Grüne Vision in der "Höhle der Löwen"

Niklas Weisel hat sich in die Vox-Sendung getraut. Ein Finanzgeschäft des Bioingenieurs mit den fünf Unternehmern scheiterte. Dennoch: Die grüne Vision des Erzgebirgers reift nach dem Vox-Fernsehstudio-Auftritt weiter.

Sehmatal.

Die Löwen bissen nicht an und der Hunger von Niklas Weisel nach frischem Kapital blieb ungestillt: Sein ehrgeiziges Bepflanzungsprojekt Botanic Horizon traf nicht den Geschmack der fünf renommierten Unternehmer um Jochen Schweizer und Carsten Maschmeyer. Vor einem Vier-Millionen-Publikum wollte der 32-Jährige zur vorerst letzten Sendung der beliebten TV-Staffel am Dienstagabend 300.000 Euro einsammeln, um seine Idee von hängenden Gärten weiter voranzubringen. Vor allem für die internationale Ausrichtung versuchte der Bioingenieur die Investoren zu begeistern und bot dafür zehn Prozent Firmenanteile.

Die potenziellen Geldgeber zeigten sich zunächst aufgeschlossen für die Idee, nicht nur Gräser, sondern vor allem auch Kräuter, Salat und andere Pflanzen in einem vertikalen hydroponischen Pflanzsystem zur Reife zu bringen. Dabei werden die mit Samen gefüllten Schnüre von oben mit einer Nährstofflösung bewässert, wobei sich die Wurzeln Schicht für Schicht um die Schnur herum entwickeln. Mit dem System könnten sowohl die eigenen vier Wände, aber auch der öffentliche Raum dekorativ gestaltet und zugleich Nutzeffekte, etwa der Ernährung oder Luftreinhaltung, erzielt werden.

"Insgesamt sehe ich meinen Auftritt eher von einem Missverständnis bestimmt", resümiert der Cranzahler einige Stunden nach der Ausstrahlung. Denn: Die Geldgeber waren seiner Ansicht nach an einem marktreifen Produkt interessiert. "Sie klopften meine im Studio gezeigten Modelle vor allem auf ihre Praxistauglichkeit ab. Sie machten Hinweise zur Lampe oder dem geeigneten Standort für die sonnenunterstützte Reife. Sie hatten Anwendungen für die Haushalte der Konsumenten im Blick."

Das sei aber nicht seine Intension gewesen, die Reise nach Köln anzutreten. "Gerade weil meine Produkte noch weiterer Entwicklungszeit bedürfen, wollte ich die Geldgeber für meine Vision von den Großprojekten gewinnen." Er habe darauf gesetzt, deren Kapital zur weiteren Reife einsetzen zu können. "Meine Anmerkung, weltmarktfähig zu werden, war als ein begleitender Gedanke gedacht, um das innewohnende Potenzial der Idee aufzuzeigen." Doch am Ende konstatierte etwa Carsten Maschmeyer, dass es dem Erzgebirger an Realitätssinn mangele, er in einer grünen Welt lebe. Ihm kam der unternehmerische, auf harte Fakten basierende Geschäftssinn bei Niklas Wiesel noch zu kurz.

Und dennoch: Als "extrem unterstützend und sehr intensive Erfahrung" bezeichnet der aus Hessen stammende Ideengeber seinen TV-Auftritt. "Das Telefon bimmelt seit der Ausstrahlung permanent, E-Mails häufen sich, Nutzer sozialer Netzwerke haben meinen Auftritt und die Idee sowohl pro und kontra kommentiert." Für ihn seien auch die teils gespaltenen Meinungen motivierend. "Gefreut habe ich mich, dass auch Fachleute und Branchenkenner den Kontakt zu mir suchen." Er werde seine Idee weiter verfolgen, und zuerst auf Großprojekte setzen. "Und da habe ich jüngst in Hanoi und Singapur Kontakte knüpfen können, die sich zu einer Messe in Nürnberg anbahnten." Der Weg bleibe steinig. "Mich bewegt die Vision blühender Landschaften in einer Großstadt mehr, als etwa ein Traum vom großen Lottogewinn."

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