Sankt Salvator erhält neues Schieferdach

Eine Baustelle ist sie schon seit vielen Jahren: die Kirche in Jöhstadt. Ganz unverkennbar ist das in diesem Jahr. Denn das Gotteshauses ist eingerüstet. Dabei beobachtet einer das Baugeschehen besonders aufmerksam.

Jöhstadt.

Jürgen Wolf wohnt gleich gegenüber der Sankt Salvatorkirche in Jöhstadt. Doch nicht nur deshalb hat der 72-Jährige eine ganz besondere Bindung zu dem Gotteshaus: Als Anfang der 1970er-Jahre die Fassade der Kirche zum bisher letzten Mal erneuert worden war, gehörte er zur kirchlichen Baubrigade, die es zu dieser Zeit im damaligen Altkreis Annaberg gab. Und er erinnert sich noch sehr genau an die körperlich schwere Arbeit, die dort täglich geleistet wurde. Ohne die es allerdings auch heute nicht geht auf dieser Baustelle.

"Wir haben damals noch mit Mischmaschine und Laufkarren gearbeitet", erinnert sich der gelernte Ofenbauer, der in diesem Fach sogar seine Meisterprüfung abgelegt hat. Aber aus dem Traum von der Selbstständigkeit ist nichts geworden - die Genehmigung dazu hat er nie erhalten. Also verdingte er sich in der kirchlichen Baubrigade. Oft habe damals der angelieferte Sand erst gesiebt werden müssen. Anfangs sei auch der Kalk noch vor Ort auf der Baustelle gelöscht worden. Zunächst hieß es allerdings für die drei Jöhstädter in der Baubrigade erst einmal: Putz ab von den riesigen Kirchenmauern. Lange konnte Jürgen Wolf seine beiden Mitstreiter dabei allerdings nicht unterstützen. Anfang Mai wurde er zum Armeedienst einberufen.

Viel Handarbeit und reichlich Muskelkraft verlangt die Baustelle auch heute noch. Das bestätigt unter anderem Maurer Thomas Brückner aus Geyersdorf, der auf der einen Seite des Gotteshauses schon den neuen Putz auf das Mauerwerk aufbringt. Vielfach wird dabei nach historischem Vorbild gearbeitet. Denn Putzkanten beziehungsweise -ecken beispielsweise, wie sie heute üblicherweise verwendet werden, hat zur Bauzeit der Kirche noch keiner gekannt. Also ist die Wasserwaage ein unerlässliches Arbeitsmaterial. Und um den Spritzputz auf das Natursteinmauerwerk aufbringen zu können, müssen auch erst einmal die Putzschläuche auf die jeweiligen Etagen des Gerüstes gehievt werden.

Die nächste Herausforderung, erklärt Thomas Brückner: Eine Fläche muss ohne Unterbrechung verputzt werden - jeder Absatz würde später sichtbar bleiben. Eine Technik, für die es viel Erfahrung braucht. Und: "Da weiß man abends, was man gemacht hat", erzählt der erfahrene Baufacharbeiter, der seit mittlerweile rund 40 Jahren in diesem Beruf arbeitet.

Handwerk, dem auch Jöhstadts Pfarrerin Arne Mehnert Respekt zollt. So, wie sie auch "Respekt vor dem zeigt, was die vorangegangenen Generationen geleistet haben". Und davon ist während der bisherigen Bauarbeiten schon einiges entdeckt worden - unter anderem eine alte Tür und historische Durchbrüche. Einiges davon soll im Inneren der Kirche künftig auch sichtbar gemacht werden, kündigt die Pfarrerin an. Sie weiß auch aus den alten Aufzeichnungen: Die Kirche hat einst anders ausgesehen, hatte beispielsweise andere Eingänge.

Bis zum Herbst - spätestens bis zum Einbruch des nächsten Winters - sollen die Arbeiten an der Fassade und am Dach abgeschlossen sein, sagt Arne Mehnert. Die Kosten dafür belaufen sich laut Kalkulation auf 424.000 Euro. Finanzielle Unterstützung erhält die Kirchgemeinde dabei in Form von Fördermitteln. Aber auch in Form von Spenden: "Die Leute nehmen Anteil an dem, was in und an der Kirche geschieht", freut sich die Pfarrerin über die Spendenbereitschaft der Jöhstädter. Aber auch über jedwede andere Form der Anteilnahme. Beispielsweise, wenn zwei Damen aus dem Ort ganz spontan belegte Brote für die Mittagsversorgung der Arbeiter auf die Baustelle bringen.

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