Lichtblick für Familie in schwerer Zeit

Läuft alles nach Plan, können Silke, Helge und Julian Krauß in diesem Jahr erste behindertengerechte Räume in ihrem Crottendorfer Haus beziehen. Die Spendenbereitschaft bei "Leser helfen" für das Paar und sein schwerstbehindertes Kind war enorm. Doch während der Umbau läuft, kämpft Vater Helge gegen fortschreitenden Krebs. Er hofft auf weitere Lebensjahre.

Crottendorf.

Tiefbauer, Stahlbauer, Heizungsbauer, Elektriker: Viele Handwerker sind in den vergangenen Monaten im Haus von Silke und Helge Krauß ein und aus gegangen. Und das wird wohl noch eine Weile so bleiben. Stück für Stück wird im Erdgeschoss des baufälligen Gebäudes in Crottendorf eine Wohnung für sie und ihren schwerstbehinderten Sohn Julian ausgebaut. Ermöglicht vor allem durch Spenden innerhalb der "Freie Presse"-Aktion "Leser helfen". Fast 86.000 Euro waren dabei Ende vergangenen Jahres zusammengekommen. Eine Hilfe, mit der die Familie nie gerechnet hätte - trotz ihrer Notlage.

Fast 13 Jahre ist es her, dass ihr Sohn Julian zur Welt kam Am 13. Juli werden sie seinen 13. Geburtstag feiern. Julian wurde viel zu früh in der 23. Schwangerschaftswoche geboren, wog nur 660 Gramm und war 30 Zentimeter groß. Die Ärzte mussten um sein Leben ringen - doch er sei von Anfang an ein Kämpfer gewesen, erzählen seine Eltern. Die Folgen sind dennoch bis heute geblieben: Julian ist schwerstbehindert, sitzt im Rollstuhl, kann nicht sprechen. Doch er versucht, sich durch Laute zu äußern und zeigt auch, was er möchte. Das Leben der Familie spielt sich vor allem im kleinen Wohnzimmer im Obergeschoss ab, das zugleich auch als Schlafraum für Silke Krauß und ihren Sohn dient. Ein behindertengerechtes Bad gibt es bislang nicht. Julian muss mithilfe einer Schüssel gewaschen werden. Denn zum alten Bad führt in dem verwinkelten Haus, Baujahr 1948, eine Treppe hinunter. Als er noch klein war, konnten seine Eltern Julian dorthin tragen und in die Wanne legen. Doch irgendwann war das nicht mehr zu schaffen.

Die Wohnsituation der Familie wird sich deutlich verbessern. Zuletzt wurden die Wände in einem Teil der neuen behindertengerechten Wohnung im Erdgeschoss verputzt. Vater Helge hofft, dass Julians Zimmer sowie das Bad und das Wohnzimmer samt Küche schon bis Jahresende fertig werden. Der Rest würde 2021 folgen, sodass die Familie dann komplett im Erdgeschoss leben kann. Allerdings kämpft sie mit einem weiteren Schicksalsschlag. Nachdem Helge Krauß 2019 die Diagnose Darmkrebs erhielt, hat sich die Prognose in diesem Jahr deutlich verschlechtert. Es sei festgestellt worden, dass es Metastasen in anderen Organen gibt. Durch die Corona-Krise hätten sich einige Untersuchungen leider verzögert. "Ich hoffe, dass ich mit Behandlung noch einige Jahre leben kann", sagt der 50-Jährige. Mittlerweile absolviert er eine weitere Chemotherapie. Ansonsten macht er zuhause weiter, wie es für ihn möglich ist und geht einen Tag nach dem anderen an. "Ich kann doch nicht aufgeben", sagt der Erzgebirger.

Seine Frau arbeitet weiter in Teilzeit im Crottendorfer Werk der Hoppe-Gruppe. Julian besucht wochentags die Christian-Felix-Weiße-Schule in Kleinrückerswalde - eine spezielle Einrichtung mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Während der Corona-Krise musste auch er einige Wochen komplett zuhause betreut werden. Mittlerweile hat sich der Alltag aber wieder in großen Teilen normalisiert - auch wenn das Haus noch eine Baustelle ist.

In den Sommermonaten soll unter anderem das baufällige Dach saniert werden, dessen Belag noch aus den 1970er-Jahren stammt und durch das es immer wieder reingeregnet hat. Helge Krauß konnte es infolge seiner Krankheit aber nicht mehr selbst flicken. Eine Dachdecker-Firma aus der Nachbarschaft half Ende vergangenen Jahres spontan, um das Dach erst einmal abzudichten. "Viele Handwerker setzen sich sehr für uns ein", sagt Silke Krauß. So wurde der Familie auch beim Koordinieren des Bauablaufs geholfen, wofür sie sehr dankbar ist. Zudem packten Nachbarn und Freunde mit an, als es etwa darum ging, das Erdgeschoss erst einmal freizuräumen und teilweise zu entkernen. Alles Dinge, die Hoffnung machen.

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