am Haltepunkt nicht mehr richtig", so Wehrleiter Stefan Süß. Deshalb floss das nötige Wasser aus einem örtlichen Behälter durch die Schläuche der Feuerwehr bis zum Lokkessel. Das ist natürlich etwas anders als in der guten alten Zeit. Doch: "Es ist uns ein Anliegen, an die Verkehrsgeschichte - insbesondere die der Eisenbahn - zu erinnern und sie lebendig zu halten", sagt Kati Schmidt.

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