Freibad-Ordnung in fünf Sprachen

Ein Bademeister, der Arabisch kann und Hinweise gibt zur Kleiderordnung: Ausländische Gäste werden in Plauen gezielt angesprochen. Nicht nur sie müssen sich an Regeln halten.

Plauen.

Die letzte von sechs Ferienwochen beginnt. Es herrscht bestes Sommerfreibadwetter. Bei dem momentan hohen Besucherandrang - laut Plauens Bäderbetrieb kommen täglich rund 1000 Wasserratten ins "Naddel" nach Preißelpöhl und 1300 ins "Stadion" nach Haselbrunn - sind Ordnung und Sicherheit besonders wichtig. Gerade wenn's eng wird auf den Liegewiesen oder in den Schwimmbecken.

Streitigkeiten zwischen Sonnenhungrigen verschiedener Nationen - das kam in Vorjahren in beiden Plauener Freibädern vor. Mittlerweile gibt es weniger Stress, wie Personal und befragte Besucher übereinstimmend feststellen. Das könnte an den ausgehängten Badregeln in fünf Sprachen liegen: Neben Deutsch, Englisch und Französisch sind sie nun auch auf Arabisch und Persisch an Kassenhäusern zu lesen. Denn in Deutschland sind hygienische und technische Standards in den Bädern einzuhalten.

Da kennt Pierre Grasse, neben Ronny Adler Geschäftsführer der Freizeitanlagen Plauen GmbH, kein Pardon. Er räumt auf Anfrage ein, dass es gelegentlich Verstöße gegen die Regeln gibt. Konkreter wird er nicht. Das seien alles keine großen Sachen, versichert er. Bisher sei es bei Verwarnungen geblieben: "Im Einzelfall gab es auch einen Platzverweis und Hausverbot für den Tag", sagt Grasse. Den seit letzten Sommer angestellten, Arabisch sprechenden Bademeister bezeichnet er als Glücksfall.

Kazim Atris heißt der, ist 24 und stammt aus dem Libanon. In Beirut sei er vor seiner Flucht nach Deutschland Rettungsschwimmer gewesen, sagt der Mann, der im "Stadion" Haselbrunn am Beckenrand steht. Die Situation habe sich wohl auch wegen seiner Person beruhigt, schätzen Badegäste ein. Sie loben ihn ebenso wie alle weiteren Schwimmmeister. Bäder-Chef Grasse vermutet, dass durch den Einsatz des Muttersprachlers, der Landsleuten das Schwimmen beibrachte, Verständigungsprobleme gelöst werden. Das Aufsichtspersonal versuche generell, bei "Vorfällen", wie Grasse sagt, mit Ruhe, Augenmaß und deeskalierend zu agieren.

Zu solchen Vorfällen kam es aus verschiedenen Gründen. Von Frauen wurde zum Beispiel berichtet, die mit langen schwarzen Gewändern baden gingen, und von Gruppen junger Ausländer, die leicht bekleidete Frauen belästigten. Stichproben der "Freien Presse" an verschiedenen Tagen und zu unterschiedlichen Zeiten sowie nichtrepräsentative Umfragen unter Besuchern bestätigen das nicht. Die Gerüchte halten sich dennoch hartnäckig. Grasse weist indes darauf hin, dass ein Verbot von Kleidungsstücken wie Burkas und Burkinis nicht bestehe. Dafür gebe es keinen Grund. Zu prüfen sei nur, ob ein Burkini aus geeigneten Materialien bestehe. Dazu gehörten Baumwolle und Jeansstoff übrigens nicht.

Selten gab es mehr Badegäste als in diesem Sommer. Das spricht für ein ungetrübtes Miteinander. Wie es heißt, sind im "Naddel" schon jetzt weit mehr Besucher gezählt worden als in der ganzen Vorjahressaison.


Verhaltensregeln in städtischen Bädern (Auszug)

Diese Vorschriften, insgesamt 29, stammen aus der Badeordnung des Stadtbades an der Hofer Straße in Plauen. Sie treffen auch in den Freibädern zu.

Gute Sitten (1.): Die Gäste haben alles zu unterlassen, was den guten Sitten sowie der Aufrechterhaltung der Sicherheit, Ruhe und Ordnung zuwiderläuft. Sexuelle Handlungen und Darstellungen sind verboten.

Fotografieren (5.): (...) Fotografieren und Filmen fremder Personen ist nur mit deren Einwilligung gestattet.

Sauberkeit (6.): Vor dem Baden (...) muss eine gründliche Körperreinigung erfolgen. Es wird empfohlen, vor Benutzung der Duschräume und der Wasserbecken die Toilette aufzusuchen. Jede Verunreinigung der Räumlichkeiten und des Badewassers muss vermieden werden.

Spucken (11.): Das Ausspucken auf den Boden oder in Becken ist untersagt.

www.freiepresse.de/baderegeln

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