Naturschützer gegen Fichtelberg-Bahnen

Ein Sechser- und ein Achtersessellift sollen den Wintersport in Oberwiesenthal voranbringen. Doch nach jahrelangen Planungen droht jetzt neues Ungemach.

Chemnitz/Oberwiesenthal.

Die Pläne für neue Sesselbahnen am Fichtelberg werden womöglich erneut zurückgeworfen. Mehrere am Verfahren beteiligte Naturschutzverbände lehnen die Projekte auch in der überarbeiteten Form grundsätzlich ab. Das geht aus offiziellen Stellungnahmen hervor, die der "Freien Presse" vorliegen.

Die Fichtelberg Schwebebahn (FSB) GmbH, die Betreibergesellschaft der Stadt Oberwiesenthal für das gesamte Skigebiet, will die veralteten Schlepplifte an der Himmelsleiter sowie am Haupthang durch eine Sechser- und eine Achter-Sesselbahn ersetzen. Die Planungen laufen bereits seit fünfeinhalb bzw. drei Jahren und mussten seither mehrfach überarbeitet werden. Nach einer Auslegung der neuesten Entwürfe bei der Landesdirektion Sachsen im März und April gingen bis jetzt 45 Einwendungen und Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange ein, wie die Behörde in Chemnitz auf Anfrage mitteilte.


So erklärt der BUND-Landesverband Sachsen zur Achtersesselbahn: "Das Vorhaben wird abgelehnt." Der Bund für Umwelt und Naturschutz begründet dies etwa mit dem Klimawandel, aber auch mit dem hohen Energie- und Wasserverbrauch der Beschneiungsanlagen. Klimadaten für den Fichtelberg prognostizierten eine Fehlinvestition, wenn nur auf Wintersport abgestellt werde, schrieb BUND-Landesgeschäftsführer David Greve. "Das Risiko von Starkregen steigt und damit verbunden auch die Gefahren von Bodenerosion und Hochwasser." Es könne nicht das Ziel sein, bei einer Erwärmung um 1,8 Grad Celsius bis 2050 mehrere Monate im Jahr "gesichert" Ski zu fahren. Zugleich kritisiert Greve, Alternativen für den Sommertourismus seien nicht geprüft worden. "Es ist (...) das absolut falsche Signal an Anwohner, Gewerbetreibende und Gäste, eine Wintersportnutzung für die kommenden 25 Jahre als gesichert darzustellen."

Auch der Nabu Sachsen erklärte offiziell, er lehne das Vorhaben weiterhin ab. Neben dem Klimawandel führt der Naturschutzbund den Artenschutz an und rügt hier eine angeblich fehlende Beteiligung der Naturschützer bei einer Ausnahmeprüfung für geplante Eingriffe in Nist- und Zufluchtsstätten der besonders geschützten Ringdrossel am Kleinen Fichtelberg.

Am schwerwiegendsten dürften indes die Stellungnahmen des Naturschutzverbands Sachsen (Nasa) sein. Der kleine, in Oederan ansässige Verein, dessen Vorsitzender auch die Grüne Liga Sachsen vertritt, gilt als besonders klagefreudig. So verhindert er bereits seit Jahren den Bau von Umgehungsstraßen in Freiberg und Flöha und geht juristisch gegen ein geplantes Hochwasserrückhaltebecken in Oberbobritzsch im Osterzgebirge vor. Zudem stoppte er Radwege durch geschützte Biotope.

Zur Sechsersesselbahn an der Himmelsleiter verweist der Nasa auf eine angeblich fehlende fachgerechte Erfassung von Moosarten und Fehler bei der Bestimmung von Gefäßpflanzenarten im Biotop. Zudem moniert er eine zu geringe Anzahl von Begehungen bei der Brutvogelkartierung. Beim Achtersessellift am Haupthang sei überdies unklar, ob Erstaufforstungsmaßnahmen ordnungsgemäß geplant seien. "Auf eine tiefer gehende Prüfung der vorgelegten Unterlagen wurde verzichtet", schreibt der Naturschutzverband, "da die oben genannten Beispiele bereits deutlich machen, dass die vorgelegten Unterlagen nach wie vor mangelhaft und damit nicht genehmigungsfähig sind."

