Lösung auf Zeit: Wie es nach der Amtsverweserwahl weiter geht

Die Thumer Stadträte haben sich für Klaus Schroth als hauptamtlichen Vertreter des erkrankten Bürgermeisters ausgesprochen. So klar wie die Wahl ausfiel, so spannend wird die nächste Zeit. Denn es gibt einige offene Fragen - und eine gute Nachricht für Jahnsbach.

Thum.

Punkt 19.53 Uhr war am Mittwoch die Frage entschieden, wer die Geschäfte des erkrankten Thumer Bürgermeisters Michael Brändel übernehmen soll. Alle 14 bei der öffentlichen Sondersitzung anwesenden Stadträte stimmten für Klaus Schroth. Der 52-jährige Gornauer setzte sich damit klar gegen Giso Lieberwirth aus Thum durch. Schon zwölf Stunden später trat Schroth im Rathaus seinen Posten an. Mitarbeiter kennenlernen, erste Dienstberatung, Technik einrichten ... Es ging gestern Schlag auf Schlag für den langjährigen Kämmerer der Stadt Zschopau.

Punkten konnte er am Vorabend bei den Thumer Stadträten mit seiner Berufserfahrung. Der Finanzkaufmann und Verwaltungsbetriebswirt ist seit fast drei Jahrzehnten im Finanzwesen tätig, absolvierte diverse Fortbildungen, leitete etwa die Doppik-Umstellung und ein Amt mit acht Personen. "Ich kenne auch die Arbeit eines Bürgermeisters und weiß, dass es nicht mit einem 8-Stunden-Tag getan ist", so Schroth. Seine Aufgabe in Thum sehe er darin, gemeinsam mit der Verwaltung die Arbeit für eine Übergangszeit zu organisieren.

In eine ganz andere Richtung ging sein Gegenkandidat Giso Lieberwirth. Der 44-jährige selbstständige Unternehmer, der eine Reihe von Ehrenämtern bekleidet und der AfD-Fraktion im Kreistag angehört, sprach von Visionen für die Stadt, die er "bis zu einer Neuwahl oder darüber hinaus mittragen" wolle. Unter anderem war die Rede von einem "kreisweit einzigartigen Konzept" für die Kinder- und Jugendarbeit der Stadt und Chancen für den Tourismus und Wirtschaft. "Das ist ein Wahlprogramm, das nicht mal ein Bürgermeister in sieben Jahren umsetzen kann", sagte dazu Stadtrat Mario Schöne (Bürgerliste). Er würdigte die Bewerbung, gefragt sei aber jemand, der sofort eine Stadtverwaltung führen könne.

Genau das hat bisher Sebastian Dittrich (Bürgerliste) getan. Seit Oktober vertrat er Michael Brändel - ehrenamtlich neben seinem Vollzeitjob als Metallhändler. "Eine schwere Aufgabe, die mir nie gelungen wäre, wenn nicht alle Mitarbeiter der Verwaltung so gut mitgezogen hätten", lobte Dittrich im Stadtrat. Seinen Rückzug von dieser Vertretung begründet er damit, dass das Rathaus ausreichend mit Fachleuten besetzt sein müsse: "Das Hauptaugenmerk liegt beim Erhalt unserer Stadt." Denn zum Fehlen des Bürgermeisters kommt hinzu, dass bei zwei wichtigen Amtsleiterposten derzeit kein Regelbetrieb herrscht. Die Suche nach einem neuen Kämmerer hält an und die aktuelle Hauptamtsleiterin beendet ihre Elternzeitvertretung wegen eines neuen Jobs vorzeitig. Allerdings waren gestern aus der Verwaltung Signale zu vernehmen, dass sich in beiden Fällen gute Lösungen abzeichnen. "Wir haben keinesfalls eine Fünf-vor-Zwölf-Stimmung im Rathaus", betonte Dittrich.

Und auch er werde natürlich nicht von der Bildfläche verschwinden, sondern als stellvertretender Bürgermeister mit Klaus Schroth zusammenarbeiten, der indes nach Anfrage aus Thum von Landrat Frank Vogel (CDU) als Kandidat ins Spiel gebracht worden war. Gleichzeitig stellte Dittrich klar, dass der Status quo mit einem Amtsverweser nicht bis zur nächsten turnusgemäßen Bürgermeisterwahl andauern soll: "Das wird nicht die Lösung bis 2020 sein." Denn demnächst ist die Frage zu klären, ob der erkrankte Bürgermeister Michael Brändel in absehbarer Zeit zurückkehren kann oder ob er dauerhaft dienstunfähig ist. "Es bedarf einer Zukunftsprognose anhand der Umstände des konkreten Einzelfalles. Dem gehen jedoch ärztliche und nicht zuletzt höchstpersönliche Entscheidungen des Erkrankten voraus. Erst anhand dessen kann eine Versetzung in den Ruhestand in Betracht gezogen werden", erläuterte Landratsamtssprecherin Katja Peter gestern auf Anfrage von "Freie Presse". Falls Brändel jedoch nicht zurückkehrt, dann stünde eine vorgezogene Neuwahl bevor, die spätestens sechs Monate nach Freiwerden der Stelle erfolgen muss.

Doch wie lange Klaus Schroth als Amtsverweser wirkt, hängt von vielen Faktoren ab. Er ist Beamter auf Widerruf. So ist das Dienstverhältnis nicht nur sofort beendet, falls der Bürgermeister zurückkehrt. Auch er selber kann das Amt niederlegen oder der Stadtrat, in dem er übrigens kein Stimmrecht hat, kann ihn wieder abberufen. "Der Rat wird sehr genau hinschauen. Das Risiko für die Stadt ist gering", erklärte Sebastian Dittrich.

Und als letzte Amtshandlung hatte er noch eine gute Botschaft für die Jahnsbacher parat. Die noch fehlende notwendige Unterschrift für die Reparatur der Wasserleitung für die Turnhalle, so Dittrich, sei nun da. "Die Bauarbeiten beginnen, sobald das Frühjahr bei uns einsetzt."

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