Lorks - sagen das Erzgebirger wirklich?

Das Mundartwort des Jahres ist manchem nicht bekannt. Doch schon in einem alten speziellen Wörterbuch taucht es auf.

Annaberg-Buchholz.

Das Interesse der Erzgebirger an ihrem Zungenschlag ist geweckt: Mit Staunen und mancher Nachfrage haben Einheimische die Entscheidung im Wettbewerb um das Mundartwort des Jahres 2019 verfolgt. Der Begriff "Lorks" erhielt unter den zehn zur Auswahl gestellten Finalwörtern zum Thema Handwerk und Landwirtschaft die meisten Stimmen. Doch manchem ist er nicht bekannt.

Günter Weigel gehört zu den wissbegierigen Lesern, die aufmerksam die Abstimmung verfolgt haben. Indes: "Dieses Wort Lorks mit der Bedeutung schlechte Qualität beziehungsweise Ausschuss kennen wir so gar nicht, obwohl wir schon lange im Erzgebirge wohnen. In unserem Erzgebirgischen Wörterbuch ist es nicht zu finden, das will was heißen", sagt der Mann aus Lauter-Bernsbach. In seinem Umfeld werde für schlechte ungeeignete Ware der Begriff Murks verwendet.

"Das Wort Murks oder auch Morks ist wohl vor allem obersächsisch geprägt und auch im Erzgebirge verbreitet", bestätigt Elvira Werner, Sprachwissenschaftlerin aus Bernsbach. "Damit wird schlechte, stümperhafte Arbeit, ja Pfusch bezeichnet", so Expertin weiter. Insofern stehe murksen oder morksen für ungeschickt, langsam und erfolglos an etwas arbeiten, auch nichts Rechtes zustande bringen. "Diese Redeweise wurde und wird auch in andere Lebensbereiche übertragen. Selbst Fußballspiele oder mancher der vielfältigen Handgriffe im Alltag wird schon mal so bewertet." Ähnlich sei es mit Wortbildungen wie lorksen für ungeschicktes, unordentliches Arbeiten.

"Dabei steht das Wort Lorks ursprünglich vor allem im Zusammenhang mit dem Spinnen und nachfolgend auch im Klöppeln und anderen Handarbeiten für nicht gelungene Qualität, schlechtere Arbeit", so Elvira Werner. Die Bewertung ziele zum Beispiel auf die Qualität der Knoten und unterschiedliche Stärke in den Fäden. In diesem Zusammenhang verweist sie auf das 1859 von Carl Müller aus Fraureuth heraus gegebene Wörterbuch der obersächsischen und erzgebirgischen Mundarten. Lorksen steht da für ungeschicktes und unordentliches Spinnen. "Der Begriff wurde dann wohl auch erweitert und verallgemeinert. Wir kennen Wortbildungen wie Gelorkse für stammelndes, sinnlosen Reden, aber auch Lork/Lorke für Spaß und Witz." Mi Blick ins von Carl Müller zusammengestellte Wörterbuch wird deutlich, dass Lorke auch für jemanden foppen oder veralbern steht, im Thüringer Sprachraum findet es laut historischem Zeitdokument ebenso für derbe Posse, ja Schwindel und Lüge Verwendung.

Der Inhaber der interaktiven Sprachwebseite erzgebirgisch.de Andreas Göbel erzählt, dass Lorks aktuell nicht auf seiner Plattform diskutiert wird. "Ich kenne das Wort nur als Verb: lurxen oder lorksen oder lurksen. Dessen Bedeutung ist mir als langsam arbeiten oder auch dummes Zeug reden bekannt", sagt er. Im Zusammenhang mit dem Handwerk solle es vermutlich Pfusch bedeuten. "Ich finde es gut, wenn sich die Erzgebirger im Sinne des Wettbewerbsgedanken mit unserer Redeweise beschäftigen", so der Schlettauer.

Dem diesjährigen Vorschlag für Lorks von Mundartfreunden aus Olbernhau ging bereits 2017 der Hinweis von Gelenauer "Freie Presse"-Lesern voraus, das Wort Gelorkse für den Wettbewerb zu nominieren. Es schaffte es damals aber nicht in die Finalrunde. Robby Schubert, einer der Moderatoren der zurückliegenden Preisveranstaltung in Thum, verweist dabei auf das in dritter Auflage herausgebrachte Gälner Wörterbuch seines Heimatortes. "Sowohl Lorks, beschrieben als Fehlerhaftes, als auch lorksen, für wenig zielgerichtete bzw. effektive Arbeit, haben darin Aufnahme gefunden und werden bei uns gesprochen", so der Mundartautor.

14Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    0
    Erz65
    16.11.2019

    So habe zum "Lork" mal ein bisschen im Netz gesucht und folgendes aus dem Jahr 2014 gefunden: “Beim Hutznomd ward gesunge un gelacht un aa e Lork dorbei gemacht”. wie es in dem Hutzenabendlied heißt, also auch Witze und Anektdoten erzählt, denn das bedeutet “Lork”.

    siehe hier: http://lebensfreude-und-mehr.de/19-fenster/

  • 7
    0
    ralf66
    16.11.2019

    @mathausmike, in dem Lied Hutz'nmarsch von Stephan Dietrich stecht nicht Lorks wie Sie und Blackadder das hier schreiben sondern Lork und Lork bedeutetet Witz!
    ''Do werd gesunge und gelacht un oft derbei e Lork (Witz) gemacht.'' Ich habe davon eine alte Liedpostkarte und auch in einen Büchlein habe ich den Text, überall steht Lork also Witz nicht Lorks!

  • 3
    5
    mathausmike
    16.11.2019

    @Blackadder,danke für das Lied mit dem Lorks.
    Es ist Spitze und gibt Superstimmung. (*_*)

  • 5
    2
    ralf66
    15.11.2019

    @Distelblüte, ein wandelndes Mundartlexikon bin ich nicht, können Sie auch mal einen Kommentar beantworten ohne schiefe Bemerkungen zu machen? Ich kenne übrigens auch wie Sie das Wort lurksen oder lorksen ist mir alles bekannt gewesen, aber aus dem Sächsischen stammt dieses Wort und nicht aus dem Erzgebirgischen, es ist nicht aus der erzgebirgischen Mundart heraus entstanden, sondern aus der sächsischen, was hat das damit zu tun, dass es heutzutage auch im Erzgebirge verbreitet ist und gesprochen wird oder weil eine Kommission dieses Wort wählt, als das erzgebirgische Wort des Jahres, kann ich doch anderer Meinung sein.
    Die Frau Sprachwissenschaftlerin, kreist doch hier im Artikel zum Thema auch um den Punkt herum, will wahrscheinlich nicht anecken, nach ihrer Aussage gehört das Wort lorksen, um mal auf den Punkt gebracht so wie ich es rauslese, auch eher zur sächsische Mundart als wie zur erzgebirgischen Mundart. Gehen sie mal auf der Internetseite Heimatkreis Kaaden Duppau, dann auf ''Unsere Landsleute'' dann auf ''hier klicken'' und dann auf ''Unsere Gusch'', dort gibt es von A-Z viele schöne Wörter die ich auch noch von meinen Großeltern 1906er und 1908er Baujahr kenne aber lorks kommt dort nicht vor. Es sind dort auch viele unbekannte Ausdrücke oder Wörter dabei aber es ist erzgebirgische Mundart, die aus der fränkischen Mundart entstand und nicht aus der sächsischen. Wir suchen doch urige urerzgebirgische Wörter oder irre ich mich da?

  • 5
    7
    Distelblüte
    15.11.2019

    Ich kenne das Wort Lorks oder als Verb lorksen von meiner Schwiegermutter, die sehr ausgeprägt Mundart sprach. Es mag sein, dass nicht jedes Wort in jedem Dorf verwendet wird, ich würde allerdings nicht so weit gehen und behaupten, dass es kein erzgebirgischer Ausdruck ist. Sie sind kein wandelndes Mundartlexikon, ralf66.

  • 5
    4
    ralf66
    15.11.2019

    @Blackadder, ja jetzt wird's richtig, na klar kenne ich den Hutz'nmarsch, eine alte Liedpostkarte verrät mir, dass die von Ihnen genannte Textstelle vom Hutz'nmarsch von Stephan Dietrich falsch ist, richtig muss es heißen: ''Do werd gesunge un gelacht un oft derbei e Lork gemacht.....'', von Lorks steht da nichts.
    Es ist mir ziemlich egal was andere von meiner Ansicht halten, soviel zu den roten Daumen, Fakt ist, sächsisch ist nicht erzgebirgisch sonder wie man nachlesen kann ein fränkische Mundart, wenn die sächsische Mundart mit speziellen Wörtern immer mehr Einfluss auf die erzgebirgische Mundart hat dann ist das eine schon lange und langsame Entwicklung, die nun einmal so ist, die eigentliche Mundart aber immer mehr kaputt macht. Wenn man wieder einmal ein echt urtypisches Erzgebirgswort suchen sollte, dann kann man es in Wörtersammlungen aus dem böhmischen Erzgebirge eher finden, als in dem von Carl Müller 1859 herausgegebenen Wörterbuch der obersächsischen und erzgebirgischen Mundarten. In Grunde bleibe ich bei dem was ich hier zum Thema schon geschrieben habe.

