Ruine verschwindet - aber nicht durch die Abrissbirne

Auf nicht alltägliche Weise beseitigt die Chemnitzer Fasa AG einen Schandfleck unmittelbar an der B 95 in Oberwiesenthal. Dabei spielt die Sonne eine gewichtige Rolle.

Oberwiesenthal.

Nahezu jeder hat einen Warmwasserspeicher in seinem Haus. In einem Einfamilienhaus beläuft sich sein Volumen in der Regel auf um die 200 Liter, in einem Zweifamilienhaus finden sich auch 500 oder gar 700 Liter Speicher. Das hört sich im ersten Moment groß an, wirkt allerdings wie Spielzeug gegen den Warmwasserspeicher, der im Haus Annaberger Straße 77 in Oberwiesenthal installiert wurde. Seine Gardemaße: 5,3 Tonnen schwer, 36.500 Liter Fassungsvermögen, 8,5 Meter hoch. Damit reicht er durch alle Geschosse bis hoch unters Dach. Doch warum dieses Monstrum?

Die Antwort liegt bei der Fasa AG. Die Chemnitzer Firma hat besagtes Haus unmittelbar an der B 95 trotz seines ruinösen Zustandes gekauft, um daraus etwas Besonderes zu machen - ein sogenanntes Aktivsonnenhaus. "Wir wollen zeigen, dass sich solares Bauen nicht nur im sonnigen Süden, sondern auch in einer Höhe von 914 Meter über dem Meeresspiegel in der höchstgelegenen Stadt Deutschlands lohnt", sagt Jörg Hohlfeld, Planungsingenieur. Realität werden soll das in dem mehr als 150 Jahre alten Gebäude. In dessen Haupthaus will die Fasa AG vier Ferienzimmer jeweils mit eigener Dusche/WC schaffen. Im Anbau ist zudem eine Ferienwohnung geplant. Sämtliche Unterkünfte sollen dabei ganzjährig solar beheizt werden. Dazu wird der nicht mehr sanierungsfähige Dachstuhl durch ein neues, im optimalen Winkel für einen maximalen Sonnenertrag im Winter ausgerichtetes Dach ersetzt. Die darauf installierte rund 100 Quadratmeter große Solarthermieanlage speist den 36,5 Kubikmeter fassenden Solarspeicher. Mit ihm werde ein Deckungsgrad des Jahresenergiebedarfs für Heizwärme und Warmwasser von 70 bis 80 Prozent erreicht. Der Restwärmebedarf soll durch zwei wasserführende Kaminöfen individuell abgedeckt werden, erklärt Hohlfeld. Eine zusätzliche, kostenintensive Energieversorgung aus fossilen Energieträgern wie Gas oder Öl entfalle damit.

Die Fertigstellung des Objektes ist für Mitte kommenden Jahres vorgesehen. Die Kosten für den Umbau belaufen sich inklusive der solaren Spezialausrüstung auf circa 300.000 Euro. Die Unterkünfte werden künftig Mitarbeitern des Chemnitzer Unternehmens sowie Partnern zur Verfügung stehen, die zum Beispiel ein langes Wochenende mit Skifahren auf dem Fichtelberg verbringen wollen, sagt Hohlfeld, der selbst die Anlieferung des Riesenspeichers überwachte. Dabei ging es ziemlich knapp zu, war von Ingolf Gerlach, der den 48 Tonnen schweren Kran steuerte, Fingerspitzengefühl gefragt. Er musste das Monstrum zunächst von einem Lkw-Sattelauflieger hieven, um es dann zentimetergenau durch das geöffnete Dach in das Haus zu stellen.

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