Getauscht, gekauft, ersteigert

Messinstrumente aus Freiberger Produktion oder mit einem Bezug dazu sammelt Jörgen Schütze seit mehr als 20 Jahren. Jetzt will er damit den Leuten zeigen, wie früher gearbeitet wurde - und hat dafür eigens eine Ausstellung konzipiert.

Freiberg/Oberschöna.

Sie erinnern an "Die Vermessung der Welt": die glänzenden Kompasse und anderen Messgeräte, die Jörgen Schütze in Vitrinen und auf legendären Transportkästen mit Lederbeschlägen oder schlicht aus Holz stehen hat. Seit über 20 Jahren sammelt der Oberschönaer solche Stücke und stellte jetzt rund drei Dutzend davon zu einer Ausstellung zusammen, die künftig als Dauerleihgabe im Foyer des Freiberger Besucherbergwerkes Reiche Zeche zu sehen sein wird. Gestern ist die Schau eröffnet worden.

Schütze ist Vermesser, von der Pike auf hat er den Beruf gelernt und später noch studiert. Er kennt sich aus in dem Metier, und ihn plagte nach der Wende die Vorstellung, dass die vielen Messgeräte, die in Freiberg vor allem von den Firmen Hildebrand und dem VEB Präzisionsmechanik entwickelt und hergestellt wurden, irgendwo in der Versenkung verschwinden. Er begann, sie zu sammeln. Als er seine eigene Vermessungsfirma gründete und einige seiner Kollegen des ehemaligen VEB Geologische Forschung und Erkundung (GFE) übernahm, brachte einer einen alten Theodoliten mit. So fing alles an.

Der Ingenieur tauschte, kaufte und ersteigerte historische Messinstrumente aus Freiberger Produktion oder mit einem Bezug dazu - in Deutschland, Polen oder Bulgarien. "Private rufen mich jetzt noch an, um mir Stücke anzubieten", sagt der 67-Jährige. "In Freiberg habe ich mal bei einem Bergbaufreund ein Freiberger Hängezeug gegen eine geschnitzte Figur getauscht." Das sogenannte Hängezeug, ein Etui mit kleinen Werkzeugen für Aufmessungen unter Tage, wurde von Hildebrand entwickelt. Zu DDR-Zeiten war nach Schützes Ansicht an so etwas nicht heranzukommen.

Theodoliten in vielen Genauigkeitsklassen und spezielle Hängetheodoliten, die mit einer extra für sie in der Bergstadt entwickelten Zwangszentrierung früher im Ausbauholz eines Stollns befestigt wurden, stellt Schütze aus. Dazu Kompasse in allen Ausführungen und etliches mehr. Zu vielen der Messgeräte kann er Geschichten erzählen. Zum Beispiel nahm der norwegische Polarforscher Roald Amundsen einen in Freiberg hergestellten Reisetheodoliten ins ewige Eis mit, der 200 Jahre später dort wiedergefunden wurde. "Ich habe ein Exemplar aus dieser Produktion", so der Oberschönaer. Als verrücktes Stück betitelt er auch einen sogenannten Abloter, wofür er vor Jahren mit anderen einen Hildebrand-Theodoliten umbaute. Das Gerät wurde bei Vermessungen an Talsperren eingesetzt. "Ab 1920 kann ich nachweisen, was wann in Freiberg gebaut wurde", sagt Jörgen Schütze. "Max Hildebrand ist 1880 in die Stadt gekommen und hat Theodoliten in kleinen Stückzahlen noch in Handarbeit gefertigt."

Auch Holzstative und Transportkisten werden zu sehen sein. Die Stative stellte die Muldaer Traditionsfirma Berlebach extra für Freiberger Messinstrumente her. "Ich habe zu vielen Instrumenten auch noch die originalen Transportkisten", erklärt Schütze. Auch die haben ihren ganz eigenen Charme. Mit der Ausstellung verfolgt der Ingenieur ein schlichtes Anliegen: "Die Leute sollen sehen, wie wir früher gearbeitet haben und das mit Freiberger Produkten." Einen Vortrag "Zur Geschichte des historischen Instrumentenbaues in Freiberg" hat Schütze als Ergänzung zur Schau bereits erarbeitet. Er wird ab und an zu hören sein.

Die Ausstellung ist als Dauerleihgabe ab sofort im Foyer des Besucherbergwerks Reiche Zeche am Fuchsmühlenweg in Freiberg zu sehen. Geöffnet ist von Mittwoch bis Freitag jeweils 9 bis 17 Uhr.

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