Heilige Erde - die Geburtsstunde der Kät

Vor 500 Jahren wurde ein Gottesacker in Annaberg als heiliges Feld geweiht. Wallfahrten folgten - die Anfänge eines großen Volksfestes. Der Papst soll auch beim Jubiläum 2020 eine Rolle spielen.

Annaberg-Buchholz.

Etwa 500 Bewerber bemühen sich jährlich um einen Platz auf der Annaberger Kät. Nur gut 100 bekommen den Zuschlag. Um alle Fahrgeschäfte und Buden unterzubringen, bräuchte es laut Stadtverwaltung einen fünfmal so großen Platz, wie er zur Verfügung steht. Zwischen 150.000 und 200.000 Gäste zieht das Volksfest an. Ein quirliges Treiben, das mit einem Ereignis vor 500 Jahren seinen Anfang nahm. Am 27. und 28. Oktober 1519 wurde der Annaberger Gottesacker dank einer Entscheidung des damaligen Papstes Leo X. mit heiliger Erde vom Campo Santo in Rom als "heiliges Feld" auf die heilige Dreieinigkeit geweiht. 1520 gab es eine erste Wallfahrt nach Annaberg. Die Geburtsstunde der Kät.

Es ist ein Schriftstück aus dem Vatikan - eine päpstliche Bulle - mit der einst die Nachricht überbracht wurde, dass der mit heiliger Erde geweihte Gottesacker in Annaberg denselben Segen zu spenden vermochte wie der Campo Santo in Rom. Eine Abschrift ist in einer Chronik von Paulus Jenisius erhalten. Am gestrigen Freitag wurde das Exemplar von 1592 im Annaberger Erzgebirgsmuseum im Beisein von Oberbürgermeister Rolf Schmidt der Öffentlichkeit präsentiert. Wie der stellvertretende Museumsleiter Jörg Bräuer sagte, liegt es sonst gut verschlossen im Archiv.

Die Weihefeier des Gottesackers nahe dem Wolkensteiner Tor ging vor 500 Jahren mit einer Prozession einher. Laut Stadtsprecher Matthias Förster wurde die heilige Erde aus Rom am 28. Oktober 1519 von der Annenkirche zum Friedhof nahe der Trinitatiskirche überführt. Ab 1520 habe es jeweils zum Trinitatisfest eine Wallfahrt nach Annaberg gegeben. "Wie bei fast allen Wallfahrten entwickelte sich im Umfeld reges Markttreiben, der sogenannte Dreieinigkeitsmarkt", so Förster. Zwar wandelte sich nach der Reformation in Annaberg ab 1539 der Charakter der Wallfahrt. Dennoch sei das Markttreiben im Umfeld der Trinitatisfeste erhalten geblieben. Im Namen Dreieinigkeitsmarkt sei auch der Ursprung des Namens Kät zu suchen. Die Erzgebirger hätten das Treiben als "Dreiänichkätsmarkt", das Fest als "Dreiänichkätsfast" bezeichnet. "Die Spracheffizienz der Erzgebirger hat dazu geführt", scherzte der stellvertretende Museumsleiter Jörg Bräuer. Zumindest würde die Mehrzahl der Forscher das so deuten. Gehen die Anfänge des laut Stadt heute größten Volksfestes seiner Art in Sachsen auf eine Entscheidung eines Papstes zurück, soll auch das Jubiläum 500 Jahre Kät im Juni 2020 mit einem solchen verbunden sein. Papst Franziskus wird ein Grußwort schicken.

Was mit einer Wallfahrt begann, hat sich über die Jahrhunderte unterschiedlich entwickelt. Auch die Orte veränderten sich. 1869 wurde das Volksfest auf den Schießhausplatz verlegt, den heutigen Kätplatz. "Es gab sicher kleinere und größere Varianten und vielleicht Ausfälle in Kriegszeiten", so Jörg Bräuer. Aber alles lasse sich chronikalisch nicht nachweisen.

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