Gaststätten: Wo es läuft und wo nicht

Immer mehr Restaurants und Kneipen im Erzgebirge schließen für immer die Türen. Betreiber dreier Lokale erklären, warum. Und einer berichtet, was seinen Erfolg ausmacht.

Annaberg-Buchholz.

Der Landgasthof im Zwönitzer Ortsteil Günsdorf bleibt seit 1. August geschlossen. Inhaber Thomas Martin betreibt mit seiner Frau nur noch das Hotel weiter. In den vergangenen Jahren war die Gaststätte ein reines Zuschussgeschäft, sagt Thomas Martin. Aus seiner Sicht das Hauptproblem: Zuletzt kamen kaum noch Touristen ins Lokal. Durch das sächsische Tourismuskonzept sei die Umgebung seines Gasthofes lange kaum gefördert worden, sagt Martin.

Zudem kamen weniger Einheimische: Mitte der 1990-er habe er viele Stammgäste gehabt, die damals bereits Rentner waren. Viele davon seien inzwischen gestorben. Junge Leute aber gingen nicht in Landgasthöfe, sondern in modernere Restaurants, beispielsweise in Chemnitz. Diejenigen im Landgasthofalter hätten aber häufig Kreditschulden nach einem Hausbau, vermutet Martin. Er habe zwar versucht, etwa mit Musikveranstaltungen und regelmäßig modernisierter Speisekarte den Ansprüchen der nächsten Generation Gaststättenbesucher gerecht zu werden. Doch möglicherweise habe er dennoch einiges versäumt, sagt Martin.

Schnell zur Gaststätte im Wohnort gehen: Das können immer weniger Bewohner der ländlichen Ecken des Erzgebirges - weil es in manchem Ort keine Gaststätte mehr gibt. Weil immer mehr Lokale schließen, ist für das Mahl auswärts immer häufiger eine Fahrt in die nächste Stadt nötig. Wie viele Gaststätten genau in den letzten Jahren im Kreis ihre Türen für immer schlossen, lässt sich nicht beziffern. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hatte aber im Gebiet des Regionalverbandes Chemnitz, zu dem das Erzgebirge gehört, im Jahr 2006 noch 928 Mitglieder, im Moment sind es noch 759. Zwar sind darunter auch Hotels. Doch laut Franziska Luthardt, der Vorsitzenden des Chemnitzer Dehoga-Regionalverbandes, ist die Tendenz klar: Die Gaststätten werden weniger, auch im Erzgebirge.

Zu wenig Tagestourismus stellt auch Christel und Klaus-Dieter Schimmel vor Probleme. Unter der Woche kommen nur wenige Gäste in ihre Hammerschänke in Eibenstock. Deshalb beschäftigte das Ehepaar stets eine Bedienung auf Minijobbasis. Diese hat nun woanders eine Vollzeitstelle - Ersatz findet sich aber nicht. Zu zweit sechs Tage pro Woche die Gaststätte zu betreiben, schaffen die Schimmels aber nicht. Sie haben deshalb einen zweiten Ruhetag eingeführt. Einen nutzen sie zum Einkaufen, einen zum Erholen.

Personalmangel ist eine der häufigsten Ursachen für Gaststättenschließungen, die Luthardt von der Dehoga aufzählt. Dazu gehören außerdem unter anderem Investitionsstau, unattraktive Lage und fehlende Perspektiven für künftige Nachfolger. Ein Wirt, der anonym bleiben möchte, sagt außerdem: Bei den sich ständig ändernden Gesetzen kommt manch einer nicht mehr mit: Computerprogramme zur Erfassung der Arbeitszeiten, immer wieder neue und komplexere elektronische Kassen - ältere Kneiper, die ohne den Umgang mit Computern aufgewachsen sind, begriffen die vorgeschriebene Technik mitunter gar nicht.

Laut einem weiteren anonymen Gastronom sind zudem mancherorts Vereine eine Konkurrenz, gegen welche Wirte nicht ankommen, die in der freien Wirtschaft arbeiten. Denn einige Gemeinden haben Vereinen Räume zur Verfügung gestellt, welche die Clubs nicht nur für eigene Veranstaltungen nutzen, sondern auch für Feiern an Nicht-Mitglieder vermieten dürfen. Kommerzielle Lokale zahlen im Gegensatz zu den Vereinen Steuern, Tourismusabgaben und Mindestlohn, häufig kommt die Miete der Räume hinzu. Deshalb sind Vereinsräume günstiger, Hochzeiten, Geburtstage und Trauerfeiern fallen für die Gaststätten weg.

Was vielen Lokalen dabei hilft, Erfolg zu haben, ist laut Luthardt ein klares Konzept, beispielsweise eine rein vegane Speisekarte oder das Ausrichten von Speisen und Räumen auf Familien. Ein für ihn gut funktionierendes Konzept verfolgt etwa Uwe Stöckel seit rund 20 Jahren: In seinem Waldgasthof "Am Sauwald" im gleichnamigen Tannenberger Ortsteil arbeitet er, soweit es möglich ist, mit regionalen Lebensmitteln. Das Rindfleisch stammt zudem seit 2009 von den Heckrindern, die er selbst hält. Diese Rasse ist eine Rückzüchtung des Hausrindes in Richtung des ausgestorbenen Ur-Rindes Auerochse.

Doch auch mit klarem Konzept kann die Lage Probleme bereiten. Im Erlebnisgasthaus "Zum Grenadier" im Schloss Wolkenstein ist alles auf die Zeit Napoleons ausgerichtet: Die Speisen sind Rezepten von damals nachempfunden, das Personal trägt Kleidung nach damaliger Mode und erzählt Anekdoten aus jener Zeit. Doch seit das Parkverbot vor dem Eingang zum Lokal durchgesetzt wird, gab es unter der Woche kaum Mittagsgäste. Diese, so Inhaber Thomas Leschner, seien nicht bereit gewesen, fünf bis zehn Minuten vom nächstgelegenen Parkplatz bis zur Gaststätte zu Fuß zurückzulegen. Deshalb öffnet diese montags und dienstags nicht mehr, Mittwoch bis Freitag erst ab 17 Uhr.

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1Kommentare
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  • 2
    0
    WolfgangPetry
    12.09.2016

    Beim letzten Absatz kann man sich fragen ob bald auch das Essen an sich dort verboten wird, schließlich ist es mit Ressourcenverbrauch und Emissionen verbunden. Müll entsteht dabei auch sowie gar eine unzumutbare Sondernutzung der menschenleeren Gehwege...



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