Psst, reden verboten!

Nicht sprechen, nicht zurückschauen: Beim Osterwasserholen gilt es, einige Regeln zu beachten. In Geyer wagen sich dennoch Jahr für Jahr Frühaufsteher ans Werk - und das nun schon zum zehnten Mal.

GEYER.

Brauch bleibt Brauch und beim Osterwasserholen heißt das vor allem, schön den Mund halten. Beim Treff kurz vor sechs Uhr am Huthaus an der Binge hat doch tatsächlich keiner der knapp 20 Teilnehmer auch nur ein Wörtchen gesprochen. Ein kurzer Handschlag, ein freundliches Nicken, kein "Guten Morgen", kein "Glück Auf" zur Begrüßung. Freilich war der frühe Gang in Mutter Natur trotz aller Brauchtumspflege ein Spaß und eine wunderschöne Morgentour. Und ob die Wunderwirkung des Wässerchens wohl eintritt?

Das Nass gilt als Symbol des Lebens und der Fruchtbarkeit. Zu den vielen "Gesetzlichkeiten" des traditionellen Osterwasserholens gehört unter anderem, dass keinesfalls zurückgeschaut werden darf. Das ging aber ob des wunderbar anzuschauenden Sonnenaufgangs schon mal gründlich schief. Außerdem konnte partout keine Brücke gefunden werden, über die sonst Leichen getragen werden ... Egal - die Osterwassertour des Erzgebirgszweigvereins Geyer feierte am Sonnabend Jubiläum.

Christoph Ulrich

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Der Vorsitzende des Vereins Hartmut Kreft verwies darauf, dass dieses Ereignis nun zum zehnten Mal stattfindet. Nicht immer war dabei das Wetter den Osterwasserfreunden so gut gesonnen wie am vergangenen Wochenende. "Wir waren schon bei Graupel, Schnee, Regen und Sturm unterwegs", erinnerte sich Hartmut Kreft.

Wolfgang Mechsner war zum neunten Mal mit von der Partie. "Einmal hab ich's verpasst und beim ersten Mal hab ich es als regelrechte Strafe empfunden, nicht sprechen zu dürfen", so der Bingestädter. Der morgendliche, halbstündige Aufstieg zum "Jungbrunnen" an der Gabelsberger Höhe gehört mittlerweile für viele an Ostern einfach dazu. "Dass der eine oder andere Stammgast leider nicht mehr dabei ist, bringt die Zeit mit sich, wir kommen ins Alter", sagte der EZV-Chef. Nun ja - vielleicht bremst das besondere Nass ja auch das Älterwerden. Außerdem ist eine doppelte Wirkung beim Wasser an der Gabelsberger Höhe zumindest nicht ganz ausgeschlossen. Es ist nämlich nicht nur Oster-, sondern auch Bergwasser, das aus einer Silbergrube fließt. Übrigens der Sonnabend wurde für die Veranstaltung nicht zufällig ausgewählt. "Denn die Osterfeiertage gehören schließlich der Familie", machte Hartmut Kreft deutlich.

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