Junger Landwirt geht gegen den Trend

Die Anzahl der Landwirtschaftsbetriebe in Deutschland sinkt seit Jahren. Johannes Mäthger hat einen Vollzeitjob und ist Bauer im Nebenerwerb. Doch der 27-jährige Schwarzbacher plant, ganz umzusteigen. Warum das?

Schwarzbach.

Es klingelt. Johannes Mäthger nimmt sein Smartphone ans Ohr. Aha, Tiere von einem benachbarten Bauern sind ausgebüxt. Da muss er sich kümmern und anrufen, bis er jemanden erwischt. "Es ist wichtig, dass wir Landwirte uns helfen", sagt der Schwarzbacher. 27 Jahre jung ist er, studierter Agrarwirt mit Vollzeitjob und Landwirt im Nebenerwerb. Mit seiner Lebensgefährtin Christiane Bock betreibt er den Eschenhof Mäthger in Schwarzbach - mit Unterstützung seiner Eltern Erika und Christoph Mäthger. Eier, Fleisch und andere Produkte werden direkt vermarktet. Fünf Mutterkühe mit ihren Kälbern und drei Bullen sowie Enten, Legehennen, Masthühner und Schweine gehören derzeit zum Betrieb. Auch elf Pferde sind auf dem Hof zuhause - Zuchttiere samt Fohlen und drei Pensionspferde. Die Arbeit geht nie aus.

Für Johannes Mäthger ist das kein Problem, er kennt es nicht anders. "Ich wollte das immer machen - schon als Kind", sagt er. Seit 1994 lebt und arbeitet die Familie im Nebenerwerb auf dem Hof. Der Jüngste von sechs Geschwistern sieht auch seine Zukunft in der Landwirtschaft, will sie ausbauen und wenn möglich einmal komplett davon leben. In einen neuen Traktor wurde bereits investiert, Pläne für einen neuen Stall gibt es ebenso. Von einem befreundeten Bauern, mit dem er zusammenarbeitet, möchte Johannes Mäthger die Kühe und die Fläche übernehmen, wenn dieser in Rente geht. "Unser Betrieb ist noch im Entstehen, er soll wachsen", sagt er.


Seine Tage beginnen alle zwischen 5 und 6 Uhr, der erste Gang führt ihn, seine Familie und seine Lebensgefährtin zu den Tieren. "Wir haben uns aufgeteilt. Ich kümmere mich um die Kühe", berichtet er. Vom Frühjahr bis zum Spätherbst sind sie draußen auf der Weide. Die Masthühner haben ebenfalls einen mobilen Stall im Grünen. Die Legehennen sind zwar im Stall, für sie gibt es aber genug Garten ringsherum. Auch die Enten dürfen natürlich raus. Freilandhaltung mache zwar mehr Arbeit, weil man etwa Wasser fahren und Koppeln bauen müsse. Aber sie sei besser für die Tiere - und darauf kommt es Johannes Mäthger und Christiane Bock an. "Zu unseren Rindern kommt der Tierarzt idealerweise nur einmal im Jahr, um vorgeschriebene Blutproben abzunehmen. Sie sind kaum krank, wir brauchen groß keine Medikamente", so der Landwirt. Aus seiner Sicht ein klarer Vorteil der Freilandhaltung, weshalb er gerade bei den Kühen langfristig gern auf eine Ganzjahreshaltung im Freien umsteigen möchte. Johannes Mäthger: "Nur die Mutterkühe, die trächtig sind, sollen über den Winter in den Stall." Deshalb die Pläne für den Neubau.

Damit das Konzept aufgeht, will der Schwarzbacher nach und nach die Rasse wechseln und von Fleckvieh auf Hereford-Rinder umstellen. Auch dabei setzt er auf die Zusammenarbeit mit dem befreundeten Landwirt Johannes Ficker, der bereits solche Tiere halte.

Noch schafft Johannes Mäthger das alles neben seiner Arbeit als Berater im Außendienst beim Agrarhändler Baywa. Stehen aufwändige Dinge wie die Heuernte an, nimmt er dafür Urlaub. Außerdem helfen Freunde und Familie. Er vermisst es nicht zu reisen, das Bewirtschaften des Hofes erfüllt ihn. "Wenn du hier nur die Arbeit siehst, dann bist du fehl am Platz", sagt Johannes Mäthger. Oft geht es bis spät in den Abend oder in die Nacht hinein - dann sitzt er am Laptop und kämpft sich durch die Bürokratie. Die mache vielen Landwirten zu schaffen. Doch er hat sich entschieden, auch bei der Buchführung so viel wie möglich selbst zu machen, um die Kosten besser im Blick zu behalten.

Die Direktvermarktung des Hofes kommt bei Abnehmern gut an. "Wir könnten mehr verkaufen", so der Schwarzbacher. Dabei profitiert der Eschenhof von seiner Lage nahe einem größeren Eigenheimstandort von Elterlein. Meist würden die Leute als Erstes kommen und Eier kaufen - und später weitere Produkte.

Johannes Mäthger hat auch die Umstellung auf ökologischen Landbau überlegt: "Aber die Bürokratie ist immens und nicht nur der Betriebsmitteleinkauf teurer. Abgaben an den jeweiligen Verband kämen hinzu. Da müsste man Produkte viel teurer verkaufen und etwa für zehn Eier 5 Euro verlangen. Das zahlt hier noch keiner." Trotz konventioneller Landwirtschaft verzichtet der Schwarzbacher zum Beispiel beim Futteranbau auf den routinemäßigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und verwendet Mist als Dünger. Wenn die Kühe geschlachtet werden, geschehe das in einer zertifizierten Schlachtstelle eines Hofs in Affalter. Der Weg sei nicht sehr weit und für die Tiere relativ stressfrei.

Direktvermarktung ist indes nur ein Standbein, weitere sind Pferdekutschfahrten und Winterdienst. Und als vor Kurzem das erste Hoffest gefeiert worden ist, haben 30 Helfer aus Schwarzbach und Elterlein mit angepackt. "Das Hoffest war ein Dorffest", sagt der junge Erzgebirger. Der Zusammenhalt - ein Glücksfall aus seiner Sicht.

Bewertung des Artikels: Ø 4.3 Sterne bei 10 Bewertungen
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...