Getreideernte dieses Jahr ein Lotteriespiel

Hofgeschichten: Den Jahresrhythmus von Patrick Keller bestimmt die Landwirtschaft. "Freie Presse" begleitet den Schlettauer ein Jahr bei seiner Arbeit im Stall und auf dem Feld. Heute: Die Trockenheit hinterlässt auch im Erzgebirge ihre Spuren.

Schlettau.

Kühe, Traktoren, Getreide - für ein paar Tage kein Thema für Patrick Keller. Der Schlettauer Landwirt sucht heute das Weite, fährt mit der Familie in das Allgäu. Dort heißt es Kraft tanken für den Alltag und Loslassen von der Arbeit. Die wird ihn schneller wiederhaben, als es ihm vielleicht lieb ist. Dann geht es wieder um Kühe, Traktoren, Getreide und mögliche Ernteverluste. Auch auf den hiesigen Feldern hat die Trockenheit längst Spuren hinterlassen. "Das wird kein Rekordjahr", sagt schon jetzt Werner Bergelt vom Regionalbauernverband.

Eine Prognose, welche Erträge ihm seine Felder in diesem Jahr einbringen werden, vermag auch Patrick Keller noch nicht abzugeben. Er geht aber davon aus: "So schlimm wie im Flachland wird es nicht." Wie in Nordsachsen und Hoyerswerda etwa, wo die Hälfte der durchschnittlichen Erträge nicht einzubringen sein wird, schätzt der sächsische Landesbauernverband ein. Im Gegensatz zu diesen Regionen habe es im Erzgebirge eben doch ab und an noch ein bisschen Regen gegeben, helfe auch der morgendliche Tau. Die Wintergerste auf etwa sechs Hektar hat Patrick Keller in dieser Woche aber auch 14 Tage eher gedroschen als sonst üblich. Mit der Menge ist er durchaus zufrieden, mit der Qualität nicht so: "Wir hatten noch grüne Ähren dabei, viel Zwiewuchs", sagt er. Da die Wintergerste aber nur für den Eigenbedarf auf dem Hof benötigt wird, wiege der qualitative Verlust nicht so schwer.

Anders sehe das bei der Braugerste aus, die Anfang August geerntet wird. "Da muss unter anderem der Eiweißgehalt stimmen", erklärt Patrick Keller. Die Braugerste liefert er - ebenso wie den Hafer, den er auf zehn Hektar anbaut und der momentan einen ganz unterschiedlichen Reifegrad aufweist - an eine Erzeugergemeinschaft in Venusberg. Dort wird auch der Raps des Schlettauers hingeliefert, der später in einer Ölmühle weiter verarbeitet wird. Den Raps schätzte er in dieser Woche bei einer letzten Gütekontrolle vor ein paar Urlaubstagen im Allgäu als "sehr gut" ein. Allerdings könne die endgültige Beurteilung der Qualität erst erfolgen, wenn gedroschen sei. Das werde wohl Ende Juli passieren. Dann muss auch die Triticale beispielsweise vom Halm - ein Getreide, das aus Weizen als weiblichem und Roggen als männlichem Partner gekreuzt wurde.

Deutlich zu spüren ist die Trockenheit dagegen beim Gras. Nicht nur das der dritte Grünschnitt, der eigentlich in der nächsten Woche geplant war, noch einmal verschoben werden muss, weil das Grün einfach noch nicht groß genug ist. Auch auf den Weiden wird allmählich das Futter für die Kühe knapp. Einen Teil der Färsen - so wird ein geschlechtsreifes weibliches Rind unter zwei Jahren genannt, das noch nicht gekalbt hat - hat Patrick Keller deshalb schon vorsorglich wieder in den Stall geholt. Dort bekommen sie Silage aus der eigenen Produktion. "Zum Glück haben wir davon genug", sagt der Landwirt. Wo die entsprechenden Futterreserven fehlen, könne es für die Tiere durchaus problematisch werden.

Nebenher ist der alte Kuhstall samt Heuboden neben dem Wohnhaus verschwunden. Nur die Grundmauern und ein paar Balken erinnern noch an den in die Jahre gekommenen Bau. Dort will der zweifache Familienvater neu bauen - unter anderem Kinderzimmer für seinen Nachwuchs, aber auch ein Büro beispielsweise. Er hofft, dass es mit dem Bau im August losgehen kann. Allerdings sei das auch von den Baufirmen abhängig, wie diese zur Verfügung stehen. Die derzeitige Situation auf dem Handwerkermarkt treibt ihm da eher Sorgenfalten auf die Stirn. Denn da ist ja auch noch der Stall, der endlich mit Jalousien ausgestattet werden soll, um das Klima im Inneren besser steuern zu können.

Aber heute geht es erst einmal in Richtung Allgäu - ein paar Tage Urlaub mit der Familie genießen. "Die Zeit muss bleiben, schon der Kinder wegen", sagt er. Und ist froh, noch genügend Arbeitskräfte auf dem Hof zu haben, die ihm diese Auszeit ermöglichen - einschließlich seiner Eltern.

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