Junge Frauen aus dem Erzgebirge wollen in Afrika helfen

Johanne Triebel, Frauke Mehnert und Henriette Seltmann zieht es für fast ein Jahr auf den schwarzen Kontinent. Was treibt sie an?

Königswalde/Jöhstadt.

Johanne Triebel aus Königswalde und die Jöhstädterin Frauke Mehnert sind am 3. September mit einem 14-Stunden-Flug ab Leipzig zu einem freiwilligen Auslandseinsatz in Tansania gestartet. In dem ostafrikanischen Land trennen sich jedoch die Wege der beiden Abiturientinnen. Frauke wird für knapp ein Jahr im Süden des Landes in einem Montessori-Kindergarten mitarbeiten. Johanne lebt im Norden des Landes in einem Hilfscenter für alleinstehende Frauen. Dort hilft sie in der Kinderbetreuung. Beide reisen unter dem Dach des Leipziger Missionswerkes.

"Ich wünschte mir schon als Kind, nach Afrika zu gehen und die Kultur und Lebensart der Menschen dort kennenzulernen", sagt Johanne Triebel. Auch Frauke Mehnert wollte vor dem Studium erst noch mal was anderes tun, eine neue Sprache und Gesellschaft erleben. Die beiden sind sich durchaus darüber im Klaren, dass dies ein Privileg für sie ist. Neben aller Abenteuerlust wollen sie aber vor allem helfen und ihre Stärken einbringen. "Wir werden viel lernen müssen", sagt Frauke. "Und wir sind uns darüber im Klaren, dass wir als Europäer auch eine geschichtliche Verantwortung haben", ergänzt Johanne.

Beide Mädchen sind Zweitgeborene von drei Kindern in der Geschwisterkonstellation ihrer Familien. "Wir haben gelernt, uns durchzuboxen", sagen sie. Das könnte in den kommenden Monaten durchaus von Vorteil sein. Ihre Aufgabe in Tansania sei außerdem weniger, den Menschen von Gott zu erzählen, sondern eher, überall dort mit anzupacken, wo Hilfe nötig ist.

"Ihr geht nach Afrika, um dort etwas zu lernen und neue Erfahrungen zu sammeln", haben ihnen die Mitarbeiter vom Missionswerk eingeschärft und ihnen mit viel Erfahrung den Weg nach Afrika geebnet. Trotzdem mussten sich die beiden jungen Erzgebirgerinnen einen Spenderkreis suchen, der ihren Einsatz über die kommenden elf Monate mitfinanziert. Im nächsten Sommer wollen beide ein Studium für Lehramt beginnen, voraussichtlich mit Erfahrungen in Afrika, die ihr Leben prägen.

Für Henriette Seltmann aus Königswalde hat das Abenteuer bereits vor einigen Wochen begonnen. Der Flieger brachte sie mit einem Direktflug von Frankfurt nach Johannesburg in Südafrika. In der 4,4-Millionen-Einwohner-Metropole wird 18-Jährige in den kommenden Monaten in einer Kirchgemeinde am Rand der Stadt tätig sein. Das abgeschlossene Areal dieser Gemeinde beherbergt neben einem Waisenhaus auch eine Grundschule und einen Kindergarten. Die dort zuständige Pastorenfamilie leitet außerdem unterschiedliche Camps für Jugendliche, bietet Kinderprogramme an und lädt zu sportlichen Aktivitäten ein. Henriette wohnt und arbeitet in Johannesburg mit weiteren sieben Freiwilligen zusammen. Die sie betreuende Organisation Global Volunteer Services habe den Platz für sie ausgesucht und in mehreren Vorbereitungsseminaren als richtig eingeschätzt.

Noch vor ihrem Abflug erzählte Henriette, dass sie auch zu Hause bereits viel in der Kinderarbeit der Kirchgemeinde mit gestemmt hat. Das komme ihr vermutlich jetzt zugute. "Ich werde in Johannesburg viel dazu lernen, neue Erfahrungen sammeln und auch in der Lobpreisband mitspielen, die dort agiert", ist die Pfarrerstochter überzeugt. Positiv sei auch, dass zwei ihrer älteren Geschwister bereits Auslandseinsätze in Russland und Israel absolviert hätten. "Da war der Weg in den Freiwilligeneinsatz vor dem Studium bereits ein wenig geebnet", sagte sie.

Was Henriette nach dem Auslandsjahr studiert, weiß sie derzeit noch nicht. "Die Inspiration dazu wartet vielleicht in Südafrika", mutmaßte die Abiturientin noch vor dem großen Abenteuer. "Für uns Eltern ist es eine besondere Herausforderung, wenn sich die Jüngste von sechs Kindern auf den Weg in die Selbstständigkeit macht", sagt unterdessen Vater Martin Seltmann.

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3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    SimpleMan
    05.09.2019

    @ralf66 "Was für eine geschichtliche Verantwortung und für wen???" Nein, für Sie, was sollen Sie denn sonst kommentieren ...

  • 0
    1
    Distelblüte
    05.09.2019

    Respekt für die drei Mädels. Auch aus unserer Kirchgemeinde sind in den letzten Jahren immer wieder junge Erwachsene im Einsatz in Afrika und anderswo gewesen. Alle sind in dieser Zeit gereift und empfanden es als Bereicherung, helfen zu können. Zugleich half der Abstand auf Europa zu erkennen, wie privilegiert ihr Leben (und unseres) ist. Das macht dankbar und rückt manche falsche Vorstellung wieder gerade.
    Deshalb danke für euren Dienst, auch unbekannterweise.

  • 2
    4
    ralf66
    04.09.2019

    Was für eine geschichtliche Verantwortung und für wen???



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