Personallücke in der Kämmerei mit Doppel-Besetzung ausgefüllt

Den Fachkräftemangel haben inzwischen auch die kommunalen Verwaltungen zu spüren bekommen. Die Gemeinde Gelenau wird deshalb zur Organisation ihrer Finanzen einen neuen Weg gehen.

Gelenau.

Zweimal hat die Gemeinde Gelenau nach dem plötzlichen Tod von Kämmerin Hannah Arnold im August vergangenen Jahres die Stelle des Kämmerers ausgeschrieben - vergebens. "Bewerbungen gab es viele, jeweils rund ein Dutzend. Der Großteil der Interessenten verfügte jedoch nicht über den geforderten Abschluss als Diplom-Verwaltungswirt beziehungsweise ein finanzwissenschaftliches Hochschulstudium inklusive der ebenfalls erforderlichen, dreijährigen Berufserfahrung. Die wenigen Bewerber mit entsprechender Qualifikation hatten Gehaltsvorstellungen, die über den finanziellen Möglichkeiten einer so kleinen Gemeinde wie der unseren lagen", legte Bürgermeister Knut Schreiter (parteilos) dar.

Gelenau setzt deshalb zur Organisation seiner Finanzen in der mit vier Mitarbeitern auf zweieinhalb Stellen besetzten Kämmerei ab kommendem Monat auf einen personellen Doppelpack: einen Diplom-Kaufmann und eine Finanzbuchhalterin. Beide werden jeweils 20 Stunden pro Woche arbeiten, dabei einen Tag in der Woche gemeinsam tätig sein.

Bereits seit Mitte September arbeitet Viktoriya Blyugerman, eine geprüfte Bilanzbuchhalterin, in der Gelenauer Verwaltung, erledigt dort die Buchführung. "Sie hat uns bereits bei laufenden Geschäftsvorgängen sehr geholfen, den Jahresabschluss 2014 fertiggestellt und den Abschluss 2015 in Arbeit", zollt der Bürgermeister Lob. War die 43-Jährige zunächst von einer Zeitarbeitsfirma ausgeliehen, so ist sie seit Februar als Sachbearbeiterin für die Buchführung bei der Gemeinde angestellt.

Anfang kommenden Monats wird Dr. Steve Rother als Leiter der Kämmerei seine Tätigkeit aufnehmen. Er unterrichtet derzeit und auch künftig als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Wirtschaftswissenschaften der Technischen Universität Chemnitz am Lehrstuhl für Unternehmensrechnung und Controlling. Die Erfahrungen, die er dabei auch aus der Zusammenarbeit mit Firmen gewonnen hat, möchte er in die Gelenauer Verwaltung einbringen. "Ich finde die Möglichkeit reizvoll, das Umfeld, in dem ich lebe, ein Stück weit mit zu gestalten, die Eigenständigkeit der Gemeinde zu erhalten und ihre finanzielle Basis zu verbessern", sagt der 35-jährige Gelenauer. "Ich sehe mich dabei nicht als Erbsenzähler oder Zahlennerd, sondern als Gestalter."

Knut Schreiter erhofft sich von seinem neuen Kämmerei-Leiter vor allem "neue strategische Ansätze bei der Haushaltserstellung und damit Impulse zur Verbesserung der Finanzkraft der Kommune. Er soll zudem mit dem Blick von außen Zahlen und Handlungsabläufe hinterfragen, damit wir noch effizienter arbeiten." Daran, dass der Haushalt für das Folgejahr im Dezember vom Gemeinderat beschlossen wird, will der Bürgermeister festhalten: "Das ist wichtig für die Handlungsfreiheit von Jahresbeginn an."

Schreiter hat hohe Erwartungen an seine beiden neuen Mitarbeiter: "Einerseits solides Wissen zu Buchführung und Abrechnung, andererseits haushaltsrechtliche Kenntnisse sowie Erfahrungen in der Kosten-Leistungsrechnung - ich halte das für eine hervorragende, ergänzende Kombination. Wir sind damit womöglich die erste Kommune in Sachsen, die einen derartigen Weg geht." Und er betont einen weiteren, ihm wichtigen Aspekt: "Unser unkonventioneller Ansatz soll jungen Menschen in der Region eine Perspektive ermöglichen."

Die Arbeitsverhältnisse beider Finanzexperten ist bis Jahresende befristet - vorerst. "Keine Frage, die Doppellösung ist ein Experiment", sagt Knut Schreiter. "Wir werden sehen, welche Erfahrungen nach dem Jahr zu Buche stehen."

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