Der Staatsbetrieb Sachsenforst, in dessen Zuständigkeitsbereich am Fichtelberg in Waldflächen eingegriffen werden soll, erklärte indes auf Anfrage der "Freien Presse": "Grundsätzlich wird dem Ziel der Planung zugestimmt, das Skigebiet am Großen und Kleinen Fichtelberg so zu gestalten, dass Lifte und Strecken sicher genutzt werden können." Man beteilige sich lösungsorientiert an dem Prozess.

Die Fichtelberg Schwebebahn GmbH muss nun ihrerseits zu den Stellungnahmen und Einwendungen Stellung nehmen. Man sei noch dabei, sich ein Bild zu machen, sagte Geschäftsführer René Lötzsch. Danach wird es mit allen Betroffenen Erörterungstermine mit der Landesdirektion geben. Einen Termin dafür könne man noch nicht nennen, hieß es aus Chemnitz.

Bericht zu Visionen für den Tourismus in Oberwiesenthal

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3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 6
    9
    Tauchsieder
    20.05.2019

    Viel zu kompliziert "Bader", es geht viel kürzer.
    Das Wichtigste ist erst einmal die beiden Sachen Klimaschutz und Naturschutz nicht miteinander zu vermischen, dass sind zwei Paar verschiedene Schuhe. Wenn sie dies begreifen sind schon einige aufgeworfene Fragen beantwortet.

  • 23
    8
    Bader
    20.05.2019

    Warum kann es kein Ziel sein, dass der Wintersport für 25 Jahre gesichert wird? Das kann doch mit Augenmaß im Hinblick auf den Umweltschutz erfolgen. Haben die Naturschützer jetzt (wie zu Ostzeiten) die Moral gepachtet und sagen der ganzen Bevölkerung, was für sie wichtig ist oder nicht? Woher nehmen sie das Recht? Wir alle leiden unter der Erderwärmung und sind für Klimaschutz, aber nicht in der intoleranten Guerillaform wie BUND und Co. Wird es den Normalbürgern und anderen Beteiligten abgesprochen, das sinnvoll und differenziert zu beurteilen? Diese Besserwisserei ist so lästig. Bund und Co. nehmen sich doch immer das Recht heraus, dass Umweltschutz "gleicher" als normale wirtschaftliche Interessen sind (also als wichtiger beurteilt werden). Also sind auch die intoleranten Umweltschützer diejenigen, die vor dem Gesetz mit Ihren Wünschen gern "bevorteilt" sein wollen. Jetzt den anderen diesen Sachverhalt vorzuwerfen ist scheinheilig. Es muss beides berücksichtigt werden. Trotz Klimawandel kann man sich hier sicher einigen. Ich finde das Vorgehen des Forstes massvoll.

  • 10
    20
    Tauchsieder
    20.05.2019

    Ein weiteres Beispiel dafür, dass der Sachsenforst für den Naturschutz nichts übrig hat. Erst vor kurzem gab es Streit um das Projekt Birkhuhnschutz am Erzgebirgskamm. Dort scheint es nicht möglich zu sein Flächen für diese gefährdete Vogelart bereit zu stellen, "FP" berichtete. Hier hingegen werden für dieses fragwürdige Vorhaben gönnerhafterweise Flächen bereit gestellt. Alle sind vor dem Gesetz gleich, manche jedoch gleicher.
    Da gibt es doch ein Sprichwort, dass wie die Faust aufs Auge des Sachsenforst passt - So wie es in den Wald hineinruft, so schallt es heraus -.
    Äußerst Blamabel.



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