Naturschützer suchen Quartierpaten für Fledermäuse

Im Erzgebirgskreis fühlen sich etwa 15 Fledermausarten heimisch. Doch die Tiere gelten als gefährdet, brauchen besonderen Schutz. Dazu gehört auch, entsprechende Lebensräume zu erhalten. Bei der Umsetzung sind die Experten auf die Hilfe Vieler angewiesen.

Dörfel.

Nachtaktiv, kopfüber schlafend, verwandt mit Dracula: Über Fledermäuse wissen die meisten nur wenig. Dabei leben sie mitten unter uns, auch wenn man sie nur selten zu sehen bekommt. Und genau da liegt auch ein Problem: Denn wie viele Tiere in den einzelnen Regionen vorkommen und wo sie leben, ist nicht immer genau bekannt. Dabei sind Fledermäuse bedroht, stehen unter besonderem Schutz. Im Naturschutzzentrum Erzgebirge war kürzlich die Fledermaus-Expertin des Naturschutzbundes (Nabu) Sachsen zu Gast. Bianka Schubert beschäftigt sich seit 15 Jahren mit den Tieren und deren Schutz - und sie sucht Mitstreiter.

Doch wie leben Fledermäuse eigentlich? Saugen sie wirklich Blut? Tatsächlich gebe es Arten, die das tun. Die Vampir-Fledermäuse leben allerdings nicht in unseren Breiten. Außerdem saugen sie weniger als dass sie Blut lecken. Die meisten Arten und vor allem jene, die in Sachsen und dem Erzgebirge leben, ernähren sich hauptsächlich von Insekten. Es gebe aber auch einige Arten, wie zum Beispiel Flughunde, die sich von Obst und Nektar ernähren.

Im Erzgebirge sind 15 Fledermaus-Arten bekannt. Eine davon ist die Kleine Bartfledermaus. Auch das Braune Langohr und die Nordfledermaus seien in der Region zu finden. Um die Tiere zu schützen und ihre Verbreitung besser dokumentieren zu können, sucht der Nabu aktuell sogenannte Quartierspaten, von denen es im Erzgebirge aktuell nur wenige gebe. Die ehrenamtlichen Naturschützer behalten dabei die Fledermäuse in ihrer Nähe im Auge, zählen sie und stellen sicher, dass ihre Quartiere, also Unterschlupfe, bestehen bleiben oder zumindest für Ersatz gesorgt wird. Denn Quartiersverlust stellt eine der großen Bedrohungen für Fledermäuse dar. Gründe gibt es dafür viele. Werden zum Beispiel alte Gebäude saniert, fallen für die Tiere nützliche Spalten und Schlupfwinkel weg. Aber auch Baumfällungen und andere Veränderungen in der Natur können bevorzugte Behausungen zerstören. Die Quartiere spielen eine zentrale Rolle im Leben der Fledermäuse. Mehr als die Hälfte ihres Lebens halten sie sich in ihnen auf. Von November bis März halten sie beispielsweise Winterschlaf. Danach geht es an die Reproduktion. Das heißt, die Eizelle wird im Körper der Weibchen befruchtet. Die eigentliche Paarung hat bereits im Herbst des Vorjahres stattgefunden. Im Juni und Juli kommt der Nachwuchs zur Welt, meist nur eine kleine Fledermaus pro Paar. Bis zum Spätsommer werden die Fledermauskinder von den Weibchen aufgezogen, bevor der Zyklus mit Paarung, Winterspeck anfressen, Winterquartier suchen und Winterschlaf erneut beginnt.

Gefahren für die Tiere lauern an vielen Stellen. Windräder seien eine. Aufgrund der Druckluftunterschiede werden die zum Teil nur wenige Gramm schweren Tiere verletzt und sterben. Laut Bianka Schubert geht man davon aus, dass eine Anlage pro Jahr zehn Fledermäusen das Leben kostet. Auch Umweltgifte und Nahrungsmangel sind für die Tiere gefährlich. Wer sich aktiv in den Fledermausschutz einbringen möchte, kann unter anderem einen feldermausfreundlichen Garten anlegen. Nachtblühende, nektarreiche Blütenpflanzen (Leimkraut, Seifenkraut und Wegwarte) seien perfekt für sie, da ihr intensiver Duft Nachtfalter anlockt. Auch das Anbringen von Fledermauskästen könne helfen.

Mehr Informationen zum Thema Quartierspaten und weitere Tipps zum Fledermausschutz gibt es im Internet. Wer ein Fledermausquartier in seiner Nähe kennt, sollte sich melden. Die Tiere sind vielerorts zu finden - vom Dachboden bis zum alten Bergwerksstollen. Alles, was die ehrenamtlichen Helfer für ihre Arbeit als Quartierspate wissen müssen, zum Beispiel wie man die Tiere zählt, werde beigebracht.

fledermausschutz-sachsen.de

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