Kein Öl, kein Gas und trotzdem warm

In Oberwiesenthal ist das höchstgelegene Sonnenaktivhaus Ostdeutschlands in Betrieb gegangen. Ein Gebäude aus dem Jahr 1830.

Oberwiesenthal.

Sich unabhängig machen von Öl und Gas ist der Traum vieler Hausbesitzer. Solaranlagen auf immer mehr Dächern zeigen, dass darüber nicht mehr nur nachgedacht wird. Auch wenn es oftmals nur um das eigene Sparpotenzial geht, so leisten derartige Anlagen doch immer auch einen Beitrag zum Klimaschutz. Doch wie sieht es damit auf einer Höhe von 900 Metern aus und Temperaturen im zweistelligen Minusbereich im Winter? Es funktioniert auch dort, beweist die Fasa AG.

Das Chemnitzer Unternehmen verwandelte nach rund 18-monatiger Bauzeit einen der schlimmsten Schandflecke an der Bundesstraße 95 in Oberwiesenthal in ein modernes Aktivsonnenhaus. Wir wollten zeigen, dass so etwas auch in einer solchen Höhenlage und unter den dortigen klimatischen Bedingungen funktionieren kann, sagt Ullrich Hintzen, einer der Mitbegründer der Fasa AG. Seinen Kenntnissen zufolge sei das Objekt an der Annaberger Straße 77 heute das höchstgelegene Aktivsonnenhaus in Ostdeutschland, das keinen Neubau darstellt.

Herzstück des Systems ist ein 37.000 Liter fassender Wasserspeicher, der vom Erdgeschoss bis unter das Dach reicht. Er wurde im Sommer 2018 in der Mitte des Hauses platziert - eingehoben über das damals geöffnete Dach. Gekoppelt ist der Speicher mit einer rund 100 Quadratmeter großen Solarfläche an der Südseite des Objektes. Damit kann ein Deckungsgrad von 70 Prozent der benötigten Energie für Heizung und Warmwasser erzielt werden. Die restlichen 30 Prozent werden laut Hintzen über eine Holzscheitheizung mit Wärmetauscher abgedeckt, sodass das Gebäude thermisch weitgehend autark ist.

Im Inneren des 1830 errichteten Gebäudekomplexes entstanden je zwei Apartments im ersten sowie im zweiten Obergeschoss. Ihre Größe bewegt sich zwischen 30 und 45 Quadratmetern. Alle verfügen sie über Fußbodenheizung, ohne die das Konzept nicht aufgehen würde, erklärt Hintzen. Auch wurde eine Dachterrasse konzipiert, von der man sowohl auf das Fichtelberghaus als auch auf den Keilberg schauen kann. Eine Gartenterrasse soll ebenso noch entstehen wie ein fünftes Apartment in der angebauten ehemaligen Scheune. Im Erdgeschoss finden sich Gemeinschaftsräume inklusive einer Küche sowie einer Sauna. Und es gibt auch noch den historischen Tiefkeller.

Wo es möglich war, ist die historische Bausubstanz erhalten worden. Das wird unter anderem gleich im Eingangs- und Treppenbereich mit Gneis und Hilbersdorfer Porphyr deutlich. Auch entsprechend bewahrt worden sind historische Türen, die an geeigneter Stelle Verwendung fanden. Ergänzend dazu seien nachhaltige Baustoffe wie etwa Seegras zur Dämmung beim Holztragwerk verwendet worden oder mineralische Dämmung für die Außenwände. Laut Hintzen soll das Gebäude, in das rund 400.000 Euro investiert wurden, ab sofort Kunden, Partnern und Mitarbeitern der Fasa AG zur gemeinsamen Nutzung für Erholung und Freizeit zur Verfügung stehen. Aber auch als kommunikativer Ort für Ideenfindung und Networking ist es vorgesehen.


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.