Flüsse fast leer: Angler züchten neue Äschen fürs Erzgebirge

Die Art gehört zur Region. Doch seit ihrem Comeback in den 1990er-Jahren geht es wieder bachabwärts mit den Fischen. Der Anglerverband Südsachsen hält mit einem Schutzprogramm dagegen.

Schlettau/Aue.

Aus 59 mach 30.000. Wenn alles nach Plan läuft, können die Mitglieder des Anglerverbands Südsachsen im Juni mit diesen beiden Zahlen hausieren gehen. 59 laichreife Fische haben sie benutzt, um im Sommer 30.000 junge Äschen in die Flüsse des Erzgebirges entlassen zu können.

Sechsmal haben sich im zurückliegenden Monat eine Handvoll Freiwilliger in der Fischaufzuchtstation des Anglerverbandes zwischen Hermannsdorf und Schlettau getroffen, um Kaviar und Sperma zu ernten. "Unsere Leute saßen abrufbereit daheim. Wir haben sie zum Einsatz gerufen, wann immer die Weibchen soweit waren", erzählt Lutz Kannegießer, der Geschäftsführer der Fischaufzuchtgesellschaft Südsachsen. Die Freiwilligen haben den laichbereiten Weibchen vorsichtig die Eier aus dem Bauch gestreift, den Männchen den Samen. Beides wurde in einer Schüssel zusammengebracht. Zurzeit reift der befruchtete Rogen von 34 Weibchen und 25 Männchen lichtgeschützt in kühlen Behältern im Bruthaus der Zuchtstation. Tote Eier werden täglich aussortiert. Wenn alles gut läuft, schlüpfen am Ende 30.000 junge Äschen.


Die Gesellschaft kümmert sich im Auftrag des Anglerverbands um die Nachzucht von Fischen - Äschen genauso wie Bachforellen, Schuppenkarpfen und Schleie. Äschen und Bachforellen sollen die schwindenden Bestände in den Flüssen des Erzgebirges von der Zschopau bis zur Zwickauer Mulde, in der Preßnitz, im Pöhlbach, im Schwarzwasser, in der Sehma stabilisieren. Neben den 30.000 Äschen setzen die Angler in diesem Jahr voraussichtlich 40.000 junge Bachforellen aus.

"Es geht nicht darum, Fische ins Gewässer zu schmeißen, damit es ein Anglerparadies ist", betont Mike Uhlemann, der Geschäftsführer des Anglerverbandes Südsachsen Mulde/Elster. "Die Gewässer sollen einen gesunden Bestand bekommen. Wenn das erreicht ist, kann man angeln."

Ein gesunder Bestand an Äschen sei derzeit nicht gegeben. Nachdem es den Anglern in den 1990er-Jahren gelungen war, die in den verdreckten Flüssen der DDR fast ausgestorbene Art erfolgreich wieder anzusiedeln, ist sie seit der Jahrtausendwende erneut am Schwinden. Die Angler machen dafür die Beseitigung vieler Kiesbänke für den Hochwasserschutz und die Kormorane verantwortlich, die insbesondere im Winter auf Futtersuche gehen. Die Kiesbänke benötigt die Äsche zum laichen, und dem Kormoran ist sie fast schutzlos ausgeliefert, da sie - anders als die Forelle - über keinen ausgeprägten Fluchtreflex verfügt. "In den 1990ern wurden jährlich ein bis zwei Tonnen Äschen in Sachsen geerntet. Heute sind es 35 Kilogramm. Das ist ein dramatischer Rückgang", sagt Lutz Kannegießer.

Seit sieben Jahren betreibt der Anglerverband Südsachsen daher ein Äschenschutzprogramm, das die Bestände wieder stabilisieren soll. Mit natürlicher Reproduktion allein schaffen es die Fische nicht, sagen die Angler. In diesem Jahr kommen die ersten jungen Äschen aus der neuen Aufzuchtstation bei Schlettau. Die hat gegenüber der früheren Station bei Lichtenberg den Vorteil, dass sie die klimatischen Bedingungen der Erzgebirgsflüsse bietet.

"Während des Hitzesommers 2018 hatten wir keinerlei Verluste unter den Fischen ", sagte Kannegießer. Im nächsten Jahr sollen hier bereits zwischen 100.000 und 200.000 Äscheneier befruchtet werden.

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