Großes Glück auf wenig Raum: Das kleinste Vereinsheim der Stadt

In ein verwaistes Gebäude im Thumer Stadtpark zieht neues Leben ein. Und das Häuslein bekommt demnächst wohl Konkurrenz, die den Größenvergleich mitnichten scheuen muss.

Thum.

Dem Leben in winzigen Häusern hat sich die aus den USA stammende "Tiny House"-Bewegung verschrieben, speziell in der Finanzkrise kam das Konzept super an. Doch offensichtlich schon deutlich länger steht im Erzgebirgsort Thum solch ein Häuslein. 19 Quadratmeter Nutzfläche, plus Mini-Küche: Willkommen im wohl kleinsten Vereinsheim der Stadt - der neuen Bleibe der TBV Allstars.

Größe hin, Größe her: "Wir ziehen nahe zurück an die Wurzeln", freut sich Vorsitzende Antje Hofmann. Dazu muss man wissen, dass sich der Verein der Traditionspflege widmet; speziell jener der einstigen Thumer Ballspielvereinigung 08. Der schreibt man nichts Geringeres zu, als ältester Fußballpionier des oberen Erzgebirges zu sein. Immerhin bis 1908 reicht die Historie inklusive Vorgängern zurück. Und dieser Tradition huldigen die 35 TBV-Allstars-Mitglieder im Alter zwischen 13 und 67 Jahren. "Gleich dort oben, wo sich jetzt der Reitplatz befindet, war der Sportplatz", erzählt Antje Hofmann. Später, ab Mitte der 1950er-Jahre, frönten die Fußballrecken dann im neuen Stadion an der Wiesenstraße der Fußballkunst.

Der Geist des Ballsports muss aber erst noch einziehen in das kleine Vereinsheim im Grünen: Vorher haben es die Thumer Hundesportler genutzt. Jener im Auflösen begriffene Verein übergab es an die Stadt, auf deren Boden das Gebäude steht. "Fast zeitgleich kam der Antrag durch die TBV, ob eine Übernahme möglich ist", erklärte Bürgermeister Michael Brändel im Stadtrat. Von der neuen Nutzung verspricht er sich eine "Aufwertung des Stadtparkgeländes in seiner Gesamtheit."

Das wuchernde Gras an ihrem Häuschen haben die TBV-Mitglieder jedenfalls schon mal gebändigt, zudem den kleinen Innenraum mit Schals, Pokalen und Fotos heimeliger gestaltet. Draußen sollen Schönheitsreparaturen und eine Grillecke folgen. Für das Instandhalten des Gebäudes ist der Verein verantwortlich.

Größere Investitionen, sagt Vorsitzende Antje Hofmann, sind aber vorerst nicht geplant. Was mit dem Nutzungsvertrag mit der Stadt zu tun habe, der auf fünf Jahre und anschließende jährliche Verlängerung begrenzt sei. Die TBV hatte sich eine langjährige Pacht erhofft. Bürgermeister Michael Brändel verteidigt das Papier und möchte die Bedenken zerstreuen. Diese Form der Nutzungsverträge werde in der Stadt auch bei anderen Vertragspartnern angewandt. "Damit hat der Nutzende den Vorteil, in fünf Jahren die Machbarkeit seines Vorhabens umzusetzen und gleichzeitig auch in einem überschaubaren Zeitraum die Nutzung bei Bedarf zu beenden." Die Option des jährlichen Fortführens der Nutzungsvereinbarung sei gängige Praxis und habe bisher zu keinen Unstimmigkeiten geführt. "Im Klartext wird die Stadt Thum nach fünf Jahren nicht jährlich die Fortsetzung des Vertrages neu festlegen", unterstreicht Brändel. Im Übrigen habe der Verein keine Einwände geäußert und auch bei der Übergabe des Gebäudes nichts angemerkt.

Derweil fühlt sich die TBV vor Ort nicht nur von den angrenzenden Kleingärtnern gut angenommen. "Der Laufverein war schon da und hat Hallo gesagt", berichtet Antje Hofmann. Generell funktioniere das Zusammenleben mit manch anderem Verein in der Stadt ordentlich. Man unterstütze sich etwa gegenseitig bei Veranstaltungen. Darauf hoffen sie auch wieder beim öffentlichen Kinderfest, das die TBV heuer ins kommende Jahr verschieben musste. Immerhin ist dann am Vereinsheim genügend Platz für Aktivitäten im Grünen vorhanden.

Übrigens: In Guckweite bekommt das Vereins-Häuschen voraussichtlich bald Konkurrenz, die den Größenvergleich ganz gewiss nicht scheuen muss. Am anderen Ende der Wiese plant die Stadt mit dem LSV Waldfrieden ein Mehrzweckgebäude, das bis zum Pfingstlauf 2021 stehen soll. Es wird 3,50 Meter mal 3,50 Meter messen - das nächste Tiny House für Thum.

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