Lage der Trinkwasserversorgung im Raum Annaberg spitzt sich zu

Etwa 60.000 Menschen im Großraum Annaberg und Oberwiesenthal werden mit Rohwasser aus Cranzahl versorgt. Jetzt hat die Landestalsperrenverwaltung dort den Abfluss gestoppt. Was bedeutet das für die Region?

Cranzahl.

Sie bietet ein erschreckendes Bild: die Talsperre in Cranzahl. Das Wasser hat nur noch einen Füllstand, der reichlich der Hälfte dessen entspricht, was eigentlich vorrätig sein sollte. Statt der vorgesehenen 2,85 Millionen Kubikmeter Wasser sind es derzeit nur 1,5 Millionen Kubikmeter. Dabei ist die Talsperre ein wichtiger Rohwasserspeicher für die Trinkwasseraufbereitung im Raum Annaberg. Am Donnerstagabend hat die Landestalsperrenverwaltung sinnbildlich die Reißleine gezogen und den Abfluss aus der Talsperre gestoppt.

Am gestrigen späten Nachmittag dann ein kurzfristig anberaumtes Treffen mit dem zuständigen Minister Wolfram Günther vor Ort - eine Art "Krisentreffen", auch wenn von einer Katastrophe noch keiner der Beteiligten spricht. Vielmehr spricht Heinz Gräfe als Geschäftsführer der Landestalsperrenverwaltung Sachsen von "Vorsorge". Das heißt, das vorhandene Reservoir soll so lange wie möglich "gestreckt" werden. Wie lange die Vorräte noch reichen werden, dazu war ihm keine konkrete Aussage zu entlocken. Das könne er nicht sagen.

Auch Ute Gernke, Geschäftsführerin der Südsachsen Wasser GmbH betonte ausdrücklich, dass die Trinkwasserversorgung momentan noch gesichert sei. Für rund 60.000 Haushalte in Annaberg-Buchholz und Umgebung sowie in Oberwiesenthal wird ihren Angaben zufolge das Rohwasser an die Erzgebirgische Trinkwasser (ETW) GmbH übergeben. Ein weiterer Abnehmer sei der regionale Zweckverband Lugau-Glauchau. Um die Versorgung zu gewährleisten, sei insbesondere in den beiden zurückliegenden Jahren "das Machbare" realisiert worden. Unter anderem seien für die Anlage in Cranzahl zwei Rohwasserpumpen angeschafft worden. Würde Cranzahl als Wasserlieferant ausfallen, wäre eine Anbindung an das entsprechende Versorgungsnetz erst in etwa 15 Kilometern im Großraum Chemnitz möglich. Dafür müssten die notwendigen Rohrleitungen verlegt und große Pumpwerke gebaut werden. Und die Sorge vor einem dritten viel zu trockenen Jahr ohne ausreichend Niederschläge ist groß.

Denn das Besondere der Talsperre in Cranzahl ist deren Insellage, erläutert der zuständige Minister. Das heißt, sie speist sich nur aus natürlichen Wasserzuläufen wie zum Beispiel Hangwasser. Ein Austausch mit anderen Talsperren sei deshalb nicht möglich. Deshalb seien auch andere Abflüsse - beispielsweise in die Sehma - gestoppt worden, erläutert Heinz Gräfe. Nach Möglichkeit soll alles verfügbare Nass auch tatsächlich in die Talsperre fließen. So habe man das Einzugsgebiet der Talsperre von ursprünglich rund 4,5 Quadratkilometer auf 9 Quadratkilometer vergrößern können. Dennoch mahnte Gernke mit Blick auf die Landestalsperrenverwaltung und das zuständige Ministerium langfristige Lösungen an. Die Gespräche dazu liefen auch, versichert der Minister. Es sei eigens eine Arbeitsgruppe gebildet worden. Dabei gehe es auch darum, wie das sächsische Talsperrensystem für die Herausforderungen des Klimawandels gerüstet werden kann.