  • 4
    2
    mathausmike
    15.11.2019

    @Ralf66:Der Lorks vom "Hutzenmarsch" ist zu sehen und hören unter:
    "Hutzenmarsch/you tube" :-)

  • 4
    6
    gelöschter Nutzer
    15.11.2019

    @ainotna: Genau richtig. Ich hatte einen Youtube Link zu dem Lied als Kommentar geschrieben, ist aber nicht durchgekommen.

  • 5
    1
    ainotna1999
    15.11.2019

    Hutzenmarsch von Stephan Dietrich meint blackadder

  • 5
    6
    gelöschter Nutzer
    15.11.2019

    Sorry, das Lied heißt Hutzenmarsch. Hören Sie hier:

    https://youtu.be/d58CV4Lh6Sw

  • 3
    5
    ralf66
    15.11.2019

    @Blackadder, das Lied ''Hutzenobnd'' kenne ich nicht, könnten Sie mir bitte den Liedermacher und das Entstehungsjahr dieses Liedes nennen.
    Ich kenne nur von Kurt Richter und Friedrich Emil Krauß das Lied ''Hutzenlied'' vor 1950 entstanden und das von Anton Günther 1902 geschriebene Lied ''Hutzenlied'' in beiden kommt Ihr Textausschnitt nicht vor. Beispiel, Schrotsäge ist ein Hochdeutsches Wort was in der erzgebirgischen Mundart Schrutsach gesprochen wird, lurksen, lorksen ist eine Wort eine Mundarterfindung für eine Tätigkeit oder für eine Sache, für eine Handlung was aus der sächsischen Mundart stammt heute wie man sieht und hört ins Erzgebirgische eingeflossen ist, trotzdem ist dieses Wort kein reine erzgebirgische Mundart weil die erzgebirgische Mundart aus den fränkischen Mundarten entstanden ist und nicht aus den sächsischen Mundarten. Im Fränkischen gibt es kein lorksen!

  • 10
    5
    gelöschter Nutzer
    15.11.2019

    @ralf66: Kennen Sie das erzgebirgische Lied "Hutzenobnd"? Da kommt die Zeile drin vor:

    "do werd gesunge und gelacht und ah a Lorks dabei gemacht..."

    Aus dem täglichen Sprachgebrauch kenne ich zwar auch eher das Wort lorksen für "trödeln", aber das ist definitiv erzgebirgisch (Region: Geyer/Annaberg/Tannenberg)

  • 5
    8
    ralf66
    15.11.2019

    Ja gut was soll das drum rum reden lorks ist kein erzgebirgisches Wort und fertig, die Aufstellung dieses Wortes als Mundartwort des Jahres ist einfach falsch gewesen. Das sich das Wort lorks egal woher oder wo es gesprochen wird, lurksen gibt's im Sächsischen auch in der Oberlausitz hier im Erzgebirge eingeschlichen hat, hat nichts damit zu tun, dass es zur erzgebirgischen Mundart gehört. Erzgebirgisch ist eine fränkische und keine sächsische Mundart, sie versächselt sich nur immer mehr und das ist nicht gut. Ich halte auch nicht so sehr viel von solchen Veranstaltungen, wo ein Wort des Jahres gekürt werden muss, ich meine und habe es schon viel erlebt, es wird in der Öffentlichkeit oft vermieden erzgebirgisch zu sprechen, auch oft wird dort wo man getrost quatschen könnte wie einem der Schnabel gewachsen ist, auch dort wird sich zu einem versächselten Hochdeutsch gezwungen, da sind meiner Meinung solche Veranstaltungen zur Findung eines Wort des Jahres nur Vorzeige.

  • 6
    3
    Manara4
    15.11.2019

    Bekannt wird im sächsischen der Begriff "Lorke" sein. Dünner oder schlecht gemachter also nicht schmeckender Kaffee bzw. schlechtes Getränk. Das es dazu bei allen Erklärungen keinen Bezug gibt wundert mich. Aber ich habe die deutsche Sprache auch nicht gemacht. Das war Herr Duden; ich nutze sie nur. ????



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...