Geocachen in Geyer künftig nur nach festgelegten Regeln

Die Stadt will das Hobby nicht verbieten. Allerdings will sie gegen ein "Wild West" auf kommunalem Grund vorgehen.

Geyer.

Die Stadtratssitzung am Dienstagabend hat Bürgermeister Harald Wendler (Die Linke) in Staunen versetzt. "So viele Besucher haben wir in meiner Amtszeit noch nie gehabt", stellte er beim Blick in die Zuschauerreihen fest. Dort saßen knapp 30 Bürger. Fast alle waren sie Freunde des Geocachens. Dabei handelt es sich um eine Art moderne Schnitzeljagd mit geografischen Koordinaten und GPS. Sie alle wollten wissen, warum ihnen der Stadtrat in der Aprilsitzung quasi den Kampf angesagt hat.

Das hat mehrere Ursachen, erklärte Stadtrat Thomas Müller (Freie Wähler Bürgerforum). Grundsätzlich aber gehe es um das nicht mehr zu tolerierende Verhalten der Geocacher. "Es kann nicht sein, dass die Leute mit dem Auto durch den Wald fahren oder Mitarbeiter der Stadtverwaltung beschimpfen", so Müller. "Wir haben einfach den Eindruck, dass sich hier etwas verselbstständigt hat, was wir als Eigentümer des Waldes so nicht mittragen können", ergänzte der Bürgermeister. Es gehe dabei nicht darum, dass die Stadt Geyer das Geocachen verbieten wolle. Das sei nicht das Ziel. "Wir möchten allerdings Regeln für ein Miteinander aufstellen", so Wendler. Wie diese Regeln aussehen können, darüber hat der Rat am Dienstagabend im Anschluss an den öffentlichen Teil der Sitzung hinter verschlossenen Türen debattiert. Im Ergebnis soll nächste Woche ein Gespräch mit Eigentümern der Caches - das sind die Schätze, die es zu suchen gilt - stattfinden, verriet am gestrigen Mittwoch Bürgermeister Wendler auf Anfrage. Bis dahin will die Stadt die künftig einzuhaltenden Regeln noch klar ausformulieren.


Uwe Gerlach, einer der anwesenden Geocacher, distanzierte sich in der Ratssitzung am Dienstag von den Beleidigungen und Verunglimpfungen, die in den vergangenen Tagen gegen den Bürgermeister bzw. die Stadt gerichtet wurden. Er betonte, wie wichtig das Geocachen etwa in Sachen Tourismus ist. "Das bringt viele Gäste nach Geyer", sagte er. Kritik übte Gerlach am Rat, dass es "unter uns Geyerischen" nicht möglich war, miteinander zu reden, bevor die Sache so in die Öffentlichkeit gebracht wurde. Gerd Kobylka, ebenfalls Geocacher, stellte klar, dass es auf städtischem Grund und Boden nur rund 75 Caches gibt. Diese seien inzwischen von den Eigentümern entfernt worden, um der Forderung der Stadt nachzukommen. Kobylka bat allerdings darum, dass die Caches perspektivisch wieder gelegt werden dürfen, damit sie nicht komplett für die Szene verloren sind.

Das Problem am Geocachen, das machte Gerlach deutlich, sei, dass man nicht auf jeden der das Hobby betreibt, Einfluss nehmen kann. "Wir können nur an die Vernunft aller appellieren", betonte Gerlach.

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