Schloss Hoheneck kontra Areal Staleburgk

In die Diskussion um eine Umbenennung hat sich der Stollberger Namens- forscher und Historiker Volkmar Hellfritzsch eingeschaltet. In einem Gastbeitrag schildert er seine Sicht zum ausgebrochenen Namensstreit.

Stollberg.

Mit dieser Debatte haben sich die Kontrahenten, deren jeder teilweise akzeptable Argumente vorzubringen hat, in eine schwierige, kaum eindeutig lösbare Situation begeben. Mit "Areal Staleburgk" will man zurück zu den Wurzeln, also zum ursprünglichen Burgennamen. Mit der Beibehaltung von "Schloss Hoheneck" sollen nicht zuletzt Erinnerungen an die zu DDR-Zeiten aus politischen Gründen in der späteren Strafanstalt inhaftierten Frauen wach gehalten werden.

Nach der älteren historischen Überlieferung ist dazu Folgendes anzumerken: Ein "Schloss" Hoheneck ist urkundlich gar nicht nachzuweisen. Erst 1706 ist lediglich vom "Forwergk Hoheneck zu Stollbergk" die Rede.

Der Name "Hoheneck" ist vom Allodialgut (Familienerbgut) des Amtmanns von Stollberg auf die sich nahebei entwickelnde Siedlung und weiter auf das auf den Ruinen des ehemaligen Jagdschlosses (1466 "das Slos Stolburg mit dem Stetel darunter gelegen") erbaute Justizamt-haus und die spätere Strafanstalt übergegangen. Insofern sollte auf den Begriff "Schloss" tatsächlich verzichtet werden.

Will man wirklich an die historischen Wurzeln, so hat man sich an die urkundliche Überlieferung zu halten. Und diese kennt auch kein "Staleburgk". Die Urkunde von 1244 nennt einen "Hugo de Staleburc", auch "Stalburch" oder "Stalburc". Schreibungen auf -gk, sogenannte vermittelnde Formen als Ausdruck der Unsicherheit des Kanzlisten, ob am Ende -g oder -k zu schreiben ist, sind jüngeren Ursprungs und erscheinen erst seit dem späten 15.Jahrhundert: 1495 "in Stolbergk". "Staleburgk" mit dem lediglich in der auch noch gefälschten Urkunde von 1244 erscheinenden "Stale-" ist demzufolge ein Anachronismus.

Wenn man eine historische Form für das Areal, also die gesamte Fläche der früheren Burg und ihrer Nachfolgebauten in Anspruch nehmen will, so erhebt sich dennoch die Frage, wie die heute vorhandenen Gebäude der ehemaligen Strafanstalt mit der Gedenkstätte benannt werden sollen. Unseres Erachtens kommt tatsächlich nur "Hoheneck" in Frage. Will man nicht vollends auf eine weitere Namensform verzichten, kann die "Lösung" des strittigen Problems allerdings nur in einem Kompromiss bestehen. Es erscheint eine Doppelform sinnvoll, die beide Positionen miteinander vereint.

Um keine der ohnehin unterschiedlichen historischen Schreibungen zu favorisieren, könnte man - zumal es mit Rückgriff auf eine nur vereinzelt bezeugte Variante bereits den Straßennamen "An der Stalburg" gibt - die eigentliche Namenbedeutung in den Vordergrund rücken, in heutigem Deutsch vom "Areal Stahlburg" sprechen und damit nicht nur Fehldeutungen entgegenwirken, sondern zugleich darauf verweisen, dass dieser hochmittelalterliche, typisch feudale "Prunk- und Trutzname" die Festigkeit und Uneinnehmbarkeit der Burg zum Ausdruck bringen soll. Zu empfehlen wäre dann "Areal Stahlburg/Hoheneck" oder, wenn es unbedingt eine historische Schreibung sein muss: "Areal Stalburc/Hoheneck".


"Gut begründet"

Burkhard Schulz (58) hält die Entscheidung der Stadt für "gut begründet", der historische Bezug überzeugt ihn. Es dürften jedoch Jahre ins Land ziehen, ehe sich der Begriff "Areal Staleburgk" in der Bevölkerung durchsetzt, sagt Schulz. Er hat auch kein Problem damit, dass die Stadt die Anlage ohne Debatte oder Bürgerbefragung umbenannt hat. Man könne nicht "jeden Firlefanz" zum Gegenstand einer Diskussion machen. Schließlich käme auch niemand auf die Idee, so einen Aufwand wegen der Umbenennung einer Straße zu betreiben.


"Klingt nach Gewerbegebiet"

Nils Unger (31) findet den Begriff "Staleburgk" aufgrund seiner historischen Herkunft passend. Nur mit dem Wort "Areal" kann er sich nicht anfreunden. "Das klingt nach Industrie- oder Gewerbegebiet", sagt er. Die Umbaupläne der Stadt freuen ihn allerdings. Er wohnt mit seiner Familie in der Nähe des Geländes. "Dass es belebt wird, ist richtig." Zugleich weiß er: "Das Projekt wird immer Gegner haben." Seine Idee: Das Wort "Familie" sollte irgendwie in die Bezeichnung der Anlage einfließen. Das würde zum künftigen Angebot passen.


"Ich habe nichts dagegen"

Rosemarie Funke (83) kann sich mit "Areal Staleburgk" arrangieren. "Ich habe nichts dagegen", sagt sie. Zumal der Name Hoheneck immer mit dem DDR-Frauengefängnis in Verbindung gebracht werde. "Das hat einen schlechten Touch."Die Umbenennung sei eine Möglichkeit, um diesen Teil der Geschichte in den Hintergrund zu rücken. Funke ist auch damit einverstanden, dass die Stadt entschieden hat, ohne vorher eine öffentliche Debatte zu führen oder die Stollberger zu befragen. "Das wird oft übertrieben."

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