Lorks ist das Mundartwort des Jahres

Der Erzgebirger bringt damit auf den Punkt, wenn etwas von mangelnder Qualität ist. Die Bezeichnung verwies Schrutsaach auf den zweiten Platz. Es war knapp.

Thum.

Die Erzgebirger haben gewählt: Lorks lautet ihr beliebtestes Mundartwort 2019. Die Beschreibung von Dingen mangelnder Qualität beziehungsweise in schlechtem Zustand setzte sich unter zehn von einer Jury ausgewählten Finalwörtern durch. Damit verwies der Begriff knapp mit 20 Stimmen mehr die Schrutsaach (Schrotsäge) auf Platz 2. Als drittes Wort landete Gaunggschöpper (Jaucheschöpfer) auf dem Siegerpodest.

Das spannende Ergebnis der im Frühjahr vom Erzgebirgsverein und der "Freien Presse" gestarteten Aktion wurde am gestrigen Sonntag innerhalb einer unterhaltsamen Festsitzung im Volkshaus Thum verkündet. Zum dritten Mal waren Einheimische und Freunde des hiesigen Dialektes aufgerufen, ihr Lieblingswort zu finden. Dabei galt diesmal mundartlichen Meisterstücken das Interesse. Getreu dem Motto "Ohne Schweiß kein Preis" waren Wörter gesucht, die die Arbeitswelt abbilden, Werkstoffe bezeichnen, Maschinen vorstellen, Technologien beschreiben und Berufe charakterisieren. Mehr als 230 Wörter erreichten unter dem Motto "Unner Arzgebirg - Wo das Handwerk nicht auf den Mund gefallen ist" die Jury aus Künstlern, Journalisten, Sprachwissenschaftlern und Mundartautoren.

"An der Abstimmung, welches der zehn Finalwörter ihr Favorit ist, haben 430 Teilnehmer mitgewirkt. Sie kamen aus dem Erzgebirge, aber auch aus angrenzenden Regionen. Dabei entfielen auf das Siegerwort Lorks 96 Stimmen", so Carmen Krüger, Kulturobfrau des Erzgebirgsvereins. Die Schrutsaach sammelte 76Punkte. Die Ehrenfriedersdorferin freute sich mit den Initiatoren des Wettbewerbs über die Resonanz.

Die Abschlussveranstaltung des Wettbewerbs erwies sich als nachgefragtes Treffen von um die heimatliche Redeweise verdienten Erzgebirgern. Schon weit vor Veranstaltungsbeginn war der Saal des Volkshauses Thum proppenvoll. Reichlich 300 Gäste erwiesen sich als textsicheres und sangesfreudiges Publikum. Und spätestens mit dem Auftakt-Einmarsch der Großolbersdorfer Schallis wackelte die Bühnenbeleuchtung. Mit Carmen Krüger, Regine Seifert und Robby Drechsel sorgten gestandene Moderatoren für kurzweilige Hintergrundgespräche und wussten die Uhiesigen im Saal in die regionalen Spracheigenheiten einzuweihen. Für ein stimmungsvolles Bühnenprogramm sorgten das Carlsfelder Bandoneonensemble, das Trio Barggeschrey aus Aue, die Ehrenfriedersdorfer Musikanten Monika Knauth und Lucy Rockstroh sowie die Sketchtruppe De Pascher aus Marienberg.

Nach dem Wettbewerb ist vor einer Neuauflage. "Die langen Wintertage werden Gelegenheit bieten, sich thematisch und organisatorisch neu auszurichten. Vielleicht schaffen wir es auch, mit den Initiatoren des sächsischen Mundartwortes in Dresden 2020 in Kontakt zu kommen", sagte Carmen Krüger. Zum Auftakt des Wettbewerbs 2017 hatte sich mit "Maarguschn" im Übrigen die Beschreibung von Schwatzweibern durchgesetzt. 2018 heimste "kabsch" den Titel ein, was einen mäkeligen Feinschmecker beschreibt.


"Eine prima Wahl"

Ulrich Schaarschmidt (Foto) aus Wiesa tippte auf das Siegerwort Lorks und gewann. Christof Heyden hat mit dem 61-Jährigen gesprochen.

Freie Presse: Das macht nur ein Sprachwettbewerb möglich, mit Ausschuss einen ersten Platz zu erringen - oder?

Ulrich Schaarschmidt: Na klar, das passt, es ist eine prima Wahl. Lorks ist eines meiner Lieblingswörter, knackig-urig, und es hat verschiedene Bedeutungen. Es wird ja nicht nur für Ausschuss oder etwas Schlechtes verwendet. Auch ein bestimmter Charakter wird beschrieben: Er ist zu allem fähig und zu nichts zu gebrauchen. Umgangssprachlich kennen wir auch das Rumlorksen.

Gilt Rumlorksen auch für Sie?

Wenn ich so an die Arbeit denke - nein. Ich war viele Jahrzehnte für einen namhaften Autobauer tätig. Da galt es immer, gute Arbeit zu leisten. Aber es kommt schon einmal vor, dass etwas nicht so gut gelingt.

Welche Beziehung haben Sie zur erzgebirgischen Mundart?

Mundart ist ein wichtiges Element unserer Lebensart im Erzgebirge. Ich spreche immer im heimischen Zungenschlag, unsere gesamte Familie pflegt die Redeweise. Wir verstellen uns nicht. Da kommt es schon einmal vor, dass man anderenorts nicht verstanden wird. Aber auch andere Regionen stehen zu ihrem Dialekt. Und an meinem Habit erkennt man, dass ich mich als Erzgebirger verstehe. Ich bin Mitglied der Thumer Bergbrüderschaft und pflege so in besonderer Weise unser Brauchtum.


Ergebnis des Juryentscheids

Zehn Worte haben es in die Finalrunde zum Mundartwort 2019 geschafft. Die Jury vergab folgende Platzierungen:

1. Platz Lorks - schlechte Ware, Ausschuss

2. Platz Schrutsaach - Schrotsäge

3. Platz Gaunggschöpper - Jaucheschöpfer

4. Platz Rümwerkeln - handwerkliche Tätigkeit verrichten

5. Platz Zudelsachneider - Haarschneider, Frisör

6. Platz Ümstachen - umstechen, umgraben

7. Platz Astreichn - malern

8. Platz Heihäffel - kleiner Heuhaufen

9. Platz Schiebbock - einrädrige Schubkarre

10. Platz Borzeldreher - Drechsler

1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    ralf66
    11.11.2019

    Tut mir Leid, bei Schrutsaach wären wir wenigstens bei der Mundart geblieben, aber lorks ist ein sächsisches Wort, es wird auch in der Oberlausitz gesprochen im Sächsischen wie in der Oberlausitz heißt es lurks. Nun sollte immer wieder betont werden, dass sächsische Spracheinflüsse auf die erzgebirgische Mundart die erzgebirgische Mundart versächseln und das ist nicht gut, alles das müsste sich der Herr Ulrich Schaarschmidt und die Regie die solche Wörter zur Wahl stellt mal überlegen. Erzgebirgisch ist ein fränkische Mundart und keine sächsische!



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