Gastro- und Hotelbranche kämpft um jeden Mitarbeiter

Den Welterbetitel in der Tasche, Weihnachten vor der Tür, für die Betreiber von Pensionen und Restaurants wird es schwerer, Personal zu finden. Kein Wunder, dass Chefs zu Kompromissen bereit sind.

Bärenstein.

In der "Gemeinsamen Mitte" an der deutsch-tschechischen Grenze in Bärenstein hat vor wenigen Tagen zum zweiten Mal eine Jobbörse für das Hotel- und Gaststättengewerbe stattgefunden. Auf die Beine gestellt wurde sie von der Agentur für Arbeit Annaberg-Buchholz. Ziel: Mit der Nähe zu Tschechien sollten vor allem Servicekräfte, Köche und Housekeeper aus dem Nachbarland angesprochen werden. Fünf Häuser von Schwarzenberg bis Oberwiesenthal präsentierten sich. Nicht viel, das weiß auch Frank Uhlig von der Agentur für Arbeit. Wenn es Sinn machen würde, hätte er auch einen großen Saal anmieten können. Er wäre voll geworden. Doch es gibt ein Problem. Es gibt einfach nicht genug Bewerber. Also musste er auswählen, erzählt Uhlig.

Zu denen, die einen der begehrten Plätze besetzten, gehörte Thomas Herberger. Er betreibt seit 26 Jahren in Oberwiesenthal das Gasthaus und die Pension "Zur Schachtelbud". Lange hatte er keine Probleme, Personal zu finden. Doch in den vergangenen Jahren sei es schwerer geworden, vor allem Köche seien Mangelware. Herberger musste reagieren. Die Bedürfnisse der Mitarbeiter rücken mehr in den Fokus. So bleibt bei ihm zu Weihnachten erstmals zu. Auch flexible Arbeitszeitmodelle, Modernisierungen im Haus und die aktive Suche im Internet nach Personal gehören dazu. Auch Claudia Escher, Personalerin der Ahorn-Hotels in Oberwiesenthal, weiß, dass selbst kleine Jobbörsen wichtig sind. Doch auch in Tschechien würden die Löhne steigen. "Da wird es für uns schwierig." Die Bewerber legen unter anderem Wert auf unbefristete Verträge, für die sechsmonatige Probezeit stellt das Unternehmen die Unterkunft.

Von den 3400 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Gastgewerbe im Erzgebirgskreis kommen aktuell mehr als 300 aus Tschechichen. Der Markt sei aber umkämpft, sagt Frank Uhlig. Denn die Branche konkurriere mit anderen um gelernte aber auch fachfremde Mitarbeiter. Uhlig kenne kaum einen Betrieb der Branche in der Region, der nicht nach Mitarbeitern Ausschau hält. Vor allem in den vergangenen zwei Jahren habe sich die Situation verschärft, davor sei es ein schleichender Prozess gewesen. Und was ist, wenn keine Mitarbeiter gefunden werden? Dann bleibe einigen nur übrig, Öffnungszeiten zu verkürzen oder zum Beispiel das À-la-carte-Geschäft zu reduzieren. Die Jobbörse an der Grenze kann dem zumindest etwas entgegenwirken. Uhlig ist sich sicher, dass einige Arbeitsverträge zustandekommen werden. Auch ein potenzieller neuer Azubi war darunter.

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