Nach Großbrand: Familie von Zusammenhalt überwältigt

Die Nacht zum 27. Juni wird Melanie, Raphael und Ronja Jakisch aus Buchholz für immer in Erinnerung bleiben. Innerhalb von Minuten vernichtete ein Feuer ihr Haus inklusive Werkstatt. Schaden: rund 1 Million Euro. Über die Versicherung ist nur ein Bruchteil abgedeckt.

Buchholz.

Dieser typische Brandgeruch liegt auch gut drei Wochen nach der Katastrophe noch immer in der Luft, obwohl der Wind von allen Seiten durch das Gebäude Brauhausstraße 23 blasen kann. Balken, Mauern, die Haustür - viel mehr ist von dem um 1920 errichteten Haus, das sich die Familie Jakisch vor einigen Jahren in Buchholz gekauft hat, nicht mehr übrig. Ein Feuer hat in der Nacht zum 27. Juni alles zerstört.

Bei allem Unglück hatte die dreiköpfige Familie aber auch eine gehörige Portion Glück. Niemand wurde bei dem Brand ernsthaft verletzt. Melanie Jackisch flüchtete über das Dach, Raphael Jakisch mit seiner zweijährigen Tochter durch den komplett verqualmten Hausflur. "Warum ich diesen Weg gewählt habe, weiß ich heute auch nicht mehr. In solch einem Moment kann man einfach nicht mehr klar denken", sagt er. Egal, sie alle waren den Flammen entkommen, weil der 41-Jährige irgendwie gegen 1.30 Uhr aufwachte und Brandgeruch wahrnahm. "Als ich daraufhin die Wohnungstür öffnete, stand da auch schon eine Wand aus Rauch", erinnert er sich. Hätten in jener Nacht alle tief und fest geschlafen, wäre das Ganze wohl nicht so glimpflich verlaufen. Ein Rauchmelder hätte jedenfalls niemanden geweckt. Den gab es bei den Jakischs nicht.

Ausgebrochen war das Feuer in seiner Werkstatt. Auslöser war der Akku einer Stirnlampe, der zum Laden am Netz hing. Allein in dieser Werkstatt, in der sich mehrere Motorräder, Werkzeug sowie jede Menge Ersatzteile befanden, beklagt der Familienvater einen Schaden in sechsstelliger Höhe. "Das sollte eigentlich mein Start in die Selbstständigkeit werden. Ich wollte nächstes Jahr einen Laden für Motorradteile eröffnen", erzählt der 41-Jährige, der in der Spindelfabrik Neudorf arbeitet, nachdenklich.

Doch aufgeben gibt es für Raphael Jakisch nicht, auch wenn im Moment alles noch so ausweglos erscheint und er zugibt, zwischendurch auch schon einmal geheult zu haben. Vor allem der hohe Gesamtschaden, der sich fast einer Million Euro nähert, wie er sagt, macht ihm große Sorgen. Von der Versicherung werde er davon nur einen Bruchteil sehen, weil die ganzen Anbauten nicht mit versichert waren.

Doch es gibt auch etwas, das der Familie in ihrer Situation Mut macht. Das ist die überaus große Hilfe von allen Seiten. "Dieser Zusammenhalt ist einfach Wahnsinn. Das hätte ich so nie für möglich gehalten", sagt Raphael Jakisch. Da seien Nachbarn sowie weitere Anwohner der Brauhausstraße mit Kleidung und Spielzeug für die Tochter gekommen wie auch ehemalige Freunde, mit denen er sich vor zehn Jahren zerstritten habe. In seinem Betrieb wurde Geld gesammelt und Arbeitskollegen halfen beim Aufräumen. Auch die Buchholzer Pfadfinder seien da gewesen und hätten etwa beim Abreißen des Daches auf dem Anbau am Haus Unterstützung geleistet. Und dann natürlich die ganzen Freunde, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten Hilfe angeboten hätten. Der Annaberger Nicky Purrmann ist einer von ihnen. "Ich kenne Raphael schon seit der Lehre. Als ich von dem Brand gehört habe, war ich im ersten Moment sprachlos, im zweiten hatte ich aber unbedingt das Bedürfnis, helfen zu wollen. Nur wusste ich nicht sofort wie", erzählt er. Schließlich initiierte er eine Spendenaktion.

Geld, das ist es auch, was die Familie jetzt am nötigsten braucht. Das große Ziel heißt, bis Weihnachten irgendwie wieder ins Haus einzuziehen. Bis dahin werden sie wohl weiter im Dachgeschoss bei den Schwiegereltern wohnen, so Raphael Jakisch. Mehr als ein Bett zum Schlafen brauche er momentan auch nicht. "Ich bin sowieso von früh bis spät im Haus, um alles auszuräumen und neu zu beginnen", sagt er. Dabei wird ihn noch lange dieser typische Brandgeruch begleiten. Der lässt sich nicht so einfach entsorgen.

Spendenmöglichkeit: Der Verein "Leser helfen" hat zugunsten der Familie Jakisch ein Spendenkonto eingerichtet. Einzahlungen können unter dem Stichwort "Familie Jakisch" auf das Konto des Vereins "Leser helfen" vorgenommen werden. IBAN: DE 4787 0962 140 22 44 22 44 0

Gespendet werden kann auch im Internet unter www.freiepresse.de/jakisch. Beim Spendenformular bitte die Rubrik "Freie Spende" auswählen!

 

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