Geldstrafe für Awo-Hasser-Lied

Ein Mann verfasst einen Text voller Bedrohungen und Beleidigungen und verschickt ihn. Dafür stand er nun vor Gericht.

Aue.

Ein Awo-Hasser-Lied war jetzt Gegenstand einer Verhandlung am Amtsgericht Aue, bei der der Angeklagte wegen Bedrohung in Tateinheit mit Beleidigung in zwei Fällen zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 13 Euro verurteilt wurde, in Summe fast 1200 Euro. Der Brief mit jenem Lied ging am 2. Januar dieses Jahres bei der Arbeiterwohlwohlfahrt (Awo) in Schneeberg ein. Zuletzt im Jahr 2016 hatte der Angeklagte dort mehrfach auf 1-Euro-Basis gearbeitet, vom Jobcenter vermittelt. Zum Inhalt des Briefes sagte Staatsanwalt Ulf Reichel, dass ihm so etwas in seiner bisherigen Tätigkeit noch nicht untergekommen sei. Der Angeklagte räumte ein, das Lied verfasst und verschickt zu haben. Darin ist unter anderem die Rede von "Awo-Büroschlampen", die "wie der letzte Mist" seien, auf die "er gerne pisst". Wie der Staatsanwalt auch verlas, sind gegen zwei namentlich angesprochene Mitarbeiterinnen gar Androhungen von Tötungsverbrechen in dem Lied enthalten. Von "Schlachten" und "Kopf absägen" ist da die Rede. Beide Frauen wurden als Zeuginnen gehört und sagten aus, dass sie sich nach dem Erhalt des Schreibens bedroht und verängstigt gefühlt hätten. Sie "bewaffneten" sich mit Abwehrspray. "Ich konnte doch nicht wissen, ob das nur verbal gemeint ist", sagte die eine. Die andere war vier Wochen krankgeschrieben.

Richter Detlef Kramer versuchte in der Verhandlung, die Beweggründe für das Tun des Angeklagten herauszufinden. Zunächst wollte sich der 38-Jährige zu den Vorwürfen nicht äußern. Einen Anwalt hatte er nicht bei sich, er habe ihm abgesagt - "zu teuer", begründete er. Vorab hatte er das Gericht um Einstellung des Verfahrens gebeten. Richter Kramer machte ihm deutlich, dass er kooperieren müsse, wenn er etwas vom Gericht will. "Wenn Sie schweigen, muss ich Ihnen die Tat nachweisen, was mir anhand der Akte nicht schwerfallen würde", appellierte er an den Angeklagten.

Er sei wie ein dummer Junge behandelt worden, ließ der Angeklagte sich darauf ein. "Weil ich der einzige Kerl bin, bin ich für den Müll verantwortlich", nannte er ein Beispiel für Aufgaben, die ihm angetragen wurden und die ihn offenbar frustrierten. "Er kam früh, verschränkte die Arme, setzte ein Grinsen auf und wartete, dass der Tag vorbei geht", sagte hingegen eine Zeugin.

Laut Gericht hatte der Angeklagte im Namen der einen Zeugin auch Bewerbungen an die Awo und andere Stellen verschickt. Als Biertesterin, Kartoffelschäler oder gar Türkartoffelkopfpapiercontainerumzugsfrau, verlas der Richter. Unterzeichnet hatte der Angeklagte die Bewerbungen mit der gefälschten Unterschrift der Frau. Das war aber nicht Gegenstand der Verhandlung. "Bedanken Sie sich bei der Staatsanwaltschaft, dass sie nicht alles strafrechtlich verwendet hat", sagte Kramer zum Angeklagten. In seiner Urteilsbegründung ließ er seine Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit des Mannes anklingen: "Sie ticken nicht ganz richtig."

Der Angeklagte will sich überlegen, ob er Rechtsmittel gegen das Urteil einlegt.

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