Kreistag erteilt grünes Licht für Marschplan in die Zukunft

Überall schnelles Internet, glatte Straßen, gute Verkehrsanbindung, belebte Innenstädte, Arzttermine im Handumdrehen, sichere Versorgung im Alter - der Erzgebirgskreis hat nun ein einheitliches Konzept. Doch die Diskussion geht jetzt erst richtig los.

Annaberg-Buchholz.

Nun ist es doch noch in der aktuellen Wahlperiode des Kreistages unter Dach und Fach gekommen: das regionale Entwicklungskonzept für den Erzgebirgskreis. Im Vorfeld hatte es schon Befürchtungen gegeben, dass diese Aufgabe an den nächsten Kreistag, der am 26. Mai gewählt wird, weitergereicht werden soll.

Die neuen Kreisräte verfügen somit gleich von Beginn an über eine 158-seitige Diskussionsgrundlage, wohin die Reise des Erzgebirgskreises gehen soll. Die erste Hälfte des umfangreichen Dokuments ist eine ungeschminkte Auflistung der aktuellen Situation mit vielen Verbesserungen seit 1990, aber auch den Problemen, wie etwa dem Verlust von gut 100.000 Einwohnern, der wachsenden Überalterung, dem teils schlechten Straßennetz insbesondere bei Staatsstraßen, der schlechten Schienenfernverkehrsanbindung sowie den noch nicht überall behobenen Bergbaufolgen.

Zu den Problemen gibt es jedoch bereits mehr oder weniger detaillierte Lösungsvorschläge beziehungsweise Zielvorstellungen, die in zehn Handlungsfeldern und 32 Schlüsselmaßnahmen zusammengefasst sind. Wie Holger Vorberg, Sachgebietsleiter Kreisplanung/Kreisentwicklung, betonte, war der Kreis schon bislang nicht planlos. So seien in das neue Dokument die Konzepte der vier Altlandkreise ebenso eingeflossen wie rund weitere 60 Dokumente, etwa die Planungen der Leader-Regionen. Zudem hatten jüngst Bürger, Vereine und Kommunen weitere Vorschläge eingebracht. Sie waren dazu im Dezember vom Kreistag aufgerufen worden. Aber auch in der Kreistagssitzung am Mittwoch gab es noch Anregungen. So schlug Linke-Fraktionschef Frank Dahms vor, sich pro Jahr wenigstens einem Handlungsfeld zu widmen. "Da bräuchten wir aber zehn Jahre", gab Landrat Frank Vogel (CDU) zu bedenken. Er will deshalb die Präzisierungen schon ab Sommer mit dem neuen Kreistag "sehr schnell" vornehmen.

Noch sind viele Zielstellungen sehr allgemein gehalten. So sollen etwa die Folgen der demografischen Entwicklung durch Anpassung der gesamten Infrastruktur, Angebote für eine möglichst lange eigenständige Lebensführung und einen flächendeckenden Zugang zu Dienstleistungen verträglicher gestaltet werden. Die Verkehrslage soll sich durch die Weiterentwicklung des ÖPNV entspannen, Eisenbahnstrecken sollen für Güter- und Reiseverkehr erhalten bleiben und die Anschlüsse etwa nach Chemnitz verbessert werden. Auch der Ausbau der Elektromobilität ist genau so ein Ziel wie die bessere Breitbandversorgung und mehr Hotspots. Die Wirtschaft müsste sich noch mehr verzahnen, Gewerbeflächen an bereits vorhandener Infrastruktur entwickelt werden. Denn auch der Naturschutz sei - etwa bei Nutzungskonflikten - "angemessen zu berücksichtigen" heißt es im Konzept.

Letzteres unterstrich Grüne-Kreisrätin Ulrike Kahl. Sie verwies auf den Anachronismus, dass einerseits die Bevölkerung schrumpfe, andererseits immer mehr Fläche verbraucht werde. CDU-Fraktionschef Sylvio Krause warnte jedoch davor, das Konzept ideologisch zu sehr zu belasten: "Wir sollten immer abwägen, was sinnvoll ist und zukunftsträchtig." Dem stimmte Freie-Wähler-Fraktionschef Thomas Kunzmann zu. Seiner Fraktion liege insbesondere die Entwicklung des Straßenbaus und der ländlichen Region am Herzen. Der Flächenverbrauch sei dabei immer wieder ein Spannungsfeld, so Kunzmann und nannte ein Beispiel: Wenn man etwa einer jungen Familie wegen zu stringenter Vorgaben verwehre, sich auf dem Grundstück ihrer Eltern auf dem Land ein Eigenheim zu errichten, dann zöge diese womöglich einfach weg in die Großstadt. "Die Debatten zum Konzept werden spannend", prophezeite Landrat Vogel.

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...