"Ich wünsche mir eine Hochzeit"

Rico Drechsler verlässt nach mehr als fünf Jahren Amtszeit die Kirchgemeinden von Thum und Jahnsbach - Stelle wird vakant

Thum.

Nach fünf Jahren und acht Monaten Amtszeit heißt es Abschied nehmen für Rico Drechsler. Der Pfarrer verlässt die evangelisch-lutherischen Schwesterkirchgemeinden Sankt Annen Thum und Kreuzkirchgemeinde Jahnsbach. Er zieht mit seiner Familie nach Plauen. Die hiesige Pfarrstelle wird damit vakant. Mit einer Neubesetzung ist wohl 2019 nicht mehr zu rechnen. Thomas Lesch hat sich mit ihm über die Beweggründe des Wechsels, seine Thumer Dienstzeit sowie Herausforderungen und Erwartungen unterhalten.

"Freie Presse": Herr Drechsler, warum verlassen Sie die beiden Kirchgemeinden?


Rico Drechsler: Nach meiner Ausbildung war ich 2013 von der Landeskirche in meine Heimat entsandt worden. In Thum und Jahnsbach habe ich als Pfarrer meine ersten Schritte gemacht, genauso wie meine drei Kinder. Mit dem Ende der Probedienstzeit und dem maximalen Ausreizen der Verlängerung ist nun für uns als Familie die Zeit für einen neuen Schritt gekommen. Meine Frau wird in die Ausbildung zur Allgemeinärztin einsteigen und meine Kinder kommen in den nächsten Jahren in die Schule.

Fällt Ihnen der Abschied schwer?

Das war ein Prozess, der mich das ganze zurückliegende Jahr innerlich bewegt hat. Mir hat geholfen, dass ich eine lebendige Gemeinde zu meinem Amtsantritt vorgefunden habe, die es verstand zu feiern und zu leben auch ohne mich. Wieso sollte das jetzt nicht wieder so sein?

Wie haben Sie die Thumer und Jahnsbacher Gemeinde erlebt?

Sie haben es mir als Anfänger leicht gemacht, indem sie fehlerfreundlich waren oder es verstanden, mir und ihnen Zeit einzuräumen.

Gibt es Erlebnisse, die besonders prägend waren? Welche Impulse konnten Sie geben?

Da gibt es solche "außergewöhnlichen" Erfahrungen wie das Gefühl, in einer familiären Notsituation getragen zu werden, die Erfahrungen an den Sterbebetten oder das Highlight eines Abendmahlsgottesdienstes mit einer Gemeinde im Altenheim und das Staunen, wie Menschen den Weg zur Gemeinschaft der Kirche wiederfinden. Berührt haben mich aber auch Menschen, die ganz unscheinbar und ohne viel Aufhebens treu einen Dienst übernehmen.

Die Innensanierung der Kirche war in ihrer Dienstzeit ein ganz besonderes Projekt?

Ich bin diesem Wunsch der Gemeinde gefolgt. Dabei habe ich es immer als ein Hoffnungsprojekt verstanden. Heute eine Kirche zu bauen, ist vergleichbar mit dem Wort Martin Luthers: "Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen." Ein Samenkorn, beziehungsweise ein wesentlicher Anstoß, kam dabei auch von Nichtkirchenmitgliedern. Und wenn diese schon eine sanierte Kirche im Ort haben wollen, dann sollten wir nicht zögern.

Wie sehen Sie den Prozess der Regionalisierung im Blick auf die Gemeinden in Thum und Jahnsbach?

Wir tun gut daran, die Regionalisierung als das zu betrachten, was sie ist: Ein zweckmäßiges Werkzeug, mit dem die Arbeit organisiert wird. Nicht mehr und nicht weniger. Ich kann mir durchaus noch Verbesserungen vorstellen, von denen auch jene profitieren würden, die jetzt vor allem Befürchtungen in sich tragen. In 10 bis 15 Jahren wird man sich über den Zuschnitt der Region wohl noch einmal Gedanken machen müssen. Ich hätte sie schon gerne jetzt größer gesehen.

Was wünschen Sie sich für die Thumer und Jahnsbacher Kirchgemeinden?

Eine Hochzeit zwischen beiden. Gerade Jahnsbach hat so eine schöne Hochzeitstreppe. Außerdem wünsche ich den Menschen in den Gemeinden eine Freude am Glauben und die Lust, gemeinsam Kirche Jesu Christi zu sein, zu wachsen und zu gedeihen im Miteinander einer Region.

Werden Sie beim Thumer Stadtfest 550 Jahre dabei sein?

Ich werde den Berggottesdienst am 1. September mitfeiern und wohl auch beim Festumzug dabei sein.

Welche neuen Aufgabenbereiche warten auf Sie in Plauen?

In mehreren Schulen werde ich Religionsunterricht geben. Ich bin gespannt, welche Sichtweisen Schüler auf das Evangelium für ihre Lebensgestaltung entwickeln.


Zur Person und Information

Für Rico Drechsler war die Pfarrstelle in Thum-Jahnsbach seine erste Anstellung nach dem Vikariat in Dresden. Der gebürtige Mildenauer übernimmt im Vogtland eine Schulpfarrstelle mit 50-prozentiger Anstellung. Verabschiedet wird er am 6. Juli um 14.30 Uhr in einem Gottesdienst, der vor dem Sommerfest stattfindet.

Das Sommerfest beginnt 16 Uhr im Pfarrgarten neben St. Annen. Für Kinder gibt es eine Hüpfburg, Spielmöglichkeiten sowie eine Puppentheateraufführung. Außerdem sind eine Tombola und der Auftritt des Kinderchores geplant. Am Abend wird Livemusik am Lagerfeuer von Familie Thierfelder geboten. ( tle)

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