Junge Wiesaerin steckt mitten in ersten Prüfungen

Landärztin in spe: Die Anzahl der unbesetzten Hausarztstellen im Raum Annaberg steigt seit Jahren kontinuierlich. Dagegen will Anna Köhler aus Wiesa etwas tun. "Freie Presse" begleitet sie auf diesem Weg.

Wiesa.

Anna Köhler aus Wiesa will Allgemeinmedizinerin werden und nach ihrem Studium in Dresden wieder in das Erzgebirge zurückkehren. Die zweite kleine Etappe auf diesem Weg hat sie fast gemeistert. Nach dem Pflegepraktikum, dass sie unmittelbar nach ihrem erfolgreichen Abitur im Erzgebirgsklinikum in Annaberg-Buchholz absolviert hat, neigt sich nun das erste Semester ihres Medizinstudiums dem Ende entgegen. Auch wenn es sich für sie selbst "ehrlich gesagt noch gar nicht so anfühlt".

Dabei hat sie in den ersten Monaten des Studiums neben Vorlesungen und Seminaren durchaus schon einiges erlebt: Biologie- und Histologiepraktika, Chemiepraktika und Präparierkurs beispielsweise. Auf dem bisherigen Lehrplan standen unterdessen Mikroskopische Anatomie - sie beschäftigt sich mit den Grundgeweben im Körper - und makroskopische Anatomie. Bei der dreht sich alles um das Bewegungssystem und die Leitungsbahnen wie Nerven, Blutgefäße und Lymphe. Derzeit steckt die junge Wiesaerin mitten in den Prüfungen. Obwohl diese jetzt fast im Wochenrhythmus anstehen, bleibt sie entspannt: "Ich bin eigentlich relativ zuversichtlich. Bammel habe ich nur vor der praktischen Anatomieprüfung." Zum einen, weil dort der weitaus meiste Stoff abgefragt werde. Und zum anderen, weil bei einer praktischen Prüfung auch viel schiefgehen könne. "Es ist nicht immer einfach anatomische Strukturen an der Leiche zu erkennen. Das sieht im Lehrbuch nur so einfach aus", erklärt sie.

Schafft sie alle Prüfungen im ersten Anlauf, kann sie bis zum Ende des Semesters am 31. März noch einige freie Tage genießen, bevor es dann am 1. April schon mit dem zweiten Semester weitergeht. Da stehen dann unter anderem medizinische Psychologie und medizinische Soziologie, nochmals Biologie und Berufsfelderkundung beispielsweise auf dem Lehrplan - und weiterhin viel Anatomie. Außerdem gibt es ein Wahlpflichtfach. "Da schwebt mir Medizin und Recht vor", sagt Anna Köhler. Und der Alltag in der ersten eigenen Wohnung? "Ja, das funktioniert ganz gut", berichtet sie. In der Wohnung werde grundsätzlich gelernt, gegessen und geschlafen. So viel Zeit verbringe sie allerdings auch gar nicht in der Wohnung. Unter der Woche sei sie auch oft bei Freunden. Und am Wochenende zieht es die Erzgebirgerin auf den elterlichen Hof in der Heimat, wo unter anderem neben der Familie auch ihre acht Bienenvölker auf sie warten.

Bald wird noch eine ganz neue Herausforderung dazu kommen. Denn Anna Köhler hat noch Ende des vorigen Jahres die Zusage für eines der 20 Sächsischen Hausarztstipendien erhalten, die in jedem Studienjahr vom zuständigen sächsischen Ministerium ausgelobt werden. Das bedeutet für die junge Frau, dass sie an 24 Tagen pro Jahr ein Praktikum in einer Hausarztpraxis in Annaberg-Buchholz absolvieren wird - ihrer Partnerpraxis. "Da freue ich mich schon drauf", sagt sie. Denn: "Die Möglichkeit, innerhalb des Studiums einige praktische Einblicke zu bekommen, ist nicht immer gegeben."


Zahlen und Fakten

Als Ausbildungsbeihilfe für Medizinstudenten gibt es das Sächsische Hausarztstipendium seit 2013. Pro Studienjahr gibt es nach Angaben von Katharina Bachmann-Bux von der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS) zwischen 20 und 40 Bewerbungen für die 20 Stipendien. Die ersten Stipendiaten haben Ende des vorigen Jahres ihr Medizinstudium beendet und absolvieren nun ihre Facharztweiterbildung zum Allgemeinmediziner. Aktuell betreuen reichlich 90 Ärztinnen und Ärzte die Studierenden. Im Erzgebirgskreis gibt es aktuell 31 solcher Partnerschaftspraxen, erläutert die Pressesprecherin. Seit Bestehen des Programmes konnten insgesamt 261 Mediziner für die Zusammenarbeit gewonnen werden.

Ab diesem Jahr beteiligt sich das sächsische Sozialministerium zudem an dem von der Kassenärztlichen Vereinigung initiierten Modellprojekt "Studieren in Europa - Zukunft in Sachsen", erläutert Katharina Bachmann-Bux. Dabei finanzieren die KVS und die sächsischen Krankenkassen pro Studienjahr 20 Studienplätze im deutschsprachigen Studiengang Humanmedizin an der Universität Pécs in Ungarn durch die Übernahme der Studiengebühren für die Dauer der Regelstudienzeit von 12 Semestern. Die geförderten Studenten nehmen nach Abschluss des Studiums ebenfalls eine Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in Sachsen auf und praktizieren anschließend mindestens fünf Jahre als Hausarzt oder Hausärztin in Sachsen außerhalb der Städte Dresden/Radebeul und Leipzig/Markkleeberg. (af)


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