Klöppelschulleiterin gibt ihrer Kunst neue Impulse

Ein Werk von Manuela Fischer musste ungeplant lange warten, bis es jetzt zum Einsatz gekommen ist. Und bei einem XXL-Projekt nutzte sie fürs Klöppeln überaus ungewöhnliche Werkzeuge.

Annaberg-Buchholz.

Diese Flügel sind wahrlich nicht von Pappe. Ungeplant lange mussten sie auf ihre erste Verwendung beim Annaberger Pyramidenanschieben warten. Doch diesmal glückte alles. Zwei der lebendigen Traditionsfiguren trugen kürzlich während der Zeremonie erstmals ihre neuen Ausrüstungsteile. "Ich habe den beiden Engelsfiguren schmucke Flügel geklöppelt", sagt Manuela Fischer. Natürlich sind die Accessoires nicht aus Textilmaterial. "Ich habe 0,6 Millimeter dicken Messingdraht verarbeitet. Das war eine durchaus Kraft und Geschick verlangende Herausforderung, die entsprechenden Schläge auf dem Klöppelsack auszuführen. Zum Vergleich: Die sonst verwendeten Stoffe sind im Schnitt 0,15 Millimeter dünn", so die Profi-Klöpplerin und Leiterin der Klöppelschule im Erzhammer. "Die Engelsflügel warteten schon seit einem Jahr auf ihren Einsatz. Sie waren bereits im Vorjahr fertiggestellt und sind jetzt vervollkommnet worden." Doch bekanntlich wurde wegen Wetterunbilden 2018 die Zeremonie abgesagt.

Einmal in Klöppellaune und bekanntlich immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen, sind zurückliegend zwei weitere, in der Klöppelwelt für Erstaunen sorgende Exemplare entstanden. So zählt ein mit LED-Leuchten bestückter Stern als dreidimensionaler Körper zu den weiteren Meisterstücken. "Dafür wurde ein mehrere Meter langer Edelstahldraht verwendet, den ich von einem Bastler erhalten habe." Binnen zwölf Stunden hat sie diesen mit einer 50 Zentimeter langen Lichterkette verklöppelt. "Und so leuchtet das nach meiner Tochter genannte Kunstwerk als Silberstern Anna-Maria", so Manuela Fischer. Das Teil war zum zurückliegenden Kreativtag im Hause das wahrscheinlich am meisten abgebildete Fotomotiv.

Das dritte Projekt im Bunde dürfte als eines der größten in der jüngeren Klöppelgeschichte gelten: Ein 350 Meter langes fingerdickes Polypropylen-Seil klöppelte die Künstlerin zu einem zehn Meter umfassenden Spitzenstück. "Dafür habe ich auch die klassische Technik angewendet, mir extra einen Klöppelbrief geschrieben. Diese Aufgabe war selbst auf unserem größten Klöppelsack nicht zu bewerkstelligen." Vielmehr ließ sich Manuela Fischer von ihrem Mann eine spezielle Werkbank aus dicken Brettern bauen. "Mit 10er-Nägeln als Nadeln habe ich das Seilmaterial fixiert. Mit Wasserrohrzange habe ich die Knoten vollzogen und die Enden mit dem Bunsenbrenner bearbeitet." Die Idee für das Großprojekt: "Ich möchte zukünftig gern mehr Aufmerksamkeit für unser Kulturhaus und die Klöppelschule wecken." Also bedurfte es eines XXL-Teils, das zu den Klöppeltagen bereits an der Fassade zu sehen war und viele Blicke auf sich zog. Manuela Fischer wünscht sich einen dauerhaften Platz dafür im Stadtbild, der ist jedoch noch nicht gefunden. Das Vorhaben dürfte auch als jenes in die Vita von Manuela Fischer eingehen, bei dem sie erstmals Blasen durchs Klöppeln an den Fingern konstatieren musste.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...