Mitmach-Museum Phänomenia erhebt das Einfache zum System

"Bitte nicht berühren" - das ist nichts für die Macher der Wissenschaftsschau im Schloss Hoheneck. Deshalb hat sich das Team um Doris Bradler nach der gescheiterten Weltraumausstellung eine eigene kreiert. Das heißt aber nicht, dass diese altbacken daher kommt.

Stollberg.

Liam muss sich etwas strecken, um seinen Kopf durch den Aufsteller stecken zu können, der einen der amerikanischen Astronauten bei der Mondlandung zeigt. Doch es gelingt. Bücken mussten er und die gut 20 Kinder der Kita Sonnenkäfer sich dagegen, um als Testzuschauer ins neue mobile Planetarium zu gelangen - eine aufblasbare Kuppel, in der das interaktive Wissenschaftsmuseum Phänomenia auf Schloss Hoheneck in Stollberg seit neuestem Filme über Sterne, Galaxien und die Entstehung des Lebens zeigt. Das kleine Planetarium, knapp drei Meter hoch und fünf Meter breit, ist das Herzstück des neu geschaffenen, etwa 200 Quadratmeter großen Weltraumbereichs der Phänomenia.

Anfang des Jahres hatte es dagegen noch ganz nach einer Weltraum-Ausstellung mit Fokus auf das Hubble-Teleskop ausgesehen. Zusammen mit dem ehemaligen Astronomielehrer Hans-Peter Schneider aus Zeulenroda sollte eine halbe Etage der Phänomenia den Sternen und Galaxien gewidmet werden. Die Ausstellung stand bereits, inklusive ebenfalls eines Planetariums und eines Modells des Weltraumteleskops.

Doch der Deal kam am Ende nicht zustande. Wie Doris Bradler, die Leiterin der Phänomenia, auf Nachfrage sagte, habe man sich mit Hans-Peter Schneider nicht über den Preis für den Kauf der Ausstellung einigen können. "Außerdem bestand die Schau zum größten Teil nur aus Anschauungsmaterial, aus Bildern zum Angucken. Das passte nicht zu uns. Die Kinder sollen es selbst erleben dürfen. Dazu müssen sie anfassen dürfen", so Bradler.

Also hat die Ausstellungsleiterin mit ihrem Team selbst angepackt und in der Phänomenia-typischen Art eine eigene Schau kreiert. Zu dieser gehört zum Beispiel ein gepolsterter Holzkasten, in den sich die Kinder zwängen können um zu fühlen, wie eng es in so einem Raumschiff zugeht; eine Schultafel, auf der sie mit alten, mit Magneten beklebten CDs Sternbilder bauen können; ein Puzzle, das die Internationale Raumstation ISS zeigt, oder auch ein gewöhnliches Klo, das mittels Kamera veranschaulicht, wohin die Notdurft eines Astronauten eigentlich wandert. "Ganz einfache Mittel", betont Bradler, die täglich mitbekommt, wie schnell ein Exponat auch kaputt gehen kann. Simpel, aber nicht dumpf, das ist das System der Phänomenia, die sich bewusst abheben will von "höher, schneller, weiter". Trotzdem enthält auch diese Weltraumausstellung mit dem mobilen Planetarium eine Besonderheit. In die Kuppel passen etwa 25 Kinder, gezeigt werden sollen verschiedene Filme für Kinder im Vorschul-, Grundschul- und Oberschulalter. Diese starten nach Anmeldung von Gruppen oder wenn sich wenigstens sechs Interessenten finden.

Den Kindern der Kita aus Hoheneck hat die Geschichte vom Regenbogenfisch, der in der Tiefsee seine Schuppen finden muss, gefallen, berichtete anschließend Erzieherin Manuela John. Sie hatte mit ihrer Kollegin Annett Heinrich die Fünf - und Sechsjährigen begleitet. "Die Kinder haben toll mitgemacht, das spürt man, wie sie mitklatschen." Manuela John begrüßt das Konzept der Phänomenia: "Es ist gut, dass die Kinder viel selbst machen können."

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