Handwerker erinnern zum Jubiläum an alte Baukunst

Nicht mal mehr ganz eine Woche - dann wird in Annaberg-Buchholz groß gefeiert: 500 Jahre Sankt Annen. Und dabei geht es nicht nur um Kunstschätze aus Stein.

Annaberg-Buchholz.

Sie ist die größte spätgotische Hallenkirche Sachsens und ein zentraler Bestandteil des Unesco Welterbes Montanregion Erzgebirge - die Sankt Annenkirche. Vom 26. bis zum 28. Juli steht das Wahrzeichen von Annaberg-Buchholz aber noch einmal besonders im Mittelpunkt: Das 500. Jubiläum der Kirchenweihe wird mit einem Festwochenende gefeiert. Auf dem Programm stehen Fest- und Bergkonzerte, Sonderführungen, ein Festgottesdienst sowie ein eigens für diesen Anlass inszeniertes Theaterstück. Darüber hinaus gibt es rund um die Annenkirche vielfältige Angebote. Ein zentraler Bestandteil sind dabei die Annaberger Steinmetztage. Sie erinnern ganz handgreiflich und lebendig an die große Tradition der Annaberger Bauhütte, mit deren Hilfe der gewaltige Kirchenbau im 16. Jahrhundert so zügig realisiert werden konnte.

Zunächst war es 1498 der sächsische Herzog Georg selbst, der den Grundstein für den gewaltigen, fast 80 Meter hohen Bau legte. Bedeutende Baumeister hinterließen an der Kirche ihre Spuren, weiß Stadtsprecher Matthias Förster: Für Bauplan und Gründung war Conrad Pflüger von 1499 bis 1505 verantwortlich. Das Hallen- und Turmmauerwerk wurde unter der Regie von Peter Ulrich zwischen 1506 und 1513 aufgesetzt. Den Innenausbau und die Gestaltung der Bauskulpturen - unter anderem der 100 Reliefs an der Empore - wurden unter der Leitung von Jacob Haylmann ab 1515 realisiert. Nach dem Vorbild des Wladislawsaals auf dem Hradschin in Prag entwarf er auch das außergewöhnliche Schleifenstern- und Schlingrippengewölbe. Am Annentag vor 500 Jahren, am 26. Juli 1519, wurde die Kirche schließlich durch Bischof Johann VII. im Beisein des Herzogs geweiht.


Der Tradition der alten Baumeister und der Bauhütte fühlen sich auch die Steinmetze der heutigen Generation verpflichtet. Deshalb zeigen zu den 11. Annaberger Steinmetztagen zahlreiche Gesellen des faches vis a vis der Kirche die Kunst der Steinbearbeitung wie vor Jahrhunderten. Doch für die hiesige Innung - zu der Betriebe aus dem Erzgebirge sowie aus dem Raum Freiberg und aus Chemnitz gehören - sind die diesjährigen Steinmetztage nicht nur des Jubiläums wegen etwas Besonderes. Zum Festwochenende wird nicht nur die neue Innungsfahne feierlich geweiht, sondern es wird auch eine neue Zunftlade übergeben. In ihr werden alle wichtigen Unterlagen und Wertobjekte der Innung aufbewahrt. "Beides war in den Wirren des Zweiten Weltkrieges verloren gegangen", berichtet Steinmetzmeister Thomas Wagler aus Mildenau. Lediglich ein paar Akten seien noch vorhanden gewesen. Die waren zwischenzeitlich in einer historischen Wäschetruhe aus Neudorf aufbewahrt worden. Nachdem diese der Innung jahrelang treue Dienste geleistet hat, soll sie nun einen Platz im heimischen Museum finden. Die neue Lade wird zum Festgottesdienst am 28. Juli erstmals öffentlich präsentiert und feierlich in den Dienst gestellt.

Derzeit gehören laut Thomas Wagler 25 Unternehmen zur Innung: "Die Betriebe werden weniger, die Arbeit wird mehr", sagt er. Eines der großen Aufgabenfelder dabei: Restaurationen. Auch an der Sankt Annenkirche haben die Steinmetze in den zurückliegenden Jahren schon vielfach mit Hand angelegt. Und am Objekt Obere Badergasse 2 ganz in der Nähe - dem Geburtshaus von Emil Heyn. Er gilt als Begründer der systematischen Metallforschung in Deutschland.


Das Festwochenende

Freitag, 26. Juli:

Ab 18 Uhr erklingt zunächst Bläsermusik vom Kirchturm Sankt Annen - gespielt von den Sankt-Annen-Pfeiffern. 18.30 Uhr wird das Festwochenende offiziell eröffnet: mit einem geistlichen Wort, dem eigens für diesen Anlass vom Eduard-von-Winterstein-Theater inszenierten Theaterstück "Hilf, Heilige Anna" und Livemusik. Das anschließende gesellige Beisammensein wird 20 und 22 Uhr kurzzeitig durch die Rufe des Türmers von Sankt Annen unterbrochen.

Samstag, 27. Juli:

Der zweite Festtag beginnt 8.30 Uhr mit dem Morgengebet in Sankt Annen. 10 Uhr werden dann die 11. Annaberger Steinmetztage an der Oberen Badergasse eröffnet - gewissermaßen vis a vis der Kirche. Ab 10.30 Uhr gibt es ein buntes Treiben mit historischem Handwerk, Geschenken aus Naturmaterialien, Münzprägung, Anekdoten über Sankt Annen und vielfältiger Musik. 12 Uhr folgt das Mittagsgebet. 10 und 12 Uhr starten außerdem Sonderführungen durch Sankt Annen unter dem Motto "Wenn Kirchenbänke plaudern ...". Ab 14 Uhr heißt es "Kirche für alle" beim Erlebnisnachmittag in Kirche und Turm - inklusive der Sonderausstellung "Berührungen". 17 Uhr wird das Festkonzert angestimmt, in dem unter anderem das 5. Brandenburgische Konzert von Johann Sebastian Bach und "Ein Sommernachtstraum" von Felix Mendelssohn Bartholdy erklingen. Eingerahmt wird der Tag 8 und 18 Uhr durch die Bläsermusik vom Kirchturm von den Sankt-Annen-Pfeiffern. Zum Tagesausklang 20, 21 und 22 Uhr lässt Türmer Matthias Melzer wieder seine Rufe vom Kirchturm erschallen und 21.30 Uhr gibt es noch einen meditativen Tagesausklang in der Kirche.

Sonntag, 28. Juli:

Die Bläsermusik vom Kirchturm kommt 9 Uhr vom Posaunenchor von Sankt Annen. 10 Uhr beginnt der Festgottesdienst mit der Bachkantate Nummer 169. Anschließend gibt es einen Empfang für geladene Gäste. Deshalb beginnt das bunte Treiben rund um die Kirche und zu den Steinmetztagen an diesem Tag auch erst 12 Uhr. 13 Uhr stimmt die Schönfelder Feuerwehrkapelle auf dem Unteren Kirchplatz ihr Bergkonzert an. 12 und 14.30 Uhr werde noch einmal eine Sonderführung durch Sankt Annen angeboten, bevor 15 Uhr die offizielle Verabschiedung stattfindet.

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