Privatwaldbesitzer unter Druck

Der Borkenkäfer bringt die Eigentümer in die Bredouille. Der Landkreis droht mit Ordnungsmaßnahmen.

Annaberg-Buchholz/Marienberg.

Im Erzgebirgswald tickt eine Zeitbombe. Extreme Trockenheit hat im vergangenen Jahr die Fichtenbestände geschwächt und für den Befall von Holzschädlingen anfällig gemacht. Hinzu kommen noch nicht aufbereitete Sturm- und Schneebruchschäden. Die Borkenkäferpopulation hat sich im vergangenen Jahr gut entwickelt. Fachleute befürchten deshalb nach der Winterruhe eine erneute Massenvermehrung.

Angesichts der Bedrohung hat der Erzgebirgskreis mit einer Allgemeinverfügung reagiert, die die Erfassung und Bekämpfung von Nadelholzborkenkäfern im Privat- und Körperschaftswald regelt. Waldbesitzer sind demnach verpflichtet, Käferbefall bei der unteren Forstbehörde zu melden. Noch vor dem Ausflug der Käfer sollen befallene Bäume aufgearbeitet und aus dem Wald gebracht oder alternativ entrindet und die Rinde mit geeigneten Mitteln entsorgt werden.

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Doch das scheint nicht einmal den Profis im Landeswald zu gelingen. "Es wird nicht möglich sein, alles zu beräumen, bis der Käfer zu fliegen beginnt", sagt Ingo Reinhold, Leiter des Forstbezirkes Marienberg. Ein Problem: Die dafür benötigten Kapazitäten an Fremdfirmen sind begrenzt. Hinzu kommt die prekäre wirtschaftliche Situation. Die Preise für Nadelrundholz sind laut Landratsamt wegen der großen Schadholzmengen um bis zu 50 Prozent eingebrochen. Besonders betroffen sind private Besitzer. Denn die können kaum noch mit kostendeckenden Holzerlösen rechnen.

Reichlich ein Fünftel der Erzgebirgswälder befindet sich in privater Hand. Hauptsächlich sind das Klein- und Kleinstwaldbesitzer, die nur hin und wieder mit dieser Problematik konfrontiert werden, sagt Ingo Reinhold. Ein weiteres Problem sieht er darin, dass frisch befallene Bäume mitunter schwer erkennbar sind. "Viele Waldbesitzer geben sich alle Mühe. Es gibt aber auch Einzelne, die weiter weg wohnen und die Gefahr noch nicht erkannt haben." Erschwerend komme hinzu, dass viele Waldbesitzer im Rentenalter nicht mehr gut zu Fuß sind und jemanden finden müssen, der die Bestände unter die Lupe nimmt. Reinhold: "Wir versuchen, die Leute auf allen uns zur Verfügung stehenden Kanälen zu erreichen und zu aktivieren." Anfang des Jahres erhielten private Waldbesitzer vom Sachsenforst ein Schreiben, in dem über Bekämpfungsmaßnahmen und Fördermöglichkeiten informiert wurde.

Mit der vom Landratsamt erlassenen Verfügung dürfte der Druck auf die Eigentümer von Privat- und Körperschaftswald weiter wachsen. Darin droht der Landkreis mit Ersatzvornahmen oder einer Geldbuße von bis zu 50.000 Euro, falls die Holzschädlinge nicht oder nicht ausreichend bekämpft werden.

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