Retter befreien Urlauber aus dem Wald

Das Wochenende hatte es für Einsatzkräfte vom Sachsenforst und der Bergwacht in sich. In zwei außergewöhnlichen Fällen war ihre Hilfe gefragt. Und sie richten einen eindringlichen Appell an Besucher.

Annaberg-Buchholz/Bärenstein/Oberwiesenthal.

Das Winterwetter und insbesondere Schneebruch haben am Wochenende im Raum Annaberg Rettungskräfte in Atem gehalten. Sowohl in Bärenstein als auch in Oberwiesenthal mussten Menschen aus Notlagen befreit werden. Zahlreiche Straßen wurden gesperrt.

Am Samstagabend erreichte die Bergwacht Oberwiesenthal kurz nach 20 Uhr der Notruf einer Gruppe von Wanderern, die sich im Wald in Richtung Tellerhäuser befand, obwohl dieser wegen der Schneebruchgefahr gesperrt ist. "Der Vorteil war, dass die Sechs genau wussten, wo sie waren", sagte gestern Einsatzleiter Andreas Schramm. Die Urlauber, die an der Altpöhlaer Straße mehr als zwei Kilometer tief im Wald steckten, waren erschöpft und unterkühlt. Weil wegen der Waldsperrung auch keine Loipen gespurt waren, arbeiteten sich Einsatzkräfte mit zwei Quads mit Raupenantrieb durch den 60 Zentimeter hohen Schnee. Dabei mussten die Fahrzeuge, die über Seilwinden verfügen, sich mehrmals selbst befreien. Mithilfe der Quads sollte jeweils ein Wanderer zur befestigten Straße gebracht werden, wo zwei weitere Einsatzfahrzeuge der Bergwacht warteten. Doch auf dem Weg zurück lag plötzlich ein Baum. "Fünf Minuten eher, und der Baum hätte unsere Leute erwischen können", sagt Andreas Schramm. Ein weiteres Team der Bergwacht wurde alarmiert, das mit Hilfe einer Kettensäge den Weg freiräumte, sodass die Wanderer unverletzt weggeschafft werden konnten. "Es war für alle Beteiligten lebensgefährlich", so Schramm, der an die Vernunft der Menschen appelliert: "Die Wälder sind nicht ohne Grund gesperrt." Insgesamt hatte die Bergwacht Oberwiesenthal seit 1. Januar 37 Einsätze, meist ging es dabei um verletzte oder zu bergende Skifahrer.

Schon seit 5. Januar, also lange vor der Sperrung der Wälder am vergangenen Freitag, befanden sich vier Touristen aus Leipzig im Wald bei Niederschlag im als Unterkunft genutzten Bahnhof. Seit Donnerstag war die einzige Zufahrtsstraße dorthin gesperrt. Durch den vielen nassen und angefrorenen Schnee waren Bäume entlang der etwa zwei Kilometer langen Strecke umgeknickt. Steffi Rhein, ihr Partner Maik Autrum, ihre Tochter Vicky Rhein und deren Lebensgefährte Alexander Girke, allesamt aus Leipzig, saßen seitdem dort fest. Die Vier verbrachten bereits zum 30. Mal ihren Urlaub in dem historischen Haus, welches 1969 von zehn Mitgliedern des Allgemeinen Turnvereins Leipzig gepachtet wurde.

"Wir kommen etwa drei Mal pro Jahr hierher, darunter auch immer im Winter zum Skifahren", erzählt Steffi Rhein. Vergangenen Mittwoch wollten die Leipziger am Abend einkaufen gehen. Als sie die Autos abkehrten und vom Schnee befreiten, fiel direkt neben ihnen der erste Baum auf die Zufahrtsstraße. "Die Geräusche von den knackenden Bäumen waren schon ein wenig beängstigend", sagt Steffi Rhein. Um ihre Vorräte wieder aufzufüllen, mussten sie einen Tag später nach Niederschlag laufen, wo sie von einem Anwohner mitgenommen wurden. Strom stand ihnen während der gesamten Zeit zur Verfügung, geheizt wurde mit einem Ofen. Donnerstagabend rief Carsten Lohr, Revierleiter des Forstreviers Cranzahl, bei der Familie an und teilte mit, dass sie voraussichtlich am Samstag evakuiert würden. "Die Feuerwehr hatte schon im Vorfeld angeboten, uns zu befreien, allerdings hätten wir dann das Haus sofort verlassen müssen, wodurch bei der Kälte die Leitungen zugefroren wären", berichtet Steffi Rhein.

Am Samstag war es soweit: Der Sachsenforst beräumte mit einem Harvester die Straße von den umgefallenen Bäumen. Die Befreiung der Touristen konnte erst nach drei Tagen erfolgen, da vorher kein geeignetes Gerät zur Verfügung stand. "Die Arbeiten dauerten rund vier Stunden, auf der Straße lagen etwa 20 Bäume quer", erzählt Carsten Lohr. Bei gleichbleibender Wetterlage rechnet er damit, dass in seinem 1600 Hektar großen Revier mehrere Tausend Kubikmeter Holz umstürzen werden. Nachdem die Straße beräumt war, musste die Familie sofort abreisen. Der Grund: Wegen extrem hoher Baumeinsturzgefahr musste die Zufahrt direkt wieder gesperrt werden. Eigentlich hatten die Vier vor, noch bis 20. Januar ihren Urlaub in Niederschlag zu verbringen und Ski zu fahren.

Doch das ist derzeit sowieso nur sehr eingeschränkt möglich. So wies die Fichtelbergschwebebahn gestern im Internet darauf hin, dass Höhenlift, Vierersesselbahn und Schwebebahn wegen starkem Wind und Schneebruchgefahr auf den Pisten bis auf Weiteres außer Betrieb seien. Der Lift am Haupthang war geöffnet. Wegen der Waldsperrung wurden Loipen und die Winterwanderwege nicht präpariert.

Die Polizei warnte indes vor Schneeverwehungen, Schnee- und Eisbruch. Zahlreiche Straßen mussten gesperrt werden, darunter die zwischen Oberwiesenthal und Tellerhäuser, Oberwiesenthal und Kretscham-Rothensehma sowie zwischen Zwönitz und Geyer. Weitere Sperrungen gab es etwa zwischen Thermalbad Wiesenbad und Neundorf, Großrückerswalde und der B 174, Jöhstadt und Grumbach, Kühberg und Jöhstadt sowie zwischen Mildenau und Streckewalde. An manchen Strecken können die Aufräumarbeiten laut Polizei bis morgen andauern, andere bleiben bis auf Weiteres unpassierbar. An der Auffahrt zum Scheibenberg musste die Feuerwehr wegen umgestürzter Bäume anrücken. (mit bemä)

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