Aussichten, die das Kopfzerbrechen bei Produktionsleiter Jörg Bräuer von der ETW aber nicht mindern: "Wir haben schon Sorge", macht er deutlich. Und mahnt: "Wir müssen unbedingt verhindern, dass wir in ein Versorgungsdefizit geraten." Über zwei bis drei Tage könne das Unternehmen die Versorgung noch aufrechterhalten. Doch dann gehe es in die Notversorgung. Das bedeute, dass Trinkwasser aus der Leitung nicht mehr zur Verfügung steht. Vielmehr erfolge dann die Ausgabe einer zugeteilten Menge pro Tag und Haushalt per Kanister, die an ausgewiesenen Stellen abgeholt werden müssten. Und das nächste Problem folge unmittelbar: der Ausfall des Abwassersystems.

15Kommentare
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  • 8
    0
    575042
    03.02.2020

    Mit der Wende wurden zig regionale und damit dezentrale Trinkwasserschutzgebiete aufgehoben und zur intensiven landwirtschaftlichen Nutzung freigegeben. Gleichzeitig hat man bisher nichts unternommen, um die drainierten (sprich künstlich entwässerten) natürlichen Quellgebiete wieder zu renaturieren und so den Wasserrückhalt in der Fläche wieder herzustellen. Auch beim staatlichen Hochwasserschutz dreht sich im wesentlichen alles um die schnellstmögliche Ableitung des Wassers an den Unterlieger und die Befestigung der in den hochwasserarmen Zeiten besiedelten Auenstandorte.

    Siehe dazu auch ://www.grueneliga-sachsen.de/2019/04/pressemitteilung-der-gruene-liga-sachsen-e-v-und-des-naturschutzverband-sachsen-e-v/

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    Tauchsieder
    02.02.2020

    Sie schreiben am Thema vorbei "cn3...."!

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    2
    Nixnuzz
    02.02.2020

    Talsperren sind sicherlich als Großspeicher über längere Zeit Ok. Abflüsse für x Verbraucher müssen aber auch nachgeliefert bekommen. Zum Teil eben durch Wald und Wiesen. Vertrockneter Wald minus Käferfrass sind keine Speicher zum Nachliefern und Abpuffern von Starkregen. Langsam abschmelzender Schnee fehlt derzeit und abfliessender Regen mag zwar kurzfristig mehr als genug Wasser in die Speicher bringen - aber bei weiterer zu warmer Trockenheit wirds eng für Haus und Hof. Zwangsbewässerung über Ringleitungen zwecks Kartoffel- oder Getreide-Anbau etc. wäre eine Zwangsmaßnahme um den fehlenden Regen anderweitig auszugleichen. Es geht halt um das ganze System. Sorry für den Lippenbiß!

  • 4
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    Tauchsieder
    02.02.2020

    Da muss man sich schon mal hinterm Ohr kratzen und auf die Lippen beißen, wenn man ihr Geschriebenes liest "Nix.....".
    Für den Grundwasserstand und den Pflanzenwuchs ist die LTV gerade mal nicht zuständig. Genausowenig wie für das Schmelzwasser im Frühjahr, dass oberflächlich wegfließt, da die Böden größtenteils noch gefroren waren und somit das Wasser gar nicht in das Erdreich eindringen konnte. Nannte man damals Frühjahrshochwasser!

  • 5
    3
    cn3boj00
    01.02.2020

    @Tauchsieder, die LTV kann den Regen nicht herbeizaubern und keinen Einfluss auf das Klima nehmen. Dass die Trockenheit inzwischen nie dagewesene Ausmaße hat kann nicht mit Geld und nicht mit Ringleitungen kompensiert werden.
    Und leider, @quatschkopf, kann man nicht nur auf die Regierungen schauen. Es gibt eine politische Strömung, die das alles kleinredet, und die hat leider viel Zulauf unter Bürgern, deren Wasser eben aus dem Wasserhahn kommt.

  • 10
    3
    Nixnuzz
    01.02.2020

    In einem anderen Artikel wurde kurz erwähnt, das der Grundwasserspiegel trotz der feuchten Wetterlage ca. 60cm unter "Norm" liegt - auch um den Pflanzenwuchs sicherzustellen. Wieviel Oberflächenwasser z.B. aus fehlenden Schneedecken jetzt zur Speisung der Bäche etc. wegfließt aber damit nicht genügend "Sickerzeit" hat - ??

  • 27
    6
    quatschkopf
    01.02.2020

    Ich hab ne Idee. Wer kein Windrad in der Nähe des eigenen Dorfes will bekommt dafür einen Damm am Ende des Tals.
    Schwupps, mehrere Probleme gelöst.
    Aber mal im Ernst,
    Ja trockene Jahre gab es schon früher aber dieses Ausmaß ist keinem meiner noch lebenden Verwandten bekannt. Ich hoffe sehr dass die 2 Jahre nur extreme Ausnahmen waren. Leider sagen Wissenschaftler seit nunmehr über 40 Jahren dass es Probleme geben wird wenn wir so weiter machen wir bisher. Aber wir haben nicht so weiter gemacht sondern es noch schlimmer getrieben.
    Das sich die Sache bei uns im Gebirge nun eventuell in einer Trinkwasserknappheit zeigt konnte keiner wissen. Auch kann keiner wissen wie es sich wir entwickelt. Sich aber jetzt hinzustellen und zu sagen "was wir in Deutschland machen bringt ja eh keinen Effekt" ist auf der einen Seite egozentrisch und auf der anderen Seite misstrauisch gegenüber dem eigenen Können.
    Aber es hat wenig Sinn. Die Regierungen verstricken sich im klein klein und es wird erst noch viel schlimmer kommen müssen bis sich vielleicht was bewegt. Ich hoffe dass ich Unrecht habe und es keinen Klimawandel gibt, leider spricht sehr vieles dafür.

  • 21
    3
    392713
    01.02.2020

    @ralf66: Sie haben bei Ihrer Recherche vergessen, die verbrauchten Wassermengen vor und nach 1990 mit in Ihre Betrachtungen einzubeziehen. Das verfälscht das Bild total. Die Wassernachfrage ist seit 1990 drastisch zurückgegangen, vor allem deshalb, weil die Rohrleitungen Stück für Stück erneuert wurden und damit der Wasserverlust stark reduziert werden konnte (bis 1989 ca. ein Drittel des Trinkwassers). Außerdem ist die Wasserverschwendung erheblich geringer als früher. Die Industrie nutzt Wasser heute sparsam und effizient. Deshalb hat sich seit 1990 kein Mensch mehr mit der Schaffung zusätzlicher Reservoirs befasst. Im Gegenteil: Bis etwa im Jahr 2001 hat die Staatsregierung über einen Verkauf von einzelnen Talsperren nachgedacht (und zum Glück nicht umgesetzt). Nach dem Hochwasser 2002 war diese Diskussion sofort zu Ende. Die Talsperren spielen jetzt auch eine wichtigere Rolle beim Hochwasserschutz. Die aktuelle Situation mit starker Trockenheit gab es im Erzgebirge bis vor zwei Jahren nicht. Die Lage ist schon sehr ungewohnt.

  • 14
    4
    Tauchsieder
    01.02.2020

    Ich möchte gar nicht auf ihren Kommentar hier näher eingehen "ralf...", dass würde den Rahmen sprengen. Nach heutiger Gesetzeslage ist es fast unmöglich weitere Talsperren zu bauen. Muss auch nicht, da für den Großteil der Sachsen genügend Trinkwasser zur Verfügung steht. Da gibt es z.B. die auch hier angesprochene Ringleitung in Sachsen. Die LTV hat hier sehenden Auges ein Problem vor sich hergeschoben und ruft jetzt - Haltet den Dieb -. Dies muss sie der dortigen Bevölkerung erklären. Für Hochwasserschutz stehen Milliarden zur Verfügung, soviel, dass man gar nicht weiß wo man es unterbringt.
    Der Staat ist zur Daseinsvorsorge verpflichtet und wenn mich nicht alles täuscht ist die LTV ein Staatsbetrieb und steht somit in der Pflicht.

  • 22
    9
    Malum89
    01.02.2020

    Jaja, 1531 wars im Winter auch schon mal so warm und so trocken ;) Der Unterschied ist halt nur: Inzwischen folgt ein Wärme-Rekord dem anderen, und die Trockenheit nimmt stetig zu. Das Klima ändert sich dauerhaft und rasant, das müssten inzwischen auch die Dümmsten begreifen. Ob sich das noch irgendwie stoppen lässt, weiß ich auch nicht - aber versuchen sollten wir es doch . . . Und die Hobby-Klimahistoriker, die das alles nicht so wild finden, sollten noch mal nachschauen, wie viele Menschen bei den damaligen kurzzeitigen Wetterextremen umgekommen sind . . .

  • 13
    29
    ralf66
    01.02.2020

    @Tauchsieder, Geld ist eben keins da, dass wird in Massen für andere Dinge die uns weniger bis nichts nützen ausgegeben. Überall wird doch nur noch das Nötigste gemacht, so dass sich die Sache gerade so noch dreht. Kein Geld, keine Leute, dass sind die Sprüche. Ich habe mir einmal im Schnelldurchgang einen Überblick verschafft, wie es in Sachsen mit Talsperren, große Hochwasserrückhaltebecken, Speicher, Stauseen- und Teichen so aussieht, hoffentlich ist mir dabei keine größere Anlage durch die Lappen gegangen, wenn doch, kann es ja berichtigt werden. Alle diese Stau-Anlagen wurden entweder vor 1945 oder zu DDR-Zeiten gebaut, bei einem kleinen Teil ging die Bauzeit noch bis kurz nach der Wende wenig plus minus um 1991. Man hat in Punkto Trinkwasser im bundesdeutschen Sachsen nichts grundlegendes getan um die Speichermengen durch neue Anlagen merklich zu erhöhen, ganz wenige Anlagen wurden saniert, es wird also nur die Erhaltung der Altbestände betrieben.

    @Maleum89, dass die Pläne der Regierung und der Grünen-Lobby zur Beseitigung der Erderwärmung weltweit helfen, diese Erwärmung zu stoppen, dass muss erst noch bewiesen werden, dass ist nämlich bis jetzt Theorie, mit der AfD hat das nun gar nichts zu tun. Die Erwärmung ist nun mal da und mit grüner Hysterie und Panikmache kann man gar nichts erreichen. Solche Dürrephasen gab es in Europa und weltweit auch ohne industriell erzeugtes CO2, ist alles nachlesbar, anschaubar!

  • 22
    15
    Inke
    01.02.2020

    Malum89... :-))) Sich einfach die Welt nach Belieben zurecht reden, ja, das haben die sich vom großen blonden Onkel aus Fernwest gut abgeschaut. Eine geeignete Strategie für die Zukunft fehlt leider auf der ganzen Linie. Erkennt nur leider keiner der Patrioten.

  • 39
    20
    Malum89
    01.02.2020

    Einfach AfD wählen. Dann gibts auch kein Problem mit dem Klimawandel, weil der sowieso nur eine Erfindung der Grünen ist. (Kann Spuren von Sarkasmus enthalten.)

  • 23
    6
    Maresch
    01.02.2020

    Die nächste Dürre kommt mit Sicherheit!

  • 23
    10
    Tauchsieder
    01.02.2020

    Da hat wohl die LTV über Jahre hinweg gepennt. Warum wurde die Versorgung nicht an die Ringleitung angebunden?
    Ein Geschrei über ein selbstgemachtes Problem der LTV, Zeit und Geld wären sicherlich dagewesen.